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Schmuddel-Vorwürfe gegen Herman Cain: Republikaner werfen mit Schmutz

Schmuddel-Vorwürfe gegen Herman Cain : Republikaner werfen mit Schmutz

Washington (RP). Herman Cain hat für alles eine einfache Erklärung parat: seine verblüffende Erfolgssträhne. "In der ersten Phase ignorieren sie dich, in der zweiten machen sie sich lustig über dich, in der dritten versuchen sie dich zu vernichten", sagt der Favorit der US-Republikaner für die Präsidentschaftskandidatur über die Gedankenwelt seiner Rivalen. "Erst wenn du alle drei überstanden hast, wirst du akzeptiert."

Der 65-jährige ist der Überflieger der republikanischen Wahlkampfsaison. Gestartet als krasser Außenseiter, liegt er in den meisten Umfragen vorn oder zumindest gleichauf mit Mitt Romney. Seit kurzem aber machen Vorwürfe der sexuellen Belästigung die Runde. Prompt rutschte er in den Umfragen ab. Mehr als die Hälfte der Befragten glauben Cain — der die Vorwürfe bestreitet — nicht. Das Duell der Republikaner, ohnehin schon überaus ruppig geführt, gerät allmählich zur Schlammschlacht.

Mittlerweile sind es drei Frauen, einst angestellt beim amerikanischen Gaststättenverband, die Cain, der die Lobbyorganisation von 1996 bis 1999 leitete, "sexual harassment" zur Last legen. Der Begriff ist so weit gefasst, dass er wildesten Spekulationen Vorschub leistet. Der Kandidat selbst hat nur einen Fall kommentiert, nach seinen Worten eine falsch gedeutete Geste. Angeblich blickte er auf eine Mitarbeiterin herab, hob seine Hand ans Kinn und ließ sie wissen, dass sie genauso groß sei wie seine Gattin, die ihm auch nur bis zum Kinn reiche. Zwei der drei Frauen verließen bald darauf den Verband, mit einer Abfindung und einer Schweigeverpflichtung. Eine wurde nun von ihrem Anwalt aufgefordert, das Schweigen zu brechen. Sollte es dazu kommen und sie Cain belasten, dann könne der Selfmade-Millionär ganz gewiss einpacken, orakelt ein Politikberater namens Chris Wilson.

Pikant: Wilson steht in den Diensten Rick Perrys, des republikanischen texanischen Gouverneurs, der ebenfalls ins Weiße Haus einziehen möchte und mit seiner unbeholfenen Art abgehängt wirkt. Kein anderer als Perry habe die Schlammschlacht angezettelt, behauptet Cain. Perrys Team wiederum zeigt mit dem Finger auf Romney: Dessen Leute hätten die Sexgeschichten ausgegraben.

Wenn es bei alledem einen Sieger gibt, dann ist es Präsident Barack Obama, der im Vergleich zu seinen konservativen Konkurrenten wie der Inbegriff souveräner Gelassenheit wirkt.

Cain hingegen ist für viele Anhänger der Republikaner die erzkonservative Version von Obama. Cain redet oft und gern von Gott. Und er ist kein Kosmopolit, sondern ein schwarzer Amerikaner, der lange nichts anderes kannte als die kleine Welt der Südstaaten. Er verbreitet mit seinem Humor Gute-Laune-Stimmung. Sein Rezept ist ebenso simpel wie erfolgreich. Der Unternehmer, der eine Pizzakette vor dem Ruin rettete, gibt einfach den Nichtpolitiker und kommt damit an. So wie er "Godfather's Pizza" in Schwung brachte, bringe er auch "America Inc." wieder nach vorn. Weltpolitik, das gibt er selbst zu, interessiert ihn nur am Rande. Er punktet mit Sätzen wie "Es ist mir egal, wie der Präsident von Ubeki-ubeki-ubeki-stan heißt".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Herman Cain - Sprücheklopfer und Liebling der Republikaner

(RP)