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Recep Tayyip Erdogan zieht Zügel bei Twitter-Blockade weiter an

Kurznachrichtendienst verboten : Türkei zieht Zügel bei Twitter-Blockade weiter an

Die türkischen Behörden schneiden ihre Bürger immer mehr vom Kurznachrichtendienst Twitter ab. Nun sei auch Twitters Linkverkürzer t.co gesperrt, berichteten türkische Medien am Montag. Damit werden beim Klick auf solche über Twitter verkürzte Links die Websites dahinter nicht mehr aufgerufen.

Viele Nutzer hatten die in der Nacht zum Freitag eingeführte Blockade zunächst umgangen. Die türkischen Behörden setzten auf eine DNS-Sperre - das heißt, bei den einheimischen Internet-Providern wurde die Übersetzung der Web-Adresse twitter.com in den entsprechenden IP-Zahlenblock verhindern, so dass sie nicht erreicht wurde. Wer die IP-Adresse kannte oder alternative DNS-Dienste nutzte, kam trotzdem ans Ziel.

Seit dem Wochenende werde Twitter auch direkt über die IP-Adresse blockiert, hieß es. Zudem habe die Regierung Umgehungen der Sperre über alternative DNS-Server wie Google DNS blockiert. Ein DNS-Server löst einen eingetippten Domainnamen wie twitter.com in die technische Adresse (IP-Adresse) auf. Wer Google als DNS-Dienst in seinem Browser eingetragen hatte, konnte auch in der Türkei wie bisher auf einfache Weise auf twitter.com gehen, ohne die IP-Adresse von Twitter kennen zu müssen. Twitter kann allerdings noch über sogenannte VPN-Dienste erreicht werden, die einen verschlüsselten Tunnel zum Internet herstellen.

Zehn Tage vor der Kommunalwahl hatte die türkische Regierung den Kurznachrichtendienst Twitter blockieren lassen. Die Sperre trat in der Nacht zum Freitag in Kraft - wenige Stunden nachdem Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan seine Drohungen gegen soziale Medien drastisch verschärft hatte. Erdogan ist durch eine Reihe von Korruptionsvorwürfen unter Druck geraten und Twitter wird in der Türkei auch als Enthüllungsplattform genutzt.

Der Kurznachrichtendienst hat in der Türkei Schätzungen zufolge rund zwölf Millionen Nutzer. Erdogan selbst betreibt neben seiner Facebook-Seite zwei Twitter-Profile. Die Twitter-Sperre stieß bei westlichen Regierungen und der EU auf scharfe Kritik. Auch der türkische Staatschef Abdullah Gül verurteilte die Sperrmaßnahme.

Der Kurznachrichtendienst hat seinen Nutzern unterdessen die Geheimhaltung ihrer Daten zugesichert. "Twitter steht weiter dazu, die Privatsphäre unserer Nutzer in der Türkei zu verteidigen - wir werden ihr Vertrauen nicht verraten", teilte Twitter am Montag mit.

Hier geht es zur Infostrecke: 2014: So reagieren Twitter-User auf Erdogans Sperre

(dpa)