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US-Präsident äußert sich in TV-Interview: Rassismus-Debatte: Barack Obama gibt sich zurückhaltend

US-Präsident äußert sich in TV-Interview : Rassismus-Debatte: Barack Obama gibt sich zurückhaltend

Seit Wochen demonstrieren tausende Amerikaner gegen Rassismus und Polizeigewalt. Der US-Präsident aber hielt sich in seinen Äußerungen zurück. Sein erstes Interview zu dem Thema nach den Entscheidungen der Grand Jurys gab er aber einem Sender, der sich vornehmend an Schwarze richtet. Ein aufrüttelndes Interview wurde es dennoch nicht, sondern ein sachliches, in dem sich Barack Obama bemühte, sich als Präsident aller Amerikaner zu präsentieren.

Michael Brown starb durch die Kugeln eines Polizisten, doch eine Grand Jury entschied, den Beamten nicht anzuklagen. Eric Garner starb im Würgegriff eines anderen Polizisten, doch auch hier erfolgte keine Anklage. Entsprechend groß ist der Unmut in vielen Teilen der amerikanischen Bevölkerung. Nach den Menschen in Ferguson gehen nun auch in vielen anderen Großstädten die Bürger auf die Straße, um gegen Polizeigewalt und Rassismus zu demonstrieren.

Anders als 2012, als er sich sehr persönlich zum Fall Trayvon Martin äußerte (der Afroamerikaner war von einem Nachbarschäftswächter erschossen worden), hält sich US-Präsident Barack Obama in diesen tagen aber mit persönlichen Einschätzungen zurück. Amerikanische Medien zufolge dürfte ein wesentlicher Grund darin liegen, dass er damals vor allem von konservativer (Medien-)Seite kritisiert worden war. Dass er nun aber das erste Interview nach den umstrittenen Entscheidungen der Grand Jurys einem Sender gab, dessen Zuschauer vor allem Afroamerikaner sind, dürfte dennoch eine bewusste Entscheidung gewesen sein.

Rund 25 Minuten stellte sich Obama den Fragen des Journalisten im Interview mit Black Entertainment Television (BET). Der US-Präsident wirkt ernst, auch ein wenig angespannt. Er weiß, dass ihm an diesem Tage vor allem ein schwarzes Publikum zusieht, das einst so viele Hoffnungen in den ersten schwarzen Präsidenten gesetzt hat. Er weiß aber auch, dass es die politische Konkurrenz nur allzu gern nutzen würde, wenn er sich zu weit aus dem Fenster lehnt.

"Kein schwarzes, sondern ein amerikanisches Problem"

Und so gibt sich das Staatsoberhaupt sachlich argumentativ beim Thema Rassismus. Er sagt, dass dieses Problem tief in der amerikanischen Gesellschaft und Geschichte verwurzelt sei, dass man aber die Fortschritte, die es in den vergangenen Jahrzehnten gegeben habe, nicht außer Acht lassen dürfe. "Wenn Sie mit ihren Eltern, Großeltern, Onkeln sprechen, werden Sie Ihnen sagen, dass die Dinge besser sind. Nicht gut, aber besser."

Obama zeigt Verständnis, dass das Video, dass den Fall Eric Garner zeigt, viele Amerikaner aufgewühlt habe — und zwar nicht nur Schwarze, sondern auch Weiße und — das denke er — sicherlich auch viele Polizisten. Immer wieder versucht der Präsident, den Mittelweg zu finden, um keiner Seite ungerecht zu werden. Er betont, dass es Polizeistationen gebe, die gut arbeiten, und solche, die es eben nicht täten. Er betont, dass es Zeit brauche für Veränderungen. "Wir können es nicht perfekt machen, aber wir können es besser machen", sagt er. Er sagt in Bezug auf seine Töchter (als er nach diesen gefragt wird), dass er möchte, dass sie als Individuen gesehen werden. Und er betont, dass er durchaus sehe, dass die weißen Jugendlichen heute viel offener seien, das erlebe er auch im Freundeskreis seiner Töchter.

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"Es ist kein schwarzes Problem, sondern ein amerikanisches Problem", sagt der Präsident. Als ihn der Moderator fragt, ob er denn energischer seine Meinung äußern müsse, hält er sich bewusst zurück, sagt, dass er deutlich mache, dass es ein Problem gebe, aber er nicht das Rechte habe, in seiner Position dem Justizministerium Vorgaben zu machen.

"Wir können nicht auf Veränderungen warten"

Hin und wieder kommt dann aber doch der Mann Barack Obama durch, den die Ereignisse durchaus persönlich berühren dürften. Als er etwa sagt, dass alle jungen Männer dumme Sachen machten — "auch sie und ich", als er Sympathie für die Demonstrationen zeigt — solange sie friedlich blieben — und als er vom Besuch schwarzer Jugendliche im Weißen Haus erzählt, die ihm von den Gängeleien berichteten — das habe ihn an die Zeit erinnert, als er 17 war. Ähnliches hatte er damals auch in seiner Rede angesichts des Falls Tayvon Martin gesagt.

Doch vor allem macht Obama deutlich, dass er in diesem Fall eben nicht der Afroamerikaner Barack Obama ist, sondern der Präsident, ein Präsident aller Amerikaner. Und als dieser sehe er es als eines der wichtigsten Dinge an, Veränderungen in Bezug auf Rassismus und Polizeigewalt herbeizuführen. Jetzt sei nicht die Zeit zu reden, sondern die Zeit zu schauen, wo etwas schief läuft, sagt er. "Wir können nicht warten, dass der Veränderungsprozess allein vonstatten geht, dazu braucht es auch die Politik", betont Obama.

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(das)