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Auftritt als britischer Biedermann: Rassist Nick Griffin zu Gast bei der BBC

Auftritt als britischer Biedermann : Rassist Nick Griffin zu Gast bei der BBC

Düsseldorf (RPO). Am Donnerstag bot der staatlich finanzierte britische Sender BBC einem Mann ein Forum, der Flüchtlingsschiffe am liebsten versenken würde und Adolf Hitler mehrfach lobte. Doch Nick Griffin, Vorsitzende der rechtsextremen British National Party (BNP), hat sich gewandelt – zumindest nach außen. Die rechtsradikale Tradition ist bei dem geistigen Brandstifter, der als Biedermann auftritt, familiär tief verankert.

Düsseldorf (RPO). Am Donnerstag bot der staatlich finanzierte britische Sender BBC einem Mann ein Forum, der Flüchtlingsschiffe am liebsten versenken würde und Adolf Hitler mehrfach lobte. Doch Nick Griffin, Vorsitzende der rechtsextremen British National Party (BNP), hat sich gewandelt — zumindest nach außen. Die rechtsradikale Tradition ist bei dem geistigen Brandstifter, der als Biedermann auftritt, familiär tief verankert.

Der Auftritt des rechtsradikalen Nick Griffin in der altehrwürdigen BBC markiert nur den Höhepunkt des Weges, den der Führer der BNP seit langem eingeschlagen hat: Der Versuch, die rechtsradikale Partei in die gesellschaftliche Mitte zu führen.

Haider und Le Pen Großbritanniens

Griffin beerbte John Tyndall im Amt des Parteichefs der BNP. Der Parteigründer hatte die BNP noch offen faschistisch geführt. Seit Griffin den Parteivorsitz innehat, versucht er eine all zu offensichtliche Nähe zu nationalsozialistischem Gedankengut zu vermeiden. Griffin wirkte darauf hin, dass sich führende Parteimitglieder nicht mehr mit Nazi-Symbolen umgeben. Vorbild für den Anspruch, breite Wählerschichten anszuprechen, ist der verstorbene Rechtspopulist Jörg Haider aus Österreich und Jean-Marie Le Pen in Frankreich.

Andererseits bleibt die BNP bei ihrer offen rassistischen Rhetorik. Nick Griffin bezeichnete 1997 Schwarze als "Sklavenmischlinge", erst im September dieses Jahres schlug er als neu gewählter EU-Abgeordneter vor, afrikanische Flüchtlingsschiffe einfach zu versenken. Das Statut der Partei, das die Aufnahme nicht-weißer Mitglieder untersagt, wurde nur durch ein Gerichtsbeschluss gekippt. Einwanderung lehnt die BNP kategorisch ab.

Mit Griffin feiert die BNP Erfolge

Die Doppelstrategie wirkt: Die BNP feiert seit der Führung Griffins Erfolge. 2002 gelang ihr mit drei Mitgliedern der Einzug in den Stadtrat der englischen Stadt Burnley, 2009 sogar der Einzug ins Europaparlament. Offenbar sind die rassistischen Thesen der BNP in Teilen der britischen Gesellschaft mehrheitsfähig. Aufgrund des britischen Mehrheitswahlrecht ist es für kleine Parteien deutlich schwerer, in Parlamenten vertreten zu sein.

Bereits im Mai dieses Jahres sorgte der Parteiführer für Aufsehen, als er ankündigte, auf einer Gartenparty der Königsfamilie im Buckingham-Palast erscheinen zu wollen, machte dann jedoch einen Rückzieher. Der Auftritt auf einer offiziellen Party der königlichen Familie hätte dem Biedermann-Image von Griffin den Ritterschlag verliehen.

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Bürgerlicher Anstrich

Auch bei seinem jüngsten BBC-Auftritt am Donnerstag gab er sich bürgerlich. Die Frage, ob er den Holocaust je geleugnet habe, beantwortete er jedoch nur ausweichend. Er habe in der Sache seine Meinung geändert. Worin die Meinungsänderung bestand, wollte er trotz Nachfragen nicht sagen. Bereits in früheren Interviews distanzierte sich Griffin mehrfach von all zu radikalen Aussagen der Vergangenheit. Er hasse weder Juden noch Muslime, sagte er beispielsweise in der der Talkshow "Daily Politics", mehrere führende Parteimitglieder seien Juden. Allerdings sei er über die "Islamisierung Großbritanniens" besorgt.

Rechtsradikale Familientradition

Rechtes Gedankengut hat in Griffins Familie eine lange Tradition. Seine Eltern lernten sich laut britischen "Independent" 1948 bei einer Störaktion gegen ein Treffen der Kommunistischen Partei Englands kennen. Schon als 13-Jähriger las Griffin Adolf Hitlers "Mein Kampf". Von seinem Großvater wurde Griffin mit Literatur des antisemitischen Autors Oswald Mosley versorgt, Gründer der British Union of Fascist.

Mit 15 nahm sein Vater Nick Griffin erstmals auf ein Treffen der rechtsextremen National Front mit, später wird er führendes Mitglied der Studentengruppe der neofaschistischen Partei. Als die National Front zerfällt, ist Griffin die treibende Kraft des Ablegers der International Third Position (ITP), die eine Blut-und-Boden-Ideologie gegenüber Kommunismus und Kapitalismus durchsetzen will. Damals traf er sich mit dem Ku-Klux-Klan-Führer David Duke und unterstützt unter anderem den libyschen Nationalisten Muhammed Gaddafi und den iranischen islamischen Revolutionsführer Ayatollah Khomeini. Ab 1995 ist er in der BNP aktiv und machte dort eine Blitzkarriere.

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