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Sechs-Länder-Treffen: Russland beharrt auf diplomatischer Lösung im Atomstreit

Sechs-Länder-Treffen : Russland beharrt auf diplomatischer Lösung im Atomstreit

Moskau (rpo). Bei einem internationalen Krisentreffen zum iranischen Atomprogramm will Russland am Dienstag auf einer diplomatischen Lösung beharren. Moskau habe seinen Standpunkt nicht verändert und werde dies nicht tun, erklärte ein Sprecher des Außenministeriums. Zu dem Treffen in Moskau werden Vertreter der fünf ständigen Mitglieder des Weltsicherheitsrats sowie Deutschlands erwartet.

Auch bei Gesprächen der G-8-Staaten am Mittwoch steht das Thema Iran auf der Tagesordnung. Die Regierung in Teheran drohte unterdessen laut einem Zeitungsbericht mit dem Einsatz von zehntausenden Selbstmordattentätern, sollten iranische Atomanlagen angegriffen werden. Die 40.000 Attentäter gehörten einer Sondereinheit der Revolutionären Garde an, die im März während einer Militärparade erstmals zu sehen gewesen sei, schrieb die britische Zeitung "The Sunday Times". Die Mitglieder der Einheit hätten Sprengstoff an ihren Uniformen getragen und Zünder in die Höhe gehalten.

"Wir sind bereit, sensible Punkte der Amerikaner und Briten anzugreifen, wenn sie die Atomanlagen des Irans angreifen", zitierte die Zeitung einen Sprecher der Revolutionären Garde. Die Zeitung schrieb weiter, nach ihr vorliegenden westlichen Geheimdienstinformationen leite die Revolutionäre Garde ein geheimes Atomwaffenprogramm, das sich der Aufsicht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) entziehe.

Spekulation über Angriff

Laut dem Zeitungsbericht gibt es auch klare Hinweise auf Überlegungen von US-Präsident George W. Bush, den Iran anzugreifen. "Wenn das Problem nicht auf irgendeine Art gelöst wird, beabsichtigt er zu handeln, bevor er aus dem Amt scheidet, denn es wäre unfair, die Aufgabe der Zerstörung der iranischen Atomanlagen einem neuen Präsidenten zu hinterlassen", zitierte die "Sunday Times" aus einem Geheimdienstdokument. Bush hat Berichte in US-Medien, er erwäge einen Militäreinsatz, als "wilde Spekulation" zurückgewiesen.

Der frühere iranische Präsident Haschemi Rafsandschani erklärte in Kuwait, er gehe nicht von einem US-Angriff aus. Die Konsequenzen seien zu gefährlich. Außerdem sei er sich sicher, dass die arabischen Länder Amerika in diesem Fall nicht unterstützen würden. Er bekräftigte, dass der Iran an der Anreicherung von Uran festhalten werde.

Auch der frühere US-Regierungsberater Richard Clarke warnte Bush vor einem Angriff auf den Iran. Ein militärischer Konflikt mit dem Iran könnte den amerikanischen Interessen noch stärker schaden als die Auseinandersetzungen im Irak, erklärte Clarke in einem am Sonntag veröffentlichten Beitrag für die "New York Times". Der Iran könnte mit Angriffen auf Ölanlagen im persischen Golf reagieren und so den Ölpreis nach oben treiben, hieß es in dem Beitrag.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Konflikt um Irans Atomanlagen

(ap)