Proteste in Hongkong: Zehntausende Schüler und Studenten streiken

Polizei setzt Tränengas ein : Zehntausende Schüler und Studenten streiken in Hongkong

Bei den Ausschreitungen am Wochenende in Hongkong wurden 159 Personen festgenommen. Chinas Führung ist empört über die Eskalation der Gewalt. Schüler und Studenten zeigen sich solidarisch: Die Proteste gehen mit einem Unterrichtsstreik weiter.

Zehntausende Schüler und Studenten haben sich in Hongkong mit den Demonstranten solidarisiert, den Unterricht geschwänzt und gegen die Regierung protestiert. Am Montag, dem ersten Tag nach den Sommerferien, ergänzten Oberschüler ihre traditionellen weißen Schuluniformen um Gasmasken, Schutzbrillen und Helme. Studenten drängten sich auf einem Platz auf dem Gelände der Chinesischen Universität von Hongkong. Arbeiter protestierten in einem Park und trotzten heftigem Wind und einem drohenden Taifun.

30 000 Studenten hätten an einer Versammlung auf dem Campus der Chinesischen Universität teilgenommen, sagte der Präsident von deren Studentenvereinigung, Jacky So. Sie waren schwarz gekleidet, trugen Gesichtsmasken, und hielten schwarze Schilder mit dem chinesischen Schriftzeichen für Streik. Auf dem Edinburgh Place versammelten sich Schüler, die den Unterricht ausfielen ließen, um ein schwarzes Protestbanner, auf dem stand „ohne Zukunft gibt es keinen Grund, zum Unterricht zu gehen“.

Uniformierte Schülerinnen der Mädchenschule St. Francis' Canossian College knieten in einer Reihe und hielten handgemalte Schilder hoch, auf denen Stand: „Die fünf Hauptforderungen: Keine einzige ist entbehrlich.“ An der Schule wurde die umstrittene Regierungschefin von Hongkong, Carrie Lam, ausgebildet.

Der Hongkonger Bildungsminister Kevin Yeung sagte, er hoffe, dass die Schüler im Unterricht blieben. „Schulen sollten nicht als Orte für politische Forderungen oder zur Ausübung von Druck genutzt werden“, sagte er.

Zu den Forderungen der Teilnehmer von Massendemonstrationen und anderen Protesten, die seit fast drei Monaten in Hongkong anhalten, gehören demokratische Reformen und unabhängige Ermittlungen zu Polizeigewalt. Der kommunistischen Führung in Peking und der Hongkonger Regierungschefin Lam werfen Aktivisten vor, die Autonomie und Bürgerrechte zu beschneiden, die der früheren britischen Kolonie bei deren Übergabe an China 1997 zugesagt wurden.

Am Morgen störten einige Aktivisten bereits den Nahverkehr, indem sie in etlichen Bahnhöfen die Zugtüren blockierten. Dem Zugriff von Polizisten versuchten sie sich durch schnelle Standortwechsel zwischen Haltestellen zu entziehen. Beamte an der Station Lok Fu bekamen einige Protestierende zu fassen, traktierten sie mit Schlagstöcken und nahmen eine Person fest. Drei weitere Aktivisten wurden an der Haltestelle Lai King festgenommen. Nach Einbruch der Dunkelheit gab es am Montag mehrere Rangeleien. Im dicht besiedelten Stadtteil Mongkok setzte die Polizei Tränengas ein, um Demonstranten auseinander zu treiben.

Die Aktionen und Versammlungen von Schülern und Studenten folgten auf ein chaotisches Wochenende, das mit einem friedlichen Marsch begonnen hatte, aber mit gewaltsamen Ausschreitungen und einer erneuten Störung des internationalen Flughafens endete. Es war das 13. Wochenende in Folge, an dem in der autonom verwalteten chinesischen Sonderverwaltungsregion demonstriert wurde. Der Unmut richtet sich gegen die eigene Regierung, gegen übermäßige Polizeigewalt, aber auch gegen Chinas kommunistische Führung in Peking.

China hat die Gewalt bei den Protesten am Wochenende in Hongkong scharf verurteilt. Bei den schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizeikräften wurden nach Polizeiangaben zwischen Freitag und Sonntag insgesamt 159 Personen festgenommen, darunter ein 13-Jähriger mit zwei Brandsätzen. Es seien mehr als 80 Molotowcocktails geworfen worden. „Die gegenwärtigen Demonstrationen in Hongkong haben komplett den Rahmen der Freiheit, sich zu versammeln und zu protestieren, verlassen und sich zu extremer Gewalt entwickelt“, sagte Außenamtssprecher Geng Shuang vor der Presse in Peking.

Es sei eine ernste Herausforderung der rechtlichen und sozialen Ordnung und bedrohe das Leben und Eigentum Hongkonger Bürger. Die Vorgänge „berühren ernsthaft“ den Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“, nach dem Hongkong autonom regiert wird. Die chinesische Zentralregierung stehe hinter der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam und unterstütze die Hongkonger Polizei, die Gewalt zu stoppen und Ordnung wieder herzustellen, sagte der Außenamtssprecher.

Die Protestbewegung befürchtet einen steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China in ihrem eigenen Territorium nach dem Grundsatz „ein Land, zwei Systeme“ autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

(anst/dpa/Reuters)