Die Methoden der griechischen Faschisten: Scheinheilige Hilfe, brutale Einschüchterung

Die Methoden der griechischen Faschisten: Scheinheilige Hilfe, brutale Einschüchterung

Schießbefehle gegen Flüchtlinge, Verminung der Grenze zur Türkei und Arbeitslager für kriminelle Ausländer – mit diesem Parteiprogramm war die rechtsextremistische Partei Chrysi Avgi bei den griechischen Parlamentswahlen erfolgreich. Sieben Prozent der Wähler haben den Neonazis ihre Stimme gegeben. Ihre Methoden: Eine Mischung aus scheinheiliger Hilfe und brutaler Einschüchterung.

Schießbefehle gegen Flüchtlinge, Verminung der Grenze zur Türkei und Arbeitslager für kriminelle Ausländer — mit diesem Parteiprogramm war die rechtsextremistische Partei Chrysi Avgi bei den griechischen Parlamentswahlen erfolgreich. Sieben Prozent der Wähler haben den Neonazis ihre Stimme gegeben. Ihre Methoden: Eine Mischung aus scheinheiliger Hilfe und brutaler Einschüchterung.

Sie wollen mit Gewalt gegen Einwanderer vorgehen und versorgen notleidende Landsleute mit Nahrungsmitteln — die Morgenrotfaschisten der Partei Chrysi Avgi spalten Griechenland. Und vielerorts verbreiten sie Angst und Schrecken.

Die Neonazis scheuen nicht den öffentlichen Nahkampf. Lauthals ziehen sie durch die Straßen und halten Ausschau nach politischen Gegnern und Immigranten. Ilias Panagiotaros ist einer von ihnen. Der großgewachsene, stämmige Mann mit Bart und Schirmmütze wirkt allein aufgrund seiner Statur angsteinflößend.

Mit Bierglas auf Politiker

Als er einen Vertreter der verhassten, konservativen Partei PASOK erblickt, greift er ihn in einem Café zunächst lauthals mit Parolen an, kurz darauf mit Biergläsern. Vom Angriff durchnässt wendet sich Petros Evthymiou schließlich hilfesuchend an die Presse: "Wir blicken in das Gesicht des Faschismus. Das geht ganz Europa etwas an." Ein Bericht des ZDF-Auslandsjournals dokumentiert diese Szene.

Das Gesicht des Faschismus — in Griechenland ist es zunehmend präsenter, besonders in den von der Eurokrise gezeichneten Städten des maroden Mittelmeerstaates. Die Hilflosigkeit der Menschen treibt immer mehr Griechen in die Fänge der Neonazis.

Kampf für "Nation, Rasse, Volk"

Ihre Botschaft: Wir sorgen uns um unsere Landsleute, allerdings nur um unsere Landsleute. Chrysi Avgi kämpft für "Nation, Rasse, Volk". Sie will "Griechenland vom Schmutz befreien". Unter Schmutz verstehen die Rechten alle Einwanderer und Ausländer.

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Mit diesem Slogan waren die Morgenrotfaschisten in den Wahlkampf gezogen. Und hatten Erfolg. Der Zustrom der illegalen Einwanderer soll gestoppt und ausländische Supermarktketten wie Lidl aus dem Land verbannt werden. Zudem leugnen sie den Holocaust.

"Aus meinem Land verschwinden"

Experten schätzen, dass sich mittlerweile rund eine Millionen Einwanderer in Griechenland aufhalten, die meisten von ihnen in den Metropolen Athen und Thessaloniki. Nach dem Wahlerfolg machte der Anführer der Morgenrotfaschisten, Nikolaos Michaloliakos, seinem Ärger auf Englisch auf offener Straße Luft: "Alle illegalen Einwanderer sollen verschwinden, aus meinem Land verschwinden".

Wie perfide die Maschen der Neonazis bei der Jagd nach Wählerstimmen sind, zeigen Beispiele aus Athen: Zahlreiche Kleinlaster der Partei fahren in die Armenviertel der Hauptstadt und bringen alleinerziehenden Müttern und Rentnern Nahrung und Kleidung. Mit Bürgerwehren begleiten sie tagsüber Landsleute zum Supermarkt — und abends machen sie Jagd auf Ausländer.

Respekt vor dem Führer

Michaloliakos gibt sich gern als Führer der Griechen. Deutlich wird sein herrisches Auftreten auf einer Pressekonferenz nach dem Erfolg bei den Parlamentswahlen. Kurz vor dem Auftritt Michaloliakos fordern kahlrasierte Chaoten die Journalisten auf, sich zu erheben. Es gehe um Respekt vor dem Führer. Als einige sich weigern, werden sie erst angeschrien und schließlich des Raumes verwiesen.

Die rechtsextreme Partei stellt einen klaren Bezug zur Religion her: "Nur ein einhundert Prozent orthodoxer Grieche ist eines Griechen würdig, denn er hat spartanisches Blut in seinen Adern." Ihre Zielgruppe haben die Neonazis vornehmlich in den Problemvierteln der Großstädte.

Hier ist die Not am größten und die Wut der Bürger auf die alteingesessenen Politiker am größten. Ein Nährboden, auf dem sich am ehesten populistisches, fremdenfeindliches Gedankengut verbreiten lässt.

(nbe/csi/nbe/sap)
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