Auch an zweitem Flugzeugwrack Sprengstoffreste gefunden: Russland: Doppelabsturz offenbar Doppelanschlag

Auch an zweitem Flugzeugwrack Sprengstoffreste gefunden: Russland: Doppelabsturz offenbar Doppelanschlag

Moskau (rpo). Vier Tage nach den fast zeitgleichen Flugzeugabstürzen in Russland sind auch am zweiten Flugzeugwrack Sprengstoffspuren entdeckt worden. Damit bestätigt sich der anfängliche Terrorverdacht. Die Ermittlungen am Fundort dauern an.

Bei den beiden Flugzeugabstürzen in Russland mit insgesamt 90 Toten handelt es sich damit offenbar um einen Doppelanschlag. Russische Ermittler hätten auch am Wrack der zweiten Tupolew-Maschine, die in der Nähe von Tula abgestürzt war, Sprengstoffspuren entdeckt, sagte ein Sprecher des russischen Geheimdienstes FSB am Samstag der Nachrichtenagentur ITAR-TASS. Das Flugzeug wurde demnach mit der gleichen Chemikalie gesprengt wie die Maschine, die in der Nähe von Rostow am Don abgestürzt war. Die Spur der Ermittler führte Medienberichten zufolge nach Tschetschenien, nachdem unter den Wrackteilen die Leichenteile zweier verdächtiger Frauen gefunden wurden.

Genauere Untersuchungen von Wrackteilen der Tupolew 134 hätten "Spuren von Hexogen" gezeigt, sagte der FSB-Sprecher ITAR-TASS. Bei dem Absturz des Flugzeugs im Westen des Landes waren 44 Menschen ums Leben gekommen. Den Absturz der anderen Tupolew mit 46 Menschen an Bord hatte der Geheimdienst bereits am Freitag als "Terrorakt" bezeichnet. Die beiden Flugzeuge waren am Dienstag nahezu zeitgleich abgestürzt.

Ermittlungen konzentrieren sich auf Frauen-Leichen

Die Ermittler konzentrierten sich nach russischen Medienberichten auf die Leichenteile zweier Frauen aus der abtrünnigen Kaukasusrepublik, nach denen sich bislang keine Angehörigen erkundigt haben. ITAR-TASS meldete, dass von den 46 Menschen an Bord einer der beiden Tupolews alle bis auf eine Frau identifiziert seien. Bei der Toten handele es sich wahrscheinlich um eine Tschetschenin, über die zunächst nichts Genaueres bekannt war. Die Frau habe ihr Flugticket in letzter Minute gekauft und sei als Letzte an Bord der Maschine gegangen, berichtete die Tageszeitung "Komsomolskaja Prawda".

Hinter dem Anschlag auf die Tupolew 134 stecke vermutlich ebenfalls eine Tschetschenin, berichtete die russische Tageszeitung "Iswestija" unter Berufung auf einen Beamten aus dem Heimatort der Frau. Die 27-Jährige habe "ein eindeutiges Motiv zum Sterben" gehabt: Vor vier Jahren hätten Sicherheitskräfte ihren Bruder abgeführt, von dem es seitdem kein Lebenszeichen mehr gegeben habe. "Indem sie sich und das Flugzeug in die Luft sprengte, hat sie ihren Bruder gerächt."

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Von den zuständigen Behörden verlautete, ein Bein der Frau sei in einem der Waschräume im Heckbereich gefunden worden. Die Leiche sei im Vergleich zu den anderen schlimmer entstellt; Teile der Toten seien im Umkreis von zweieinhalb Kilometern verstreut gewesen. Die Überreste der Frau würden im Labor auf Sprengstoffspuren untersucht.

Russland verschärft Sicherheitsvorkehrungen

Nach den ersten Erkenntnissen über einen Terroranschlag am Freitag verschärfte die russische Regierung die Sicherheitsmaßnahmen. Das Verkehrministerium teilte mit, dass künftig Angaben aus dem Reisepass auf dem Flugticket stehen sollen. Ein Mitarbeiter des Ministeriums sagte ITAR-TASS, dadurch solle die Kontrolle von Passagieren und Gepäck verbessert werden. Verstöße gegen die neue Vorschrift sollen demnach "streng" bestraft werden.

Die zuständigen Behörden stellten nach Angaben der Regierung in Moskau schon vor Monaten Sicherheitsmängel auf dem Flughafen von Domodedowo fest, von dem die beiden abgestürzten Passagiermaschinen gestartet waren. Die Verkehrssicherheitsbehörde habe Ende Mai "eine Reihe von Mängeln" im Bereich der Fluggastsicherheit und der Befrachtung festgestellt, teilte Verkehrsminister Igor Lewitin am Freitag mit. Laut Lewitin, der die Untersuchungskommission zu den Abstürzen leitet, sind für Sicherheitsfragen "eher die Flughäfen zuständig als die Fluggesellschaften".

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(ap)
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