Staatsbesuch im Weißen Haus: Sarkozy hofft auf ein wenig Glanz

Staatsbesuch im Weißen Haus: Sarkozy hofft auf ein wenig Glanz

Düsseldorf (RPO). Auf diesen Empfang hat Sarkozy lange sehnsüchtig gewartet. Endlich kann er US-Präsident Barack Obama seine Aufwartung machen. Der Amerikaner hat den kleinen Franzosen lange Zeit auf Distanz gehalten. Und auch heute könnten unangenehme Dinge auf den französischen Präsidenten zukommen.

Von der Unterredung mit Obama am Dienstagabend erhofft sich Nicolas Sarkozy ein wenig Erholung. Die letzten Wochen in Paris haben den ehrgeizigen Franzosen doch arg mitgenommen. Die Wähler haben ihm bei den Regionalwahlen eine schallende Ohrfeige versetzt, die Popularitätswerte sind im Keller und ein Vorzeigeprojekt, die Einführung einer CO2-Steuer, hat er wegen des öffentlichen Drucks beerdigen müssen.

Im Weißen Haus hofft er, ein wenig vom Glanz des Hausbewohners mitnehmen zu können. Amtskollege Barack Obama hat zwar ähnlich schwere Zeiten hinter sich, konnte aber mit der Verabschiedung der Gesundheitsreform einen Erfolg verbuchen, der vermutlich als historisch in die Geschichtsbücher eingehen wird.

Ließ Obama Sarkozy warten?

Der Empfang des französischen Präsidenten und seiner Gattin Carla Bruni findet allerdings vor einem schwierigen Hintergrund statt. Erst knappe 14 Monate nach Obamas Amtsantritt darf Sarkozy ihm seine Aufwartung machen. Wegen Terminschwierigkeiten, heißt es offiziell. Tatsächlich dürfte die Verzögerung aber auch mit persönlichen Schwierigkeiten zu tun haben.

Wie aus Washington zu vernehmen ist gilt Sarkozy der Obama-Crew als etwas zu großspurig. Mehrfach hat er den Eindruck erweckt, Obama gehöre zu seinem engsten Freundeskreis. Bei dem US-Präsidenten hat das keine nennenswerten Sympathien für den Franzosen geweckt. Trotzdem weist der Elysee-Palast immer wieder mit Nachdruck darauf hin, dass Sarko und seine Gemahlin zum Abendessen in den Privatgemächern des Weißen Hauses eingeladen sind.

Heikles Thema EADS

Auch hat Sarkozy Kontraste gesetzt und sich auf Kosten der USA profiliert. Noch unmittelbar vor seinem Treffen warb der französische Staatspräsident für ein neues weltweites Finanzsystem. Globale Regelungen seien notwendig, um weitere Krisen zu verhindern, sagte er am Montag in einer Rede an der Columbia University in New York. Zugleich appellierte er an die USA, darüber nachzudenken, "was es bedeutet, die weltweite Macht Nummer eins" zu sein. Sensible Gemüter können das als Maßregelung verstehen.

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Noch ein weiteres Thema belastet die Atmosphäre. So hat Sarkozy versprochen, den gescheiterten EADS-Auftrag für das Pentagon zur Sprache zu bringen, bei dem europäischen Flugzeugbauer Milliarden durch die Lappen gegangen sind.

Zudem könnte bei allem Gebuhle um gute Stimmung auf den Élysée-Chef eine unbequeme Forderung zukommen: Diplomaten schließen nicht aus, dass Obama von Sarkozy eine Truppenaufstockung für Afghanistan einfordern könnte, zumindest aber mehr Ausbilder für Sicherheitskräfte und Polizei. Noch am Vorabend hatte Sarkozy betont, es sei nicht leicht zu erklären, "dass Franzosen in Afghanistan ums Leben kommen".

Hinter vorgehaltener Hand lästern schon jetzt einige darüber, dass Sarkozys Besuch vor allem anstrengende Seiten mit sich bringe: So habe der Präsident ein Büro gewünscht, in dem eine besondere Espresso-Maschine vorhanden sein sollte. Die Franzosen hätten zudem ein eigenes Podest mitgebracht, auf dem Sarkozy seine Rede hielt, es aber versäumt, darauf den ebenfalls eingeflogenen Teppich auszurollen.

Obama dementiert Konfliktvermutungen

Anlässlich des Besuchs von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei US-Präsident Barack Obama hat das Weiße Haus die engen Beziehungen der beiden Staatsmänner gewürdigt. Obama und Sarkozy unterhielten "sehr solide Beziehungen", und der französische Präsident werde als "wichtiger Verbündeter" der USA geschätzt, sagte Obamas Sprecher Robert Gibbs am Dienstag in Washington. Er dementierte Berichte, wonach es Spannungen zwischen den beiden Präsidenten gebe.

Gibbs kündigte an, dass Obama den Gast aus Paris nicht um zusätzliche Soldaten für Afghanistan bitten werde. Sarkozy hatte eine Aufstockung des französischen Kontingents an Kampftruppen bereits zuvor ausgeschlossen. Frankreich entsandte aber mehr Militärausbilder. Mit gut 3300 Soldaten ist Frankreich der viertgrößte Truppensteller in Afghanistan.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bruni und Sarkozy beim Empfang in Paris