Republikaner richten Fake-Webseiten über Konkurrenten ein

US-Wahlkampf mit allen Mitteln: Republikaner richten Fake-Webseiten über Konkurrenten ein

Vor anstehenden Wahlen kämpfen konkurrierende Parteien oft mit harschen Mitteln gegeneinander. So auch in den USA. Dort stehen im November die wichtigen Kongresswahlen an. Und die Republikaner haben sich schon mal eine etwas andere Wahlwerbung erdacht. Sie erstellen Fake-Webseiten ihrer politischen Konkurrenten.

Viele Bürger wollen sich vor Wahlen gerne über den für sie zuständigen Kandidaten informieren. Das Internet spielt dabei eine nicht unbedeutende Rolle, wie auch die vergangene Bundestagswahl gezeigt hat. Und so dürfte es auch vor den Kongresswahlen in den USA, die im November stattfinden, der Fall sein. Die Republikaner haben sich deshalb eine etwas andere Internetstrategie ausgedacht — zum Leidwesen der Demokraten.

Denn das Kampagnenbüro der Republikaner (NRCC) hat Webseiten mit den Namen der demokratischen Konkurrenz einrichten lassen. Und die sehen auf den ersten Blick aus wie echte Wahlkampfseiten. So etwa im Fall von Ann Kirkpatrick, demokratische Kongressabgeordnete aus Arizona. Auf der Webseite annkirkpatrick.com ist ein Foto der Politikerin mit strahlendem Lächeln zu sehen, auf einem Banner daneben die Überschrift "Kirkpatrick for Congress" — farblich ähnlich gestaltet wie die tatsächliche Webseite der Demokratin. Mittendrin ein riesiger Spenden-Button, der schnell von Unterstützerin angeklickt werden könnte.

16 Fake-Seiten bekannt

Erst bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die Webseite als Fake. Wer etwa auf den Spenden-Button klickt, wird auf eine andere Seite weitergeleitet. Und dort steht deutlich, dass das NRCC dafür da ist, die Demokraten zu bekämpfen. Und auch auf der Fake-Webseite selbst steht im kleineren Text so manches, das weniger rühmlich für Kandidaten wie Kirkpatrick ist.

So ist bei der Demokratin aus Arizona etwa zu lesen: "Kirkpatrick ist eine große Peinlichkeit für Arizona." Darunter werden Gründe aufgelistet wie etwa, dass sie nur wenige Tage nach ihrer Rückkehr in den Kongress bei 16 Abstimmungen gefehlt habe.

Kirkpatrick ist aber nur ein Beispiel von vielen in Bezug auf die Fake-Webseiten. Das US-Magazin "Time" will bei seinen Recherchen auf 16 solcher Seiten gestoßen sein und fragt dabei auch, ob hierbei nicht die Grenze des Legalen überschritten worden sei.

NRCC-Sprecherin: 100-prozentig legal

Andrea Bozek, Sprecherin des NRCC verneint dies. Dem "National Journal" sagte sie: "Nicht nur, dass diese Seiten extrem effektiv sind, sie sind auch 100-prozentig legal". Schließlich könnten so die Wähler über die Fehler der demokratischen Kandidaten informiert werden. Und im "Time"-Magazin bezeichnet sie die Demokraten sogar als digital im Rückstand.

"Sie sollten die Domains für ihre Kandidaten kaufen. Ich glaube, das gehört zur Grundtaktik eines Wahlkampfes", so Bozek. Das NRCC wolle noch mehr solcher Seiten einrichten, wenn der Wahlkampf in die heiße Phase gehe. Ebenso wolle man die Domain-Adressen für die eigenen Kandidaten kaufen.

Übrigens: Auch die Demokraten kennen sich mit solchen Fake-Webseiten aus. So hat die Partei etwa die Seite jollyforcongress.com ins Leben gerufen. Im Kampagnenbüro der Partei heißt es aber laut "Time", man wolle keine Webseiten machen, die die Bürger verwirrten. Auf der Webseite jollyforcongress.com wird denn auch schon auf den ersten Blick deutlich, dass diese dem republikanischen Kongressabgeordneten David Jolly alles andere als freundlich gesinnt ist. Auf roten Hintergrund prangt dort der Satz: "Ein Washingtoner Lobbyist, der den Kongress nicht stärken wird."

(das)
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