Drogen in Kolumbien: Regierung und Farc kämpfen jetzt Seite an Seite

Drogen in Kolumbien : Regierung und Farc kämpfen jetzt Seite an Seite

Gut eine Woche vor der Präsidentschaftswahl in Kolumbien hat die Regierung bei Friedensgesprächen mit den linksgerichteten Farc-Rebellen einen weiteren Erfolg erzielt. Die Aufständischen stimmten zu, sich vom Kokainhandel loszusagen und stattdessen gemeinsam mit den Behörden gegen die Verbreitung von Drogen vorzugehen.

Davor hatten Farc und die andere große Rebellengruppe des Landes, die Nationale Befreiungsarmee, gemeinsam erklärt, die Kampfhandlungen für acht Tage vom 20. bis 28. Mai zu stoppen - rund um die Präsidentschaftswahl am 25. Mai.

In der Erklärung vom Freitag hieß es weiter, um die Grundlage für stabilen und nachhaltigen Frieden in Kolumbien zu legen, sei es notwendig, eine Lösung gegen das Problem illegaler Drogen zu finden. Die US-Anti-Drogenbehörde DEA und örtliche Behörden gehen davon aus, das einige Kräfte der Farc seit langem in die Produktion und den Verkauf von Drogen an mexikanische und kolumbianische Schmuggler verwickelt sind. Das Rauschgift wird demnach über venezolanische Mittelsmänner weitergegeben. Peru löste Kolumbien vor kurzem als größten Koka-Anbauer ab. Die Farc hatte früher jegliche Beteiligung am Rauschgifthandel abgestritten.

Der jüngsten Einigung waren eine Reihe von Abkommen zwischen der Regierung in Bogotá und den Farc-Rebellen vorausgegangen. So haben sich die beiden Seiten bereits auf eine Landwirtschaftsreform und eine politische Partizipation der Farc geeinigt. Doch keine der Übereinkünfte tritt in Kraft, bevor nicht alle Punkte auf der Verhandlungsagenda geklärt sind.

Am 25. Mai finden in Kolumbien Wahlen statt, in denen der amtierende Präsident Juan Manuel Santos, der die Friedensgespräche führte, auf seine Hauptherausforderer Oscar Ivan Zuluaga trifft, der diese abgelehnt hatte. Zuluaga, ein Schützling von Ex-Präsident Alvaro Uribe, hatte erklärt, dass die Farc die Feindseligkeiten beenden müsse, damit die Gespräche fortgesetzt würden.

In der Vergangenheit hatten die Rebellen häufig versucht, Präsidentschaftswahlen zu stören. Santos war unter Druck geraten, weil er mit der Politik von Uribe gebrochen hatte, dessen unbarmherziger - von den USA unterstützter - militärischer Druck auf die Rebellen diese stark geschwächt hatte.

Der Kandidat der Konservativen Partei, Marta Lucia Ramirez, kritisierte, mit dem Waffenstillstand verbinde sich die Farc mit der Kampagne des Präsidenten. Zuluaga, der in Umfragen an zweiter Stelle hinter Santos liegt, sagte, der Stopp krimineller Handlungen sollte unbefristet und nachprüfbar sein. Begrüßt wurde die Einigung von Senator Roy Barreras, der sagte, dies sei eine deutliche Botschaft, dass Frieden nah und möglich sei.

Beide Rebellengruppen waren in den 1960er Jahren als ein Auswuchs einer bäuerlichen Bewegung entstanden, die eine gerechtere Verteilung des Lands gefordert hatte. Die Farc hat rund 8000 Mitglieder, die Nationale Befreiungsarmee 2000. Die Befreiungsarmee hatte nicht an den Verhandlungen mit der Regierung in Havanna teilgenommen, obwohl sie ihren Wunsch dazu kundgetan hatte.

(ap)
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