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Roger Stone vorübergehend verhaftet: FBI klagt Trump-Vertrauten an

Russland-Affäre : Trump-Vertrauter Stone angeklagt

Roger Stone wurde vorübergehend verhaftet. Das FBI wirft dem 66-Jährigen unter anderem Justizbehinderung vor.

Er sei, hat Roger Stone einmal mit dem Stolz eines Außenseiters über sich selber gesagt, ein Mann schmutziger Tricks. Mit 19, noch bevor der Präsident Richard Nixon über den Watergate-Skandal stürzte, begann er, republikanische Politiker im Wahlkampf zu beraten. Seine Verehrung für Nixon ging so weit, dass er dessen Konterfei in Form eines Tattoos auf seinem Rücken trug. Nachdem Donald Trump an den Start des Rennens um die Präsidentschaft gegangen war, gehörte Stone wie selbstverständlich zum Kreis seiner Ratgeber. Allerdings war er mit seiner Neigung zur Hochstapelei wie zu kruden Verschwörungstheorien eher die Karikatur eines Ratgebers. Keiner, den man ernst nahm. Ein schillernder Selbstdarsteller, zweifellos. Aber auch ein Schlüsselakteur?

Lange schien er nur eine Randfigur zu sein, während Robert Mueller, der Sonderermittler der Russlandaffäre, seine Nachforschungen vorantrieb. Das könnte sich seit Freitag geändert haben. In der Morgendämmerung fuhren FBI-Agenten an Stones Anwesen in Fort Lauderdale im Süden Floridas vor, um ihn zu verhaften. Zuvor hatte Mueller Anklage gegen Stone eingereicht, wegen Justizbehinderung, Falschaussagen und der Beeinflussung von Zeugen. Konkret wird dem 66-Jährigen vorgeworfen, den Kongress belogen und die Untersuchungen zu eventuellen Geheimabsprachen zwischen dem Wahlkampfteam Trumps und der russischen Regierung behindert zu haben.

Unter anderem versucht Mueller herauszufinden, ob Trump oder dessen Leute vorab im Bilde oder gar die Anstifter waren, als Wikileaks brisante E-Mails aus dem Hauptquartier der Demokratischen Partei veröffentlichte. Im Juli vor drei Jahren, pünktlich zum Auftakt des Parteitags der Demokraten, der Hillary Clinton zur Kandidatin fürs Oval Office küren sollte, stellte die Enthüllungsplattform Teile der digitalen Beute ins Netz. Stone, ist nun in der Klageschrift zu lesen, habe Vertrauten Trumps zwischen Juni und Juli 2016 von Dokumenten erzählt, deren Freigabe Clinton gewiss schaden werde. Nach Erkenntnissen von US-Geheimdiensten sollen russische Hacker die Computer der demokratischen Parteizentrale geknackt haben, bevor sie die Mails dem Wikileaks-Gründer Julian Assange zuspielten.

Nach der ersten Veröffentlichung am 22. Juli sei, schreibt Mueller, ein hochrangiger Berater Trumps angewiesen worden, Stone zu kontaktieren, um nach weiterem belastendem Material zu fragen. Wer die Anweisung erteilte und wer sie ausführte, bleibt vorläufig offen. Im Oktober 2016 dann legte Wikileaks tatsächlich nach, mit 6000 E-Mails, in denen es hauptsächlich um John Podesta ging, Clintons Wahlstrategen.

Stone gehörte der Kampagnenmannschaft des New Yorker Immobilienmoguls damals schon nicht mehr an. Schon bald nach dem Start im Juni 2015 hatte er sie im Streit verlassen, gleichwohl verstand er sich nach wie vor als inoffizieller Assistent Trumps. Eine Zeit lang sprach er, nicht ohne Stolz, von seinen Gesprächskanälen zu Assange, der sich seit geraumer Zeit in der Londoner Botschaft Ecuadors aufhält. Gegen den Präsidenten der USA auszusagen, betonte Stone erst vor wenigen Wochen, komme ihm nicht in den Sinn. Darauf Trump in einem Tweet: „Gut zu wissen, dass es noch Leute gibt, die Mut haben.“