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Präsidentenwahl in Frankreich: Sarkozy-Berater kommt aus rechtem Lager

Präsidentenwahl in Frankreich : Sarkozy-Berater kommt aus rechtem Lager

Er ist die graue Eminenz im engsten Zirkel des Elysee-Palastes: Nur selten tritt Patrick Buisson öffentlich auf, noch seltener direkt an der Seite des französischen Präsidenten. Doch sein Einfluss auf Nicolas Sarkozy gilt als immens, der 63-jährige Berater bestimmt den Wahlkampf des konservativen Staatschefs maßgeblich.

Buissons Strategie eines "Rechtsrucks" wird bis zur Stichwahl am 6. Mai vermutlich noch an Bedeutung gewinnen, denn nun geht es darum, möglichst viele Wähler der Rechtsextremen Marine Le Pen einzusammeln.

Der Politologe und Journalist mit dem kahlen Schädel und der Metallbrille kommt selbst aus dem extrem rechten Lager. In den 80er Jahren arbeitete er für die rechtsextreme Wochenzeitung "Minute" und begleitete mit Wohlwollen den Aufstieg des Vaters von Marine Le Pen, des Gründers der rechtsextremen Partei Front National (FN). Aus dieser Zeit gibt es auch Aufnahmen, die Buisson Seite an Seite mit Jean-Marie Le Pen zeigen, über den er ein Buch herausgab.

Als Anti-Kommunist aufgewachsen

Später gründete der erzkatholische Traditionalist seine eigene politische Beratungsgesellschaft, zudem leitet er den Geschichtssender der privaten Fernsehgesellschaft TF1. Der als strammer Anti-Kommunist aufgewachsene Buisson gewann vor allem im Wahlkampf 2007 an Einfluss auf Sarkozy. Der Wahlsieg damals wird auch der Strategie Buissons zugeschrieben, der ihm unter anderem die Idee für ein Ministerium für Einwanderung und nationale Identität vorgegeben hatte.

Der Spezialist für Meinungsumfragen setzt auch in diesem Wahlkampf auf die Themen Einwanderung und Sicherheit, denn er ist überzeugt, dass die Linke auf diesen Feldern wenig zu bieten hat. Dass es sich dabei um einen "Rechtsruck" handeln soll, bestreitet der studierte Historiker: "Wenn der Rechtsruck darin besteht, dem Leiden der besonders betroffenen und besonders verletzlichen Franzosen Rechnung zu tragen, dann machen die alten politischen Kategorien kaum noch Sinn", sagte er Mitte März der Zeitung "Le Monde".

"Kandidat des Volkes"

Im laufenden Wahlkampf werden Buisson eine Reihe von Ideen und Aussagen zugeschrieben, die Sarkozy überraschend vorbrachte - von der Wiedereinführung der Grenzkontrollen über Referenden zur Arbeitslosenhilfe bis hin zu Sarkozys Appell an die Franzosen "Helft mir!". Vor allem die Strategie des Präsidenten, sich als "Kandidat des Volkes" und nicht "der Eliten" darzustellen, soll auf den Berater zurückgehen. Denn nach allen Umfragen braucht Sarkozy die Unterstützung von etwa 70 bis 75 Prozent der Le-Pen-Wähler, um den Sozialisten François Hollande doch noch zu schlagen.

  • Fotos : Sarkozy und Hollande geben Stimme ab
  • Fotos : Anhänger-Duell zwischen Sarkozy und Hollande
  • Porträt : Hollande - Frankreichs Präsident

Der äußerst diskrete Buisson, der selbst mit dem engsten Zirkel Sarkozys im Elysee-Palast nur wenig Kontakt pflegen soll, wird als Schattenmann in der französischen Presse beargwöhnt und bewundert. Mal wird er als "böser Geist", mal als "außergewöhnlicher Stratege", mal als "Kartenleger" des Präsidenten beschrieben, der fast schon über Hexer-Qualitäten verfügt. Ein kleines Wunder müsste er diesmal vollbringen, damit Sarkozy die Stichwahl am 6. Mai doch noch gewinnt: In allen Umfragen liegt der Präsident nach wie vor bis zu zehn Prozentpunkte hinter seinem sozialistischen Herausforderer.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Frankreich: Jubel bei Rechten und Sozialisten

(AFP/dapd)