Fast Abtreibungsverbot Protest von Abtreibungsgegnern in Polen gegen Liberalisierungspläne

Warschau · Polen hat derzeit eines der strengsten Abtreibungsverbote in Europa. Tausende Abtreibungsgegner haben Sonntag gegen eine Liberalisierung der bestehenden Gesetzgebung demonstriert.

Menschen, die sich gegen Abtreibung aussprechen, demonstrieren gegen die Schritte der neuen Regierung, die das strenge polnische Abtreibungsgesetz lockern und Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Woche erlauben will.

Menschen, die sich gegen Abtreibung aussprechen, demonstrieren gegen die Schritte der neuen Regierung, die das strenge polnische Abtreibungsgesetz lockern und Schwangerschaftsabbrüche bis zur zwölften Woche erlauben will.

Foto: dpa/Czarek Sokolowski

Tausende polnische Abtreibungsgegner haben am Sonntag in Warschau gegen jüngste Schritte der Regierung für eine Liberalisierung der bestehenden Gesetzgebung demonstriert. Ein Ziel der Regierung ist, den Abbruch einer Schwangerschaft bis zur zwölften Woche zu erlauben. Viele Teilnehmer des Protestzugs schoben Kinderwagen vor sich her, andere trugen Nationalflaggen oder Transparente, die einen Fötus in der Gebärmutter zeigten.

Die katholische Kirche Polens hatte den Sonntag zum Tag des Gebets „zur Verteidigung des empfangenen Lebens“ erklärt und unterstützte die von einer Antiabtreibungsbewegung organisierte Demonstration. Es gehe um den Schutz menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod, hieß es in einer Erklärung eines Bündnisses von Antiabtreibungsbewegungen.

Vor wenigen Tagen hatte das polnische Parlament vier Vorschläge der seit vier Monaten amtierenden Regierung von Ministerpräsident Donald Tusk zur Lockerung des fast vollständigen Verbots von Abtreibungen zur Beratung angenommen. Der Vorstoß könnte Wochen oder Monate in Anspruch nehmen und dürfte letztlich vom konservativen Staatspräsidenten Andrzej Duda abgelehnt werden. Seine Amtszeit läuft noch ein Jahr. Im März legte Duda sein Veto gegen einen Gesetzesentwurf ein, der die sogenannte „Pille danach“ ab dem Alter von 15 Jahren rezeptfrei verfügbar gemacht hätte.

Polen hat derzeit eines der strengsten Abtreibungsverbote in Europa. Danach dürfen Schwangerschaften nur nach Vergewaltigung, Inzest oder bei Gefahr für das Leben der werdenden Mutter abgebrochen werden. Doch selbst in solchen Fällen weisen Ärzte und Krankenhäuser Schwangere oft aus Angst vor rechtlichen Folgen ab oder weil sie moralische Bedenken geltend machen.

(csan/dpa)
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