Der Petersdom als Grabkirche: Prunkvolle Sarkophage und schlichte Erdgräber

Der Petersdom als Grabkirche: Prunkvolle Sarkophage und schlichte Erdgräber

Vatikanstadt (rpo). 140 Meter unter der Michelangelo-Kuppel liegt, tief unter dem Niveau des heutigen Petersdoms, das Grabmonument des Apostels Petrus. In der Nähe dieser Märtyrerstätte, über der Kaiser Konstantin seine Basilika erbaute, wurden viele seiner Nachfolger beigesetzt. Mehr als die Hälfte der Päpste fanden im Petersdom ihre letzte Ruhestätte, nach einer Tafel in der Sakristei sind es 145 - Petrus eingeschlossen. Die Basilika am vatikanischen Hügel ist die Grabkirche des Apostels Petrus - und seiner Nachfolger.

Überall, entlang der Seitenschiffe, aber auch in den anschließenden Kapellen finden sich Grabmonumente der Päpste. Zwar gingen mit dem radikalen Abriss der alten Peters-Basilika vor 450 Jahren auch die meisten Papstgräber und -denkmäler verloren. Dennoch sind die erhaltenen Zeugnisse beeindruckend. Das prachtvollste Denkmal ließ sich Alexander VII. durch seinen Protege Bernini setzen. Unter einem Leichentuch aus rotem Marmor streckt ein Totengerippe eine abgelaufene Sanduhr heraus. Darüber befindet sich die Figur des Papstes: nicht als barocker Herrscher thronend, sondern bescheiden kniend.

In der Konzeption monumentaler ist das Grab Innozenz VIII., das einzige aus der alten Basilika gerettete Monument. Der Papst, der 1492 im Jahr der Entdeckung Amerikas starb, findet sich hier gleich zwei Mal: Über seiner Bronzedarstellung auf dem Totenbett thront er als Herrscher mit der "Lanze Christi" in der Hand, die er der Überlieferung nach als Geschenk von Sultan Beyazit II. erhalten hatte. Nicht weniger wuchtig wirkt das Denkmal des thronenden Papstes Gregor XVI. aus dem 19. Jahrhundert.

Auf vielen Grabmälern sind herausragende Lebenstaten dargestellt, etwa mathematische Geräte für Gregor XIII., den Papst der Kalenderreform. Die gegenüberliegende Nische seines Nachfolgers Gregor XIV. ist völlig kahl - nach seinem Tod sei die Kirchenkasse leer und für ein Monument kein Geld mehr vorhanden gewesen, so der Volksmund. Und als einziger nicht-katholischer Bildhauer durfte der Däne Thorwaldsen Pius VII. porträtieren - den Papst, den Napoleon nach Frankreich verschleppte und der dort bei dessen Kaiserkrönung assistieren musste.

Die Grabmäler in Sankt Peter sind in der Regel Kenotaphe, leere Gedenkstätten. Die Gräber selbst befinden sich in den Grotten unter der Basilika. In der Oberkirche haben nur die seligen und heiligen Päpste ihre letzte Ruhestätte gefunden. Jüngstes Grab ist das des Konzilspapstes Johannes XXIII., der nach seiner Seligsprechung aus den Grotten in die Basilika überführt wurde und dort nahe der Petrus-Statue fast unverwest in einem Glassarg ruht. Ebenfalls in einem Glassarg liegt der heilige Pius X. Schräg gegenüber hat - auch im offenen Sarg - der selige Innozenz XI. - der im 17. Jahrhundert die Allianz gegen die Türken vor Wien zustande brachte - seine Ruhestätte.

Pius XII. ist durch ein Bronze-Relief vertreten. Der Pacelli-Papst selbst, der 1939 die Grabungen unter der Basilika anordnete, ruht in den Grotten direkt hinter dem Petrusgrab. Das einfachste Grab im Petersdom, ein schlichtes Erdgrab, hat Paul VI. für sich verfügt. Sein Nachfolger, der 33-Tage-Papst Johannes Paul I., ruht gegenüber in einem Sarkophag, für dessen Ecken Teile eines frühchristlichen Sarkophags verwendet wurden.

Doch nicht alle Päpste sind im Petersdom beigesetzt. Rund 60 wurden sogar außerhalb Roms bestattet, in Viterbo etwa, wo 1271 das erste Konklave stattfand, in Perugia oder in Avignon, wo die Päpste 70 Jahre lang im Exil lebten. Zu den berühmtesten römischen Papstgräbern zählt das Monument mit der Moses-Statue, das Michelangelo für seinen Gönner Julius II. in der Kirche San Pietro in Vincolis begonnen und nie vollendet hat. Zahlreiche ältere Papstgräber befinden sich in der Lateran-Basilika, etwa das von Silvester II., dem sagenumwobenen Papst der ersten Jahrtausendwende.

Auch in Santa Maria Maggiore sind zahlreiche Kirchenoberhäupter beigesetzt, so Roms große Baumeister Sixtus V. und Paul V. Der unlängst selig gesprochene Pius IX., der Papst des Ersten Vatikanums, hat seine Ruhestätte in der Laurentius-Basilika im Osten Roms. Der letzte nicht-italienische Papst vor Johannes Paul II., Hadrian VI. (1459-1523), ruht dagegen in der kleinen, soeben restaurierten deutschen Nationalkirche Santa Maria dell'Anima.

(afp)
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