Russland beendet Manöver: Putin zieht russische Soldaten von Grenze zur Ukraine ab

Russland beendet Manöver : Putin zieht russische Soldaten von Grenze zur Ukraine ab

Kremlchef Wladimir Putin hat den Abzug von mehr als 17.000 russischen Soldaten aus der Grenzregion zur Ukraine befohlen und damit Hoffnungen auf ein Ende des blutigen Konflikts genährt.

Die Manöver im Gebiet Rostow seien abgeschlossen, teilte Putins Sprecher Dmitri Peskow in der Nacht zum Sonntag mit. Mit dem Rückzug der Truppen kommt Moskau einer zentralen Forderung des Westens und der Regierung in Kiew nach.

Mit den Militärübungen nahe der Grenze zur Ostukraine hatte Russland im April inmitten der eskalierenden Gewalt zwischen ukrainischen Regierungstruppen und prorussischen Separatisten begonnen. Immer wieder hatte es Berichte über russische Kämpfer in den Reihen der moskautreuen Separatisten und über Waffenlieferungen über die Grenze gegeben - Berichte, die der Kreml stets zurückgewiesen hat.

Die ukrainische Regierung und der Westen hatten die Stationierung russischer Truppen in der Nähe der Konfliktregion als Provokation kritisiert und mehrfach einen Rückzug gefordert.

Beobachter werten den jetzt angekündigten Abzug als Signal der Entspannung. Die EU und die USA haben Russland wegen des Ukraine-Konflikts mit scharfen Sanktionen unter Druck gesetzt. Moskau kritisierte die Strafmaßnahmen als unrechtmäßig und antwortete seinerseits mit Sanktionen, wie einem Importstopp für Lebensmittel aus der EU und den USA..

Eine Anfang September in der Unruheregion beschlossene Feuerpause hat sich von Beginn an als brüchig erwiesen. Der Stadtrat von Donezk berichtete am Sonntag von vier bei Beschuss getöteten Zivilisten innerhalb von 24 Stunden. Das ukrainische Militär und die Aufständischen werfen sich gegenseitige Angriffe vor.

Über eine dauerhafte Friedenslösung des blutigen Konflikts will der ukrainische Präsident Petro Poroschenko mit Putin Ende der Woche beim europäisch-asiatischen Gipfeltreffen (Asem) in Mailand verhandeln.
Dabei soll es nach Angaben aus Kiew auch um den Gasstreit mit Russland gehen.

Poroschenko sagte nach Angaben des Präsidialamtes in Kiew, eine Einigung im Gaskonflikt stehe kurz bevor. Russland verlangt von der Ukraine Schulden in Milliardenhöhe zurück, bevor es die auf Eis gelegten Gaslieferungen wieder aufnimmt. Kiew will einen günstigeren Tarif aushandeln.

Putin reist zum G20-Gipfel

Aus der G-8-Runde wurde er wegen der Ukraine-Krise rausgeworfen, im G-20-Kreis bleibt er drin: Russlands Präsident Wladimir Putin wird am Gipfel der zwanzig führenden Industrie- und Schwellenländer im November in Brisbane teilnehmen, wie der australische Finanzminister Joe Hockey am Sonntag mitteilte. Die Teilnahme Putins habe ihm sein russischer Kollege bestätigt, sagte Hockey dem australischen Rundfunksender ABC.

Nach seinen Worten gibt es im Kreis der G-20 einen Konsens, wonach der Kreml-Chef an dem Gipfel teilnehmen sollte. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und US-Präsident Barack Obama stünden "bestimmt" dahinter. "Ich denke, auf dem Treffen wird es einen umfassenden und offenen Dialog mit Putin geben", sagte Hockey.

Noch Anfang September hatte Gastgeber Australien darauf verwiesen, einen Ausschluss Putins von dem Gipfel zu prüfen, die Entscheidung aber nicht alleine fällen zu können. Russland war nach der Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im März aus dem Kreis der acht führenden Industrienationen (G-8) ausgeschlossen worden. Ein ursprünglich in Russland geplanter G-8-Gipfel fand deshalb Mitte Juni im G-7-Format in Brüssel statt.

Australiens Premierminister Tony Abbott sagte am Sonntag mit Blick auf die weiter schwelende Ukraine-Krise, er sei über viele Aspekte der russischen Außenpolitik "nicht glücklich". Moskau müsse bei der Aufklärung des Absturzes des Passagierflugzeuges von Malaysia Airlines im Juli über der Ostukraine "vollständig kooperieren". Bei dem mutmaßlichen Abschuss wurden 298 Menschen getötet, 38 von ihnen waren australische Staatsbürger.

Hier geht es zur Bilderstrecke: April 2014: Satellitenaufnahmen russischer Truppen an ukrainischer Grenze

(dpa)
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