Schokoladenzar bei Angela Merkel: Pjotr Poroschenko hofft auf Berlin

Kandidat für Präsidentenwahl in Ukraine : Schokoladenzar bei der Kanzlerin - Poroschenko hofft auf Berlin

Der ukrainische Milliardär Pjotr Poroschenko gilt als aussichtsreichster Kandidat für die Präsidentenwahl am 25. Mai. In Berlin bekommt er bereits ein feines Programm - auch wenn sich noch niemand sicher ist, ob die Wahl stattfindet.

Pjotr Poroschenko beginnt seinen Besuch in Berlin so, wie es sich für einen Milliardär aus der Ukraine wohl gehört. Der 48-Jährige - aussichtsreichster Kandidat für die Präsidentenwahl, wenn sie denn am 25. Mai tatsächlich stattfindet - landet am Mittwoch kurz nach 10.45 Uhr mit seinem Privatjet auf dem Flughafen Schönefeld. Mit der Limousine geht es weiter in den Bundestag, ins Außenministerium und schließlich auch ins Kanzleramt - ein ziemlich gutes Programm für jemanden, den vor wenigen Wochen im Westen kaum jemand so richtig im Blick hatte.

Wenn überhaupt, ist Poroschenko bislang vor allem als "Schokoladenzar" bekannt. Das hat seinen Grund darin, dass er mit seinem Süßwaren-Konzern Roshen Marktführer in Osteuropa ist. Was stimmt, allerdings nicht einmal die halbe Wahrheit ist. Längst verdient er sein Geld - geschätztes Vermögen: 1,3 Milliarden Euro - zum Beispiel auch in anderen Branchen. Auch ein eigener TV-Sender gehört dazu. Zudem mischt der Oligarch seit mehr als 15 Jahren in der ukrainischen Politik mit.

2004 stand er aufseiten der Orangenen Revolution. Später war er Leiter des Zentralbankrats, war schon Außenminister und Wirtschaftsminister auch. Die drei ziemlich verschiedenen Präsidenten Leonid Kutschma, Viktor Juschtschenko und Viktor Janukowitsch konnten phasenweise alle schon auf seine Unterstützung bauen. Kritiker halten ihm deshalb entgegen, ein Opportunist zu sein.

Wie auch immer: Zweieinhalb Wochen vor dem Termin für die erste Runde der Präsidentenwahl liegt Poroschenko jetzt selbst in allen Umfragen vorn, mit deutlichem Abstand zu Julia Timoschenko und den anderen Kandidaten. Dabei profitiert er davon, dass Box-Legende Vitali Klitschko zu seinen Gunsten verzichtet hat. Zuhause steht der Wahlkampf unter dem Motto: "Auf neue Weise leben". Zwischendurch nutzt er die Gelegenheit, um sich im Ausland besser bekanntzumachen.

Bei seinem Zwölf-Stunden-Aufenthalt in Berlin findet er offene Türen. Auch Angela Merkel und Frank-Walter Steinmeier haben Zeit. Als Festlegung auf Deutschlands Wunsch-Kandidaten will das die Bundesregierung aber nicht verstanden wissen. Im Kanzleramt verweist man darauf, dass Merkel auch andere ukrainische Politiker schon getroffen hat, auch Julia Timoschenko. "Das bedeutet keine Parteinahme. Es geht einfach darum, sich ein Bild zu machen", heißt es. Aber selbstverständlich ist auch den Leuten in Berlin klar, wie die Bilder vom Treffen mit Merkel im ukrainischen Wahlkampf wirken.

Poroschenko selbst ist erfahren genug, um der Frage aus dem Weg zu gehen. "Wir reden hier nicht darüber, dass Kanzlerin Merkel meine Kandidatur unterstützt", sagt er bei einem kurzen Pressetermin. "Wir reden darüber, dass die Kanzlerin die Ukraine unterstützt, was für uns enorm wichtig ist."

Ansonsten lässt er keinen Zweifel daran, wie er sein Land als Präsident gegen die prorussischen Milizen zusammenhalten will - mit der "Rückkehr zu Gesetz und Ordnung" sowie "null Toleranz gegen Terroristen". Von einer Beteiligung der prorussischen Milizen an internationalen Friedensgesprächen will er überhaupt nichts wissen. "Das sind ganz einfach Terroristen. Manche von ihnen sind geisteskrank."

Wenn es nach Poroschenko geht, war der Besuch in Berlin nur der Auftakt einer Reihe von Auslandsbesuchen. Demnächst soll es nach Polen gehen, am Sonntag dann zu Frankreichs Präsident François Hollande nach Paris. Und auch die Rückkehr nach Berlin hat er schon im Blick - dann allerdings mit der Präsidentenmaschine.

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(dpa)
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