Gedenkfeier in Kigali: Ruanda erinnert an Völkermord vor 25 Jahren

Gedenkfeier in Kigali : Ruanda erinnert an Völkermord vor 25 Jahren

Die Tötung von rund 800.000 Tutsi während des Genozids in Ruanda soll nicht in Vergessenheit geraten. Das Land gedenkt der Opfer, zugleich präsentiert Präsident Kagame ein Zukunftsbild voller Zuversicht.

25 Jahre nach dem Beginn des Völkermords in Ruanda steht das Land nach Auffassung von Präsident Paul Kagame voller Hoffnung und Zuversicht da. Die Ruander würden sich niemals wieder gegenseitig angreifen und töten, sagte er bei Gedenkfeiern am Sonntag. „Körper und Geist haben Amputationen und Narben davongetragen, aber keiner von uns ist allein. Wir Ruander haben uns selbst einen Neubeginn gewährt. Wir leben in einem Zustand des permanenten Gedenkens, jeden Tag, bei allem was wir tun.“

Bei dem Völkermord der Hutu an den Tutsi waren vor 25 Jahren rund 800.000 Menschen getötet worden. Neben Staatenlenkern aus anderen afrikanischen Ländern und Vertretern der Afrikanischen Union kam auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zu den Gedenkveranstaltungen. Die Zeit könne die dunkelsten Stunden in der Geschichte nicht auslöschen, sagte er. „Es ist unsere Pflicht, sich zu erinnern.“

Der äthiopische Ministerpräsident bekundete Solidarität mit den Ruandern. Unter Kagames Führung sei die Einheit der Nation gestärkt worden. Am Abend sollte es eine Gedenkfeier in einem Stadion der Hauptstadt Kigali geben, zu der rund 30.000 Menschen erwartet wurden. Kagame und seine Frau Jeanette hatten zuvor an einer Massengrabgedenkstätte für 250.000 Opfer Kränze niedergelegt.

Der Massenmord an der Minderheit der Tutsi begann am 6. April 1994, als ein Flugzeug mit dem damaligen Präsidenten Juvénal Habyarimana abgeschossen wurde. Er gehörte zur Volksgruppe der Hutu. Die Tutsi wurden für den Abschuss verantwortlich gemacht. Anschließend begannen Hutu-Extremisten mit der Tötung der Tutsi, sie wurden dabei von Armee, Polizei und Milizen unterstützt.

Kagames Regierung hat die Hutu-geführte Regierung von 1994 für den Abschuss verantwortlich gemacht und zudem der französischen Regierung vorgeworfen, bei den Verbrechen weggeschaut zu haben. Kritiker werfen Paris vor, der Hutu-Regierung von damals zu unterstützend beigestanden zu haben. Am Freitag ordnete Präsident Emmanuel Macron eine Studie an, um die Rolle Frankreichs bei dem Genozid zu untersuchen. Am Sonntag gab Macron eine kurze Stellungnahme heraus, in der er sich solidarisch mit dem ruandischen Volk zeigte.

Ein Eckpfeiler der Regierung Kagame ist die ethnische Versöhnung. Er hat das Land de facto seit dem Ende des Genozids geführt, seit 2000 ist er Präsident des Landes. Ihm wird zugute gehalten, die Gewalt beendet und für Stabilität und Wirtschaftswachstum gesorgt zu haben. Kritiker werfen ihm aber vor, politisch Andersdenkende zu unterdrücken und Oppositionsfiguren einzusperren.

Auch 25 Jahre nach Ende des Völkermords werden indes weiter Leichen gefunden. Im vergangenen Jahr entdeckten die Behörden Massengräber mit mutmaßlich 5400 Opfern. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch mahnen, neben einer Erinnerung an die Opfer gehöre zum Fortschritt in der Gesellschaft auch, die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

(zim/dpa)
Mehr von RP ONLINE