Recep Tayyip Erdogan: Ein Palast der Superlative für den Präsidenten

Türkischer Staatspräsident : Ein Palast der Superlative für Recep Tayyip Erdogan

Seine Anhänger nennen ihn gern mal den "Sultan": Recep Tayyip Erdogan. Schon kurz nach seiner Wahl hat der Präsident der Türkei deutlich gemacht, dass er sich nicht allein mit repräsentativen Aufgaben zufrieden geben wird. Nun setzt er ein Zeichen: mit einem Palast der Superlative – 1000 Zimmer inmitten eines Naturschutzgebietes. Damit bricht er auch mit einer Tradition.

Seine Anhänger nennen ihn gern mal den "Sultan": Recep Tayyip Erdogan. Schon kurz nach seiner Wahl hat der Präsident der Türkei deutlich gemacht, dass er sich nicht allein mit repräsentativen Aufgaben zufrieden geben wird. Nun setzt er ein Zeichen: mit einem Palast der Superlative — 1000 Zimmer inmitten eines Naturschutzgebietes. Damit bricht er auch mit einer Tradition.

Am 29. Oktober soll es soweit sein: Dann soll der neue Präsidentenpalast am Rande von Ankara eingeweiht werden. Es ist der 91. Jahrestag der Republik-Gründung durch Mustafa Kemal Atatürk. Symbolträchtiger könnte die Einweihung kaum sein. Denn mit dem neuen Palast bricht Erdogan mit einer Tradition: Erstmals wird ein Präsident des Landes nicht mehr im Atatürk-Palais residieren.

"Der neue Präsidentenpalast ist ein enormes Machtsymbol", sagte der Historiker Hans-Lukas Kieser dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF. "Obwohl der Staatspräsident weiterhin weitgehend repräsentative Aufgaben hat, sieht sich Erdogan eindeutig in einer anderen Stellung." Und das mit superlativen Ausmaßen, wie sich an dem neuen Palast zeigt.

So soll das Gebäude mit dem Namen Aksaray (Weißer Palast) 1000 Räume umfassen — auf einem Areal von 210.000 Quadratmetern. Der Bau selbst soll 40.000 Quadratmeter umfassen. Nach türkischen Medienberichten würde der französische Elysée-Palast hier 20 Mal hineinpassen. Beinhalten soll er aber nicht nur Wohnräume für den Staatspräsidenten, sondern auch Büros, abhörsichere Bunker, Tunnel, sowie Räume, die sowohl gegen Bomben- als auch Chemiewaffenangriffe gesichert sein soll.

Kalkınma Bakanlığı saray için çalışmış.kullandığı ödenekten AOÇ'de yapılan AkSaray'a aktarılan kaynak 1.5 milyar lira pic.twitter.com/YzWt5Y8jOW

Zudem wurde das Gebäude im Stil der Seldschuken errichtet, wie Erdogan selbst betonte. Die Seldschuken besiegten in der Schlacht von Manzikert im Jahr 1071 die christlichen Byzantiner und öffneten damit dem Islam das Tor nach Anatolien.

Erdogan jedenfalls ließ den Bau ohne Rücksicht durchziehen. Denn eigentlich ist dieser illegal. Der Palast liegt im Atatürk-Forst am Rande von Ankara, und dieser steht unter Naturschutz. So schreibt die Webseite "Al Monitor", dass ein Gericht erst im März mit Hinweis auf die Illegalität angewiesen hatte, den Palast abzureißen. Doch Erdogan ignorierte die Gerichtsentscheidung und ließ weiterbauen. "Lass sie ihn doch abreißen, wenn sie können", sagte er. "Sie können das Gebäude nicht stoppen. Es wird öffnen, ich werde umziehen und es nutzen."

Viel Kritik hat er sich allerdings nicht anhören müssen in den türkischen Medien. So berichtete etwa die englischsprachige Ausgabe der "Hürriyet" im September über den Neubau. In einem Nebensatz wird erwähnt, dass der Bau kontrovers sei, weil dafür hunderte Bäume auf einer der besterhaltenen grünen Flächen der Stadt gefällt werden mussten.

Vielmehr befasste sich die Zeitung mit der Kritik einiger Abgeordneter der Opposition — und die bezog sich vor allem auf den Bruch mit der Tradition, nicht mehr in Atatürks Palais residieren zu wollen. So wird Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu mit den Worten zitiert: "Gesellschaften werden ins Chaos gestürzt, wenn sie mit ihren Traditionen brechen." Loyalität gegenüber solchen Traditionen zu zeigen, das sei wichtig für die Gesundheit einer Gesellschaft.

Und ÖzcanYeniceri von der Oppositionspartei MHP sagte der Zeitung: "Erdogan will sich selbst mit Atatürk vergleichen." Nur eben auf eine ganz andere Weise — mit seinem eigenen Stil, seiner eigenen Politik und nun auch mit seinem ganz eigenen Palast.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Recep Tayyip Erdogan als türkischer Präsident vereidigt

(das)
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