1. Politik
  2. Ausland

Scharfer Angriff auf Assads Regierung: Saudis ziehen Beobachter aus Syrien ab

Scharfer Angriff auf Assads Regierung : Saudis ziehen Beobachter aus Syrien ab

Saudi-Arabien spricht in der Syrien-Krise überraschend Klartext: Das Land will sich nicht weiter an der arabischen Beobachtermission beteiligen. Es sieht sich von Assad hintergangen. Die Arabische Liga hat den Einsatz der Beobachter inzwischen dennoch verlängert.

Sein Land ziehe seine Beobachter ab, da die syrische Regierung sich an "keine Klausel" des arabischen Plans für ein Ende der Gewalt halte, sagte der saudiarabische Außenminister Saud al-Fayçal laut Redetext bei einem Treffen mit seinen Kollegen der Arabischen Liga am Sonntag in Kairo.

Die arabischen Beobachter sind seit Ende Dezember in Syrien im Einsatz. Die Mission wird von der syrischen Opposition kritisiert, weil die Gewalt in dem Land trotzdem anhält.

Die erste Beobachtermission in Syrien ist inzwischen offiziell beendet. Das Urteil fiel zwiespältig aus. Das Töten hat dadaurch kein Ende gefunden.

Die Beobachtermission der Arabischen Liga, die das Blutvergießen in Syrien beenden sollte, war angesichts der anhaltenden Gewalt in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten. Viele Aktivisten sprachen sich für eine Entsendung internationaler Truppen oder für einen Militäreinsatz ähnlich wie in Libyen aus.

Nach Mitteilungen aus Delegationskreisen wird die Arabische Liga ihren Einsatz dennoch um einen Monat verlängern.

Die Außenminister der 22 arabischen Staaten kamen bei einem Treffen in Kairo zusammen, um über die Zukunft der Mission zu beraten. Auch solle die Zahl der Beobachter erhöht werden und diese ein Training durch die Vereinten Nationen erhalten, hieß es weiter.

Unterdessen zogen sich syrische Regierungssoldaten nach heftigen Gefechten mit Deserteuren aus einem Vorort der Hauptstadt Damaskus zurück. Der Vorsitzende des Syrischen Observatoriums für Menschenrechte, Rami Abdul-Rahman, erklärte am Sonntag, die Truppen hätten Duma am frühen Morgen verlassen. Informationen über Opfer lägen ihm nicht vor. Allerdings hätten Soldaten an einem Kontrollposten einen vorbeigehenden Mann erschossen, sagte er.

Der Aktivist Mustafa Osso bestätigte den Rückzug aus Duma. Er wusste aber nichts über Gefechte dort. Das Zentrum von Damaskus steht seit Beginn der Proteste gegen Präsident Baschar Assad unter Kontrolle seiner Anhänger. In den Vororten kam es dagegen wiederholt zu Protestaktionen gegen das Regime.

Tödlicher Angriff auf Gefangenentransport

Derweil kamen auch am Wochenende zahlreiche Menschen in Syrien bei Kämpfen ums Leben oder wurden verletzt. Bei einem Angriff auf einen Gefangenentransport im Nordwestens des Landes wurden nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur SANA am Samstag mindestens 14 Menschen getötet. Das Polizeifahrzeug sei auf einer Schnellstraße von vier Sprengsätzen getroffen worden, hieß es. "Terroristen" hätten im Anschluss auch einen eingetroffenen Krankenwagen angegriffen.

Das in London ansässige Syrische Observatorium für Menschenrechte betätigte den Vorfall, sprach allerdings von 15 getöteten Häftlingen. Zu der Tat bekannte sich niemand. Ein syrischer Aktivist erklärte, in der Gegend sei die Freie Syrische Armee aktiv, eine Gruppe von Deserteuren. Möglicherweise sei der Gefangenentransport nicht das eigentliche Ziel der Angriffe gewesen.

Weitere Aktivisten berichteten von heftigen Kämpfen zwischen syrischen Soldaten und Deserteuren in der Region Dschabal al Sawija nahe der türkischen Grenze und in der Ortschaft Maaret al Numan im Norden des Landes. Dabei seien neun Mitglieder der Streitkräfte und ein Deserteur getötet worden, hieß es. Die Örtlichen Koordinationskomitees erklärten, in Syrien seien am Samstag fünf weitere Menschen ums Leben gekommen, darunter drei in der Stadt Homs.

Nach UN-Angaben kostete die Gewalt in Syrien seit März vergangenen Jahr rund 5.400 Menschen das Leben.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Baschar Al-Assad

(AFP)