Referendum über Abtreibung in Irland hat begonnen

Umstrittenes Referendum hat begonnen : Iren stimmen über Verfassungsänderung zu Abtreibung ab

Mit einem einfachen Ja oder Nein entscheiden die Iren an diesem Freitag über das Recht auf Abtreibung. Seit dem Morgen können die Wahlberechtigten ihre Stimme bei dem Referendum abgeben - welches nicht unumstritten ist.

In Irland wird über eine das Recht auf Abtreibung betreffende Verfassungsänderung abgestimmt. Das Referendum könnte zu einer Lockerung der strengen Abtreibungsgesetze des überwiegend katholischen Landes führen.

Konkret betrifft das Referendum den achten Verfassungszusatz, der seit 1983 das Leben eines ungeborenen Kindes praktisch mit dem der Mutter gleichstellt. Würde dieser abgeschafft, könnte eine liberalere Gesetzgebung folgen.

Irlands Premierminister Leo Varadkar hatte am Donnerstag via Twitter das Referendum befürwortet. Er rief die Iren dazu auf, mit Ja für eine Abschaffung des achten Verfassungszusatzes zu stimmen. Die Ergebnisse des Referendums werden frühestens am Samstagnachmittag erwartet.

Das überwiegend katholische Land ist in der Frage nach legalen Schwangerschaftsabbrüchen gespalten. Sowohl Befürworter als auch Gegner des Referendums warben im Vorfeld in zahlreichen Kampagnen um Stimmen. In Dublin gingen Aktivisten beider Lager auf die Straße.

In Umfragen liegen Befürworter von Abtreibungen vorn

Die Befürworter stellten dabei das Selbstbestimmungsrecht der Frau in den Vordergrund. Eine der Demonstrantinnen, Jessie Carton, sagte: „Meine Tante wurde gezwungen, ihre Schwangerschaft fortzusetzen, obwohl ihr gesagt wurde, dass das Baby stirbt.“ Das wolle sie anderen Frauen ersparen, fügte die 17-jährige hinzu. Wegen ihres Alters darf sie aber noch nicht an der Abstimmung teilnehmen.

Abtreibungsgegner erwidern, dass nur Gott über das Leben entscheiden dürfe. Irland sei zu liberal geworden und es sei besser, sich auf die christlichen Werte des Landes zu besinnen, sagte etwa der 78-jährige John Byrne.

Meinungsumfragen zufolge überwiegen derzeit die Stimmen der Befürworter von Abtreibungen. Aber die Konservativen glauben noch nicht an eine Niederlage. „Denkt daran: Der Brexit sollte nicht durchgehen und auch Donald Trump sollte nicht gewählt werden“, sagte David Quinn vom konservativen Iona-Institut.

(das/AP)
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