Simbabwe: Queen entzieht Mugabe die Ritterwürde

Simbabwe: Queen entzieht Mugabe die Ritterwürde

London/Harare (RPO). Königin Elizabeth II. hat dem simbabwischen Präsidenten Robert Mugabe die Ritterwürde entzogen. Zur Begründung nannte das Außenministerium in London am Mittwoch Mugabes "Missachtung der Menschenrechte" und seine "verwerfliche Geringschätzung der Demokratie".

Queen Elizabeth II. habe am Mittwoch einem entsprechenden Vorschlag des Außenministers David Miliband zugestimmt, sagte ein Sprecher des Außenamts in London. Mit der Aberkennung des "Höchst Ehrenvollen Orden vom Bande" wolle Großbritannien "ein Zeichen der Abscheu gegen den Missbrauch der Menschenrechte und die Verachtung des demokratischen Prozesses setzen", begründete er.

Mugabe war 1994 von der damaligen Regierung des Premierministers John Major mit dem Orden geehrt worden. Um die Auszeichnung in Empfang zu nehmen, reiste Mugabe damals auf Einladung der Queen zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt 1980 nach London und nächtigte im Buckingham Palace. Derzeit steht der 84-Jährige wegen massiver Gewalt gegenüber Oppositionsanhängern vor der Stichwahl um die Präsidentschaft am Freitag stark in der Kritik.

Tsvangirai weiterhin bedroht

Derweil bleibt die Lage in Simbabwe von Gewalt geprägt. Der simbabwische Oppositionsführer Morgan Tsvangirai fühlt sich weiterhin bedroht. Er sucht weiterhin Schutz in der niederländischen Botschaft in Harare. Mittwoch Nachmittag verließ er sie allerdings kurzzeitig, um eine Pressekonferenz in seinem Haus zu geben. kehrte dann aber wieder dorthin zurück. Er rief vor den Journalisten die afrikanischen Führer auf, an einer friedlichen Lösung der Krise in seinem Land mitzuwirken.

Der Politiker war am Sonntag in die niederländische Vertretung geflüchtet. Seine Teilnahme an der Stichwahl um das Präsidentenamt am Freitag hatte er zuvor abgesagt, weil die Übergriffe des Regimes von Präsident Robert Mugabe auf seine Anhänger zu stark geworden seien und er um seine eigene Sicherheit fürchtete. Die Regierung hält dagegen an der umstrittenen Stichwahl fest, mit der der 84-jährige Mugabe seine Macht weiter sichern will. Tsvangirai steht trotz seines Verzichts auf eine Teilnahme weiter auf den Stimmzetteln als Gegenkandidat Mugabes.

Nach der Pressekonferenz am Mittwoch kehrte Tsvangirai in die Botschaft zurück, wie ein Sprecher des niederländischen Außenministeriums mitteilte. Außenminister Maxime Verhagen habe Tsvangirai mitgeteilt, dass er in der Botschaft willkommen sei und dort bleiben könne, solange er wolle, sagte Ministeriumssprecher Bart Rijs.

Etwa 300 Anhänger der Opposition sind unterdessen in die südafrikanische Botschaft in Harare geflüchtet. Das teilte ein Sprecher des südafrikanischen Außenministeriums am Mittwoch in Johannesburg mit. Der Botschafter habe mit den Leuten gesprochen, und die Lage sei unter Kontrolle, sagte Ronnie Mamoepa.

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Einsatz von UN-Friedenstruppen gefordert

Tsvangirai sprach sich auf der Pressekonferenz für Gespräche zur friedlichen Beilegung der Krise unter Mithilfe der afrikanischen Staatschefs aus. Ziel der Gespräche sollte die Bildung einer Übergangsverwaltung für Simbabwe sein, sagte er. Die Gespräche könnten aber erst beginnen, wenn die Gewalt gegen seine Anhänger aufhöre und das Regime die politischen Gefangenen freilasse. "Es ist jetzt wichtig, dass beide Parteien erkennen, dass das Land brennt und dass der einzige Weg ist, sich hinzusetzen und einen Ausweg zu finden", sagte er.

In einem Zeitungsinterview hatte Tsvangirai zuvor den Einsatz von UN-Friedenstruppen in seinem Land gefordert. Ein solcher Einsatz würde einen Schutzschild über den demokratischen Prozess legen, nach dem Simbabwe sich so sehne, schrieb Tsvangirai in einem Gastbeitrag für die britische Zeitung "The Guardian".

"Wir bitten die Vereinten Nationen, weiter zu gehen als in ihrer jüngsten Resolution, in der die Gewalt in Simbabwe verurteilt wurde", erklärte Tsvangirai weiter. "Wir brauchen Truppen, um das Volk zu schützen." Die empörten Äußerungen der internationalen Gemeinschaft müssten gestützt werden von Soldaten.

Scharfe Kritik an Mbeki

Mugabe bezeichnete der Politiker als "machtbesessenen Despoten", der sein Volk zur Geisel seines Größenwahns mache. Scharfe Kritik übte Tsvangirai an dem südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki, der in dem Konflikt vermitteln soll. Mbekis Vorgehen "massiert einen geschlagenen Diktator, anstatt ihm die Tür zu weisen".

In Swasiland kamen unterdessen Vertreter der Südafrikanischen Entwicklungsgemeinschaft (SADC) zusammen, um über einen Ausweg aus der Krise zu beraten. Der SADC-Vermittler Mbeki nahm an den Beratungen allerdings nicht teil. Ein Sprecher erklärte zur Begründung, Mbeki sei nicht Mitglied des SADC-Sicherheitsausschusses, der das Treffen einberufen habe. Tsvangirai will nach eigenen Angaben die Afrikanische Union (AU) bitten, die Vermittlungsbemühungen zu übernehmen.

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(ap)
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