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Am Sonntag sind Präsidentschaftswahlen: Putins Frau soll ins Kloster geflohen sein

Am Sonntag sind Präsidentschaftswahlen : Putins Frau soll ins Kloster geflohen sein

Der starke Mann Russlands trifft seine Entscheidungen einsam, er möchte am liebsten völlig unberechenbar bleiben. Sein Privatleben schottet Wladimir Putin ab, die Öffentlichkeit kennt nur die inszenierten Auftritte des 59-Jährigen. Die Ehe scheint zerrüttet zu sein. Seine Frau tritt öffentlich nicht mehr in Erscheinung.

Das Ehepaar sitzt auf einem spießigen, beige bezogenen Sofa. In der Ecke ein betagter Fernseher, davor ein wuchtiger Couchtisch. Der Hausherr trägt einen braunen Pulli, seine Frau eine biedere Strickkombi. Labradorhündin Koni kuschelt sich in die Polster. Ihnen gegenüber sitzt eine junge Volkszählerin mit Fragebögen in der Hand.

Dieses Bild ist eines der letzten, die Wladimir Putin (59) und seine Frau Ljudmila (54) zusammen zeigen. Es entstand im Oktober 2010, angeblich bei den Putins zu Hause. Die Szene soll Normalität suggerieren. Doch normal ist an dem Foto gar nichts, wie die russische Internetgemeinde feststellte.

Auf dem Couchtisch stehen kleine Mineralwasserflaschen und umgedrehte Gläser — die Aufnahmen entstanden also offenbar in einem Hotel oder einem Gästehaus der Regierung, nicht daheim bei den Putins. Und während Wladimir Putin einen Ehering trägt, prangen an den Händen seiner Frau zwei Schmuckringe. Die Gesichter der beiden sind angespannt — viel zu sagen haben sie sich nicht mehr.

Nahe der Grenze zu Estland?

Die Ehe von Wladimir Putin gilt seit Langem als zerrüttet. Am Sonntag will er sich erneut zum Kremlchef wählen lassen. Damit ist das Thema zum Politikum geworden: Ein Präsident ohne First Lady — das ist für viele Russen unvorstellbar, egal ob sie Anhänger oder Gegner Putins sind. "Die Ehefrau des Präsidentschaftskandidaten hat sich so lange nicht in der Öffentlichkeit gezeigt, dass der Volksmund sie schon ins Kloster verbannt hat!", rief der oppositionelle Journalist Artemi Troizki bei einer Demonstration auf dem Bolotnaja-Platz in Moskau.

In der Tat halten sich hartnäckig Gerüchte, Ljudmila Putina sei vor ihrem Mann in ein Kloster bei Pskow nahe der Grenze zu Estland geflüchtet, um hier als Ordensfrau zu dienen. Sie solle dort das Amt der Äbtissin übernehmen, hieß es. Letzteres hat die russisch-orthodoxe Kirche dementiert: Wer vorher ein weltliches Leben geführt habe, könne nicht so schnell die Leitung eines Klosters übernehmen.

Zum orthodoxen Weihnachtsgottesdienst erscheint Putin schon seit Jahren ohne seine Frau. Besonders bitter: Seine Frau hat an diesem Tag, dem 6. Januar, Geburtstag. "Ljudmila Putina war an einem anderen Ort", sagte Putins Pressesprecher Dmitri Peskow schmallippig, als das Klatschmagazin "Sobesednik" nachhaken wollte. Was der Premier ihr zum Geburtstag geschenkt habe? Sein Sprecher wusste es nicht: "Privatsache."

Auch über die erwachsenen Töchter Putins ist kaum etwas bekannt. Die heute 27-jährige Maria und die 26-jährige Jekaterina besuchten die Schule der deutschen Botschaft in Moskau (Putin selbst spricht fließend Deutsch, seine Frau ist Deutschlehrerin) und studierten in St. Petersburg. Beide sollen im Ausland verheiratet sein. Es gibt nicht einmal aktuelle Bilder von ihnen. In einem Interview mit westlichen Medien sagte Putin kürzlich, er wolle die Privatsphäre seiner Familie schützen. "Sie sehen doch, die Familienmitglieder sind weder in der Politik noch in der Wirtschaft. Sie mischen sich nicht ein, und ich möchte, dass sie alle in Ruhe gelassen werden."

Seit Jahren ein Verhältnis nachgesagt

Es könnte aber auch andere Gründe dafür geben, dass Putin von seiner Familie entfremdet ist. Seit Jahren wird Putin ein Verhältnis mit der Sportlerin Alina Kabajewa (29) nachgesagt. Die Olympiasiegerin in Rhythmischer Sportgymnastik brachte 2010 einen Sohn zur Welt, über dessen Vater sie sich ausschweigt.

Manche wollen in den Gesichtszügen des Kindes eine Ähnlichkeit mit Putin erkannt haben. Doch es ist riskant, sich mit dem Privatleben des "nationalen Führers" zu beschäftigen. Die Zeitung "Moskowski Korrespondent", die 2009 über eine angebliche Hochzeit Putins mit Kabajewa berichtete, musste kurz darauf schließen.

Die Geheimnistuerei um Putins Privatleben ist symptomatisch dafür, wie isoliert und unnahbar der ehemalige Geheimdienstler geworden ist. Putin, das ist nur noch eine Abfolge von Posen, inszeniert für eine handzahme, kremltreue Presse. Putin halbnackt auf dem Pferd, Putin neben einem betäubten Tiger, Putin als Pilot eines Löschflugzeugs. Der Mensch Putin scheint dahinter verschwunden.

Russlands Regierungschef und seinen PR-Beratern ist offenbar mittlerweile die Bodenhaftung abhandengekommen. Im Sommer besuchte Putin den Ausgrabungsort Fanagoria am Schwarzen Meer. Ein Foto zeigte ihn nach einem Tauchgang im Neoprenanzug, in den Händen zwei antike Amphoren. Ganz Russland lästerte später darüber, dass diese Fundstücke garantiert vorher auf dem Meeresgrund platziert worden waren.

Viele Russen nachhaltig verärgert

Sein Privatleben hat Putin abgeschottet, in der Politik ist er umgeben von Menschen, die von ihm abhängig sind oder ihn fürchten. "Seine Entscheidungen trifft er völlig unberechenbar und unerwartet", sagt Jewgeni Gontmacher, Wirtschaftsberater des amtierenden Präsidenten Dmitri Medwedew, "das ist ein Merkmal eines autoritären Herrschers". So sei es auch Putins einsame und unerwartete Entscheidung gewesen, nach acht Jahren als Kremlchef und vier Jahren als Premier bei der Präsidentenwahl 2012 wieder anzutreten.

Möglicherweise hat Putins einst guter politischer Instinkt ihn bei dieser Entscheidung verlassen. Auf dem Kongress der Kremlpartei Geeintes Russland im vergangenen September gaben Medwedew und Putin bekannt, sie hätten die wichtigsten Fragen für das politische Leben des Landes schon untereinander geregelt: Putin werde wieder Präsident, Medwedew übernehme den Posten als Regierungschef.

Die selbstherrliche Art, wie das Duo den Ämtertausch ankündigte, hat viele Russen nachhaltig verärgert. Wenige Wochen später wurde Putin bei einer Kampfsportveranstaltung in einem Stadion ausgepfiffen. Es war das erste deutliche Zeichen, dass seine Popularität sinkt.

(RP/das)