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Russischer Journalist Arkadi Babtschenko erschossen

Scharfer Kritiker von Putin : Prominenter russischer Journalist in Kiew erschossen

Der russische Kriegsreporter Arkadi Babtschenko ist in Kiew erschossen worden. Er hatte im vergangenen Jahr seine Heimat verlassen, weil er um sein Leben fürchtete. Ein ukrainischer Abgeordneter macht Russland für die Tat verantwortlich.

Seine Ehefrau habe ihn am Dienstag blutend in seiner Wohnung entdeckt und den Notarzt gerufen, teilte die Polizei mit. Babtschenko habe mehrere Schussverletzungen am Rücken gehabt und sei noch auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Der Journalist war ein scharfer Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Babtschenko verließ Russland 2017, nachdem er nach eigenen Angaben Drohungen erhalten und Angst bekommen hatte, verhaftet zu werden. Er zog zunächst nach Prag und später nach Kiew, wo er als Moderator eines privaten Fernsehsenders arbeitete.

Der 41-Jährige kämpfte während der 90er Jahre für das russische Militär im Ersten Tschetschenienkrieg, später wurde er Journalist. Als Kriegsreporter war er für verschiedene russische Medien im Einsatz. Er veröffentlichte mehrere Bücher, die auf seinen Kriegserfahrungen basierten.

Babtschenko galt in den vergangenen Jahren als äußerst kremlkritisch. Er kritisierte die Annexion der Krim, die russische Unterstützung von Separatisten in der Ostukraine und das Eingreifen Russlands in Syrien. Viele seiner Artikel sorgten in Russland für Verärgerung.

Berufliche Aktivitäten als Motiv?

Kiews Polizeichef Andrej Krischtschenko sagte, dass Babtschenkos „professionelle Aktivitäten“ das Motiv für die Tat sein könnten. Er sei mit Abscheu erfüllt, sagte Harlem Desir, ein Sprecher für Pressefreiheit der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, OSZE. Das Komitee zum Schutz von Journalisten forderte umgehende Ermittlungen.

Der ukrainische Abgeordnete Anton Geraschtschenko machte auf Facebook Russland verantwortlich. Das Regime von Präsident Wladimir Putin nehme diejenigen ins Visier, die nicht gebrochen oder eingeschüchtert werden könnten. Babtschenko sei “ein Gegner des Putin-Regimes und ein Freund der Ukraine" gewesen. 
Das russische Außenministerium erklärte dagegen, in der Ukraine würden Journalisten getötet, ohne dass die Taten bestraft würden. "Blutige Verbrechen und totale Straffreiheit sind für das Kiew-Regime zur Routine geworden." Die Ukraine müsse den Fall umgehend untersuchen.

Die russischen Behörden hätten ein Strafverfahren im Fall Babtschenko eröffnet. Vor zwei Jahren war der weißrussische Journalist Pawel Scheremet, ein Kritiker der Regierung seines Heimatlandes und ein Freund des erschossenen russischen Oppositionsführers Boris Nemzow, bei einem Autobombenanschlag in Kiew getötet worden.

(juju/dpa/afp/reu/)