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Proteste in Frankreich werden teuer - vor allem für die Streikenden

Umstrittene Reform : Proteste in Frankreich werden teuer

Wer gegen die Rentenreform streikt, muss mit finanziellen Einbußen rechnen.

(kro) Der Protest in Frankreich gegen die Rentenreform will kein Ende nehmen. Das zerrt an den Nerven der Franzosen, denn seit rund drei Wochen ist der Bahnverkehr im ganzen Land massiv gestört. Im Gegenzug wird für die Streikenden selbst der Ausstand zu einer immer größeren finanziellen Belastung. Denn anders als in Deutschland sind Streikkassen bei fast allen Gewerkschaften nicht vorhanden. Wer die Arbeit niederlegt, ist in der Regel auf Spenden oder Erspartes angewiesen, manche müssen sogar Kredite aufnehmen, um über die Runden zu kommen.

Das Arbeitsrecht ist in Frankreich generell eher arbeitnehmerfreundlich, doch Streiktage müssen nicht bezahlt werden. Das ist ein harter Schlag für die Streikenden bei der Staatsbahn SNCF oder der Pariser Verkehrsbetriebe RATP, denn die meisten sind in der Gewerkschaft Confédération générale du travail (CGT) organisiert. Bei der CGT gibt es lediglich „örtliche Solidaritätskassen“, wie ihr Sprecher Cédric Robert sagt. Durch den Ausstand verlieren Bahnmitarbeiter nach seinen Angaben im Schnitt zwischen 60 und 100 Euro täglich.

Angesichts der Dauer des Protestes haben die Gewerkschaften zu Spenden für die Streikenden aufgerufen. Dabei sind die Franzosen sehr freigiebig. Bei einem Streik der Eisenbahner im Jahr 2018 gegen die Reform des hochverschuldeten Staatsbetriebs wurden fast 1,2 Millionen Euro eingesammelt. Auch dieses Mal wurden die Franzosen dazu aufgerufen, für die Streikenden zu spenden. Während der Protestzüge gehen auch immer wieder Teilnehmer mit einer Box durch die Reihen der Demonstranten, um Geld einzusammeln. Inzwischen sind nach Angaben der CGT auf einem Online-Portal rund eine Million Euro zusammengekommen.

Viele der Streikenden hoffen allerdings, dass am Ende des Streiks eine Vereinbarung erreicht wird, in der festgehalten wird, dass auch die Protesttage nachträglich noch bezahlt werden. Die RATP hat freilich schon klargemacht, dass die Streikenden „mit absoluter Sicherheit“ kein Gehalt bekommen werden.