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Rumänien: Knappes Rennen zwischen Victor Ponta und Klaus Iohannis

Präsidentschaftswahlen in Rumänien : Knappes Rennen zwischen Ponta und Iohannis

Bei der zweiten Runde der Präsidentschaftswahl hat sich am Sonntagabend Nachwahlbefragungen zufolge ein enges Rennen zwischen dem bisherigen Regierungschef Victor Ponta und dem deutschstämmigen Bürgermeister von Hermannstadt (Sibiu), Klaus Iohannis, abgezeichnet.

Das ergaben Befragungen von Wählern unmittelbar nach Schließung der Wahllokale um 20.00 Uhr. Mit ersten Ergebnissen der Stichwahl wurde in der Nacht zum Montag gerechnet.

In drei Befragungen lag Iohannis mit 50,9 bis 51,5 Prozent der Stimmen vor dem bisher als Favoriten gesetzten Ministerpräsidenten Ponta. Dieser lag in zwei Nachwahlbefragungen mit einem Ergebnis von 50,7 bis 50,9 Prozent in Führung. In einer sechsten Befragung lagen beide Kandidaten gleichauf.

Gesucht wurde der Nachfolger des scheidenden Staatschefs Traian Basescu, der gemäß der Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht erneut antreten durfte. Als Faustpfand des sozialdemokratischen Regierungschefs Ponta gilt die ländliche Bevölkerung des zweitärmsten EU-Mitgliedstaats. Für den konservativen Iohannis gibt es dagegen in den Städten Zuspruch. Experten zufolge dürfte sich eine hohe Wahlbeteiligung zu Gunsten von Iohannis auswirken.

 Zur Wahl stehen der bisherige Regierungschef Victor Ponta und...
Zur Wahl stehen der bisherige Regierungschef Victor Ponta und... Foto: dpa, mr lb

Unter der Woche waren noch tausende Rumänen aus Protest gegen Ponta auf die Straße gegangen, weil er ihrer Ansicht nach zu wenige Wahlbüros für Auslandsrumänen öffnen ließ und damit gezielt seinen Widersacher benachteiligte.

In der ersten Wahlrunde hatten nur rund 160.000 der rund drei Millionen Auslandsrumänen ihre Stimme abgegeben. Das Ergebnis fiel mit 46 Prozent für Iohannis klar zu Ungunsten von Ponta aus, der nur auf 15,8 Prozent kam. Am Sonntag bildeten sich vor Wahlbüros wie in Paris, London und Turin lange Warteschlangen.

Ponta sagte bei der Stimmabgabe in Bukarest, er habe gewählt, "damit unsere Eltern in einem besseren Land leben können und unsere Kinder eine Zukunft hier in Rumänien haben". Während sich der 42-jährige Ministerpräsident werbewirksam an der Seite seiner Ehefrau und der beiden Kinder äußerte, wirkte Iohannis wie so oft unangenehm berührt von der großen Medienpräsenz. Beim Einwurf seines Stimmzettels sagte der 55-Jährige, er erhoffe sich "Respekt und Wohlstand" für Rumänien.

 ...der deutschstämmige Bürgermeister von Hermannstadt (Sibiu), Klaus Iohannis.
...der deutschstämmige Bürgermeister von Hermannstadt (Sibiu), Klaus Iohannis. Foto: ap

Als ehemaliger Staatsanwalt für Korruptionsfälle trat Ponta für die Sozialdemokratische Partei (PSD) an. Er genießt den Rückhalt der einflussreichen Rumänisch-Orthodoxen Kirche und ging beflügelt durch die zuletzt positive Wirtschaftsentwicklung des Landes in die Stichwahl.

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Ihm hängt allerdings sein gescheiterter Versuch nach, seinen Erzfeind Basescu im Sommer 2012 handstreichartig aus dem Amt zu jagen. Zudem wurden Pontas umstrittene Maßnahmen im Justizwesen und die Aushöhlung der Gewaltenteilung auch außerhalb der Landesgrenzen kritisiert.

Der frühere Physikprofessor Iohannis kandidierte für die Christlich-Liberale Allianz (ACL) mit dem Versprechen, die Rechtsstaatlichkeit zu stärken und ausländische Investoren anzulocken. Mit seinem Demokratischen Forum der Deutschen in Siebenbürgen war er vor 14 Jahren als Bürgermeister ins Rathaus von Sibiu eingezogen. Drei Mal wurde er seither in Europas Kulturhauptstadt des Jahres 2007 wiedergewählt. Als deutschstämmiger Rumäne und Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche vertritt Iohannis gleich zwei gesellschaftliche Minderheiten.

(AFP)