Allein am Samstag offenbar 148 Tote: Schwere Gefechte in Aleppo fordern viele Todesopfer

Allein am Samstag offenbar 148 Tote : Schwere Gefechte in Aleppo fordern viele Todesopfer

Bei schweren Gefechten zwischen syrischen Regierungstruppen und Aufständischen in der Wirtschaftsmetropole Aleppo sind am Samstag nach Angaben von Aktivisten zahlreiche Menschen ums Leben gekommen.

Nach der Beschädigung einer Wasserpipeline verschärfte sich zudem die Versorgungslage in der Stadt im Norden des Landes. Nachdem sich die EU-Außenminister am Samstag bei einem informellen Treffen im zyprischen Paphos darauf einigten, den Druck auf Präsident Baschar Assad zu erhöhen, wurde der internationale Sondergesandte Lakhdar Brahimi am Sonntag zu einem Treffen mit dem Generalsekretär der Arabischen Liga, Nabil Elarabi, in Kairo erwartet.

Landesweit seien bei den Kämpfen am Samstag 148 Menschen getötet worden, teilten die Örtlichen Koordinationskomitees mit. Allein in Aleppo seien 77 Opfer zu beklagen, hieß es. Den Aktivisten zufolge hatten die Regierungstruppen die Stadt massiv mit Kampfflugzeugen und Artillerie unter Beschuss genommen, während am Boden Soldaten in einigen Stadtteilen vorrückten.

Besonders betroffen sei das im Osten gelegene Viertel Helwanije, wo allein 30 Menschen getötet worden sein sollen. Die Berichte können nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden, da die Regierung von Präsident Assad die Berichterstattung durch ausländische Journalisten im Land stark eingeschränkt hat.

Die Regierungstruppen eroberten nach eigenen Angaben die Kaserne Hanano nahe Aleppo vollständig zurück, nachdem der Stützpunkt am Freitag von Rebellen teilweise eingenommen worden sei. Dennoch dauerten die Gefechte rund um die Kaserne am Samstag weiter an. Den Aufständischen sei es gelungen, zahlreiche Gefangene zu befreien, sagte der Aktivist Mohammed Said aus Aleppo.

Nach Angaben der in Großbritannien ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte griffen Rebellen einen Kontrollposten der Streitkräfte zwischen Aleppo und der Grenze zur Türkei an. Dabei seien sechs Aufständische getötet worden. Auch in dem palästinensischen Flüchtlingslager Jarmuk in Damaskus hätten sich Rebellen und Streitkräfte heftige Gefechte geliefert, berichtete die Beobachtungsstelle.

Gegenseitige Schuldzuweisung nach Beschädigung von Wasserleitung

Unterdessen beschuldigten sich Regierung und Opposition gegenseitig, die Trinkwasserleitung in dem Stadtteil Midan der Wirtschaftsmetropole Aleppo beschädigt zu haben. Während der Gouverneur von Aleppo, Mohammed Wahid Akkad, einen Sabotageakt von "Terroristen" verantwortlich machte, meldeten die Örtlichen Koordinationskomitees und Aktivisten, dass die Leitung von einer Rakete eines syrischen Kampfflugzeugs getroffen worden sei.

"Mehrere Viertel der Stadt sind vollständig von der Wasserversorgung abgeschnitten", sagte Aktivist Said über den Internetdienst Skype. "Erst war die Stromversorgung unterbrochen und nun das Wasser. Das wird das Leid der Leute nur noch verstärken."

Die zyprische Chefdiplomatin Erato Kozakou-Marcoullis, deren Land zurzeit die Geschäfte im Rat der EU-Mitgliedsstaaten führt, erklärte am Samstag, alle 27 Außenminister seien sich in ihrer Linie gegenüber Syrien einig: Der Außenministerrat beschließe bei jedem seiner monatlichen Treffen neue Sanktionen, nichts anderes sei also auch von der nächsten Zusammenkunft am 15. Oktober zu erwarten. Es wäre die 18. Sanktionsrunde der EU, nachdem bislang schon Einreise- und Kontensperren gegen mehr als 150 Unterstützer des Assad-Regimes und Geschäftsverbote für über 50 syrische Firmen verhängt wurden. Waffen und Öl dürfen schon lange nicht mehr aus Europa ins Konfliktgebiet transportiert werden.

Derweil ließ Russland die USA erneut abblitzen, die ebenfalls gefordert hatten, den Druck auf Damaskus zu erhöhen. Moskau widersetze sich den von Washington getragenen Strafmaßnahmen gegen die syrische Regierung, weil diese die wirtschaftlichen Interessen Russlands gefährdeten, sagte Außenminister Sergej Lawrow am Rande eines Treffens pazifischer Anrainerstaaten in Wladiwostock.

Zuvor war US-Außenministerin Hillary Clinton auch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammengetroffen und hatte um die russische Unterstützung bei den Vereinten Nationen geworben. Neben China blockiert auch Russland bislang ein Vorgehen des UN-Sicherheitsrates gegen Assad.

Hier geht es zur Bilderstrecke: August 2012: Assad scherzt über "Selbstreinigung Syriens"

(APD)
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