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Russische Journalistin Owsjannikowa wegen Kriegsprotests festgenommen​

Protest während Live-Sendung : Russische Journalistin Owsjannikowa wegen Kriegsprotests festgenommen

Zuvor waren die Privaträume der früheren TV-Journalistin durchsucht worden, die im März mit einer Aktion gegen den Ukraine-Krieg während einer russischen Live-Sendung einer Weltöffentlichkeit bekannt wurde.

Die russischen Behörden haben am Mittwoch die bekannte Journalistin Marina Owsjannikowa festgenommen. Vorgeworfen wird ihr die Verbreitung von Falschinformationen über die russischen Streitkräfte, wie ihr Anwalt Dmitri Sachwatow in sozialen Medien mitteilte. Das Strafverfahren beziehe sich auf einen Protest seiner Mandantin im Juli, bei dem diese ein Banner gehalten hatte, auf dem stand: „(Der russische Präsident Wladimir) Putin ist ein Mörder, seine Soldaten sind Faschisten. 352 Kinder sind (in der Ukraine) getötet worden. Wie viele weitere Kinder sollten sterben, damit Sie aufhören?“

Sollte Owsjannikowa der Prozess gemacht werden und sie verurteilt werden, drohe ihr eine langjährige Gefängnisstrafe unter einem neuen Gesetz, das Äußerungen gegen das Militär unter Strafe stellt und das kurz nach der russischen Invasion in die Ukraine eingeführt wurde, erklärte Sachwatow in der Messaging-App Telegram. Zuvor waren die Privaträume Owsjannikowas durchsucht worden und sie war zur Befragung mitgenommen worden. Sachwatow sagte, sie werde die Nacht in einer Zelle im Hauptquartier der Moskauer Polizei verbringen.

Owsjannikowa hatte als Produzentin für einen staatlich finanzierten Fernsehsender gearbeitet. Sie erlangte weltweite Bekanntheit, als sie am 14. März während einer abendlichen Nachrichtensendung im Hintergrund ein Plakat hochhielt, auf dem sie ein Ende des Krieges in der Ukraine forderte und dazu aufrief, nicht der russischen Propaganda zu glauben: „Sie lügen euch hier an.“ Wegen Herabwürdigung des Militärs wurde sie mit einer Geldstrafe belegt.

Nach ihrer Kündigung bezog Owsjannikowa weiter öffentlich Stellung gegen das russische Vorgehen in der Ukraine. In den vergangenen Wochen musste sie zwei weitere Male Geldstrafen zahlen.

Nach Angaben der Rechtshilfsorganisation Net Freedoms, die sich auf Fälle, die die Redefreiheit betreffen spezialisiert hat, gab es bis Mittwoch 79 Strafverfahren wegen des Vorwurfs der Verbreitung von Falschinformationen und bis zu 4000 Verwaltungsverfahren wegen des Vorwurfs der Herabwürdigung der Streitkräfte Russlands.

(boot/dpa)