Neue Kuba-Krise?: Russland denkt über Militärbasis auf Kuba nach

Neue Kuba-Krise? : Russland denkt über Militärbasis auf Kuba nach

Moskau (RPO). Russland erwägt die Nutzung von Militärbasen in Kuba und Venezuela für die Stationierung von Langstreckenbombern in unmittelbarer Nähe zu den USA. Die Verlegung nach Kuba sei "möglich", sagte der Generalstabschef der strategischen Luftwaffe, Anatoli Schicharew, am Samstag der Nachrichtenagentur Interfax-AWN. Er bestätigte ein Angebot von Venezuelas Präsident Hugo Chávez, Langstreckenbomber in seinem Land landen zu lassen.

Auf der kommunistisch regierten Karibikinsel Kuba gebe es "vier oder fünf" Startbahnen, die für die schweren Langstreckenbomber geeignet seien, sagte Schicharew. "Wenn der politische Wille der beiden Staatschefs da ist, sind wir bereit, dorthin zu fliegen", sagte der russische Generalstabschef. Die venezolanische Verfassung verbiete zwar die Einrichtung ausländischer Militärbasen im eigenen Land. Die von Chávez angebotene Militärbasis auf der Insel La Orchila könnten die russischen Kampfflugzeuge jedoch für kurze Zwischenlandungen nutzen: "Wir landen, wir absolvieren den Flug und wir fliegen wieder ab", sagte Schicharew.

Die Ankündigung untermauert Russlands Pläne, seine militärischen Kapazitäten auch in entlegenen Regionen der Welt auszubauen - trotz angespannter Haushaltslage und veralteter Flugzeuge. Russland hatte im August 2007 nach 15-jähriger Pause seine Kontrollflüge mit Langstreckenbombern wieder aufgenommen. Im vergangenen Jahr wurden zwei Kampfflugzeuge vom Typ Tu-160, die mit Atomsprengköpfen ausgestattet werden können, vorübergehend in Venezuela stationiert. In der Karibik, praktisch vor der Haustür der USA, hielten Russland und Venezuela zudem ein Marinemanöver ab.

Die US-Regierung unter Präsident George W. Bush hatte gelassen auf die Demonstration militärischer Stärke von Moskau und Caracas reagiert. Im Juli warnte ein ranghoher US-Luftwaffengeneral jedoch, wenn Russland atomwaffenfähige Bomber in Kuba stationiere, werde "für die USA eine rote Linie" überschritten.

Kuba hatte Anfang der 60er Jahre im Zentrum einer Krise zwischen Moskau und Washington gestanden. Die als Kuba-Krise bekannte Konfrontation hatte die Welt 1962 an den Rand eines Krieges geführt. Sie hatte sich an der geplanten Stationierung sowjetischer Atomwaffen in Kuba entzündet; Moskau gab damals schließlich dem Druck aus Washington nach und verzichtete auf die Stationierung.

(AFP)