Proteste gegen Erhöhung von Benzinpreise im Iran - ein Toter

Nach US-Sanktionen : Mindestens ein Toter bei Protesten gegen Erhöhung von Benzinpreisen im Iran

Innerhalb eines Tages steigt der Benzinpreis um 50 Prozent. Für europäische Verhältnisse ist Sprit im Iran immer noch mehr als billig, doch die Iraner leider sehr unter den Wirtschaftssanktionen der USA. Der Unmut über Präsident Hassan Ruhani ist groß.

Wegen einer drastischen Anhebung der Benzinpreise ist es im gesamten Iran zu Protesten gekommen. Aufgebrachte Demonstranten blockierten am Samstag vielerorts den Verkehr und gerieten vereinzelt auch mit der Polizei aneinander. Berichten zufolge wurde mindestens eine Person getötet.

Der Iran hat schwer mit den Sanktionen zu kämpfen, die die USA nach dem einseitigen Austritt aus dem Atomabkommen verhängt haben. Diese treffen vor allem auch die so wichtige Ölindustrie des Landes hart. Auslöser der Proteste war die Entscheidung von Präsident Hassan Ruhani, ab Freitag um Mitternacht staatliche Beihilfen aufzugeben, die den Benzinpreis niedrig hielten, und das Geld stattdessen für Sozialausgaben zu verwenden. Die Benzinpreise stiegen damit innerhalb eines Tages um 50 Prozent auf mindestens 15 000 Rial, umgerechnet rund 12 Cent. Zudem wurde die Ausgabemenge rationiert, auf maximal 60 Liter pro Monat, wie staatliche Medien berichteten. Danach müsste man 26 Cent pro Liter zahlen.

In vielen Städten waren die Proteste friedlich, doch in einigen Städten kam es zu Gewalt. Online-Videos machten die Runde, in denen zu sehen war, wie Polizisten mit Tränengas auf Demonstranten feuerten, die Brände legten. In Sirdschan, rund 800 Kilometer südöstlich von Teheran, wollten Demonstranten nach einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Irna Freitagabend ein Öldepot in Brand stecken, wurden aber aufgehalten. Das örtliche Innenministerium erklärte, maskierte Männer mit Waffen hätten die weitgehend friedliche Demonstration infiltriert und seien für den Angriff verantwortlich. Es habe einen Toten gegeben, sagte ein Mitarbeiter des Ministeriums. Wie er ums Leben kam, wurde nicht bekannt.

Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei wurden aus zahlreichen weiteren Städten gemeldet, unter anderem aus Chorramschahr, Kermanschah und Tabris. Ob dabei jemand festgenommen wurde, war nicht bekannt. Bei ähnlichen Protesten Ende 2017 wurden fast 5000 Personen festgenommen, 25 kamen ums Leben.

(lukra/dpa)
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