Proteste gegen Regierung: Erneut Störungen am Flughafen in Hongkong

Demonstranten legen Betrieb lahm : Flughafen Hongkong sagt alle verbliebenen Verbindungen ab

Die prodemokratischen Protestierenden in Hongkong nehmen den zweiten Tag infolge den internationalen Airport ins Visier. Alle verbliebenen Flüge fallen aus. Peking bezeichnet die Demonstrationen als „existenzielle Bedrohung“ der Bürger.

Demokratiebefürworter haben erneut den Hongkonger Flughafen lahmgelegt: Der internationale Airport der chinesischen Sonderverwaltungszone ließ am Dienstag, den zweiten Tag in Folge, alle verbliebenen Flüge aus der Stadt heraus ausfallen. Am Morgen waren Landungen und Abflüge zwar kurz möglich, am frühen Abend sagten die Flughafenbehörden denn aber alle Check-in-Dienste ab. Ankommende Flüge waren nicht betroffen. Die Demonstranten hatten die Terminals in Beschlag genommen, um auf die von ihnen geforderten demokratischen Reformen aufmerksam zu machen.

Bereits am Montag hatten Protestierende den Hauptterminal besetzt. In der Folge wurden etwa 200 Flüge gestrichen. Unter den Tausenden Menschen, die am Montag in der Abflughalle waren, befanden sich auch Passagiere, die nicht abreisen konnten.

Die Proteste am Flughafen und dessen Störung sind eine Eskalation der Demonstrationen, die bereits den ganzen Sommer andauern. Anfangs richteten sie sich gegen ein Gesetz, mittlerweile geht es allgemeine Befürchtungen, die kommunistische Zentralregierung gehe immer härter gegen die vertraglich gesicherten Bürgerrechte in der Sonderverwaltungszone vor.

Die Zentralregierung in Peking kritisierte die Protestbewegung als etwas, das an „Terrorismus“ herankomme und eine „existenzielle Bedrohung“ für die Bürger in Hongkong darstelle. Die dortige Regierungschefin Carrie Lam hat erklärt, die anhaltende Instabilität, das Chaos und die Gewalt hätten die Stadt „auf einen Weg ohne Umkehr“ gebracht.

Tatsächlich ist es vielfach zu Ausschreitungen zwischen einigen Demonstranten und der Polizei gekommen. Manche Protestierenden haben Steine und Eier auf Polizeireviere geworfen, wiederholt haben die Polizisten Tränengas eingesetzt. Über das Wochenende wurden laut Polizei 149 Demonstranten festgenommen, seit Anfang Juni sind es damit insgesamt mehr als 700.

Die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet, ließ mitteilen, die Hongkonger Polizei habe offenbar nicht-tödliche Waffen auf eine Weise eingesetzt, die durch internationale Normen verboten sei. Dazu gehöre etwa, dass Tränengas in überfüllte, geschlossene Bereiche und direkt auf Einzelpersonen gefeuert worden sei. Das habe das Risiko vergrößert, dass Demonstranten zu Tode kommen oder ernst verletzt werden, sagte Bachelets Sprecher Rupert Colville am Dienstag. Beide Seiten sollten den Dialog suchen, nur so werde politische Stabilität langfristig gesichert.

Derweil wirken sich die Proteste und die Probleme am Flughafen auch auf die Tourismusindustrie in Hongkong aus. Die Reisende Kerry Dickinson aus Südafrika berichtete, sie hätte am Dienstagmorgen Schwierigkeiten gehabt, an ihr Gepäck zu kommen. „Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder nach Hongkong fliegen werde“, sagte sie.

(anst/AFP)
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