1. Politik
  2. Ausland

Pressefreiheit: Pakistanische Journalistengewerkschaft beklagt Zensur

Gewalttaten, Gehaltskürzungen, Verhaftungen : Pakistanische Journalisten beklagen Zensur

Am internationalen Tag der Pressefreiheit werden Stimmen aus einem Land laut, in dem sich die Lage von Journalistinnen und Journalisten in den vergangenen Jahren verschlechtert hat: Pakistan.

Pakistanische Journalisten und ihre Gewerkschaft beklagen ein Klima der Einschüchterung, Gewalt und Zensur gegen Medien in ihrem Land. Zum Tag der Pressefreiheit am Montag erklärten der Präsident der Journalistengewerkschaft, Shahzada Zulfiqar, und Generalsekretär Nasir Zaidi, sie würden um keinen Preis den Kampf für freie Medien aufgeben. Sie beklagten zudem Gehaltskürzungen. Tausende Journalisten seien arbeitslos geworden.

Die englischsprachige Zeitung „The Dawn“ schrieb in einem Artikel zum Tag der Pressefreiheit, von Mai 2020 bis April dieses Jahres habe es 148 dokumentierte Gewalttaten gegen Journalisten gegeben, darunter sechs Morde, sieben versuchte Attentate, fünf Entführungen und 25 Festnahmen oder Verhaftungen. „Medien in Ketten können nicht die Mächtigen zur Rechenschaft ziehen und dem öffentlichen Interessen dienen, wie es sein sollte“, hieß es.

Mazhar Abbas, ein Journalist, der oft für den unabhängigen Fernsehsender Geo Television arbeitet, sagte, Maßnahmen gegen Medien und Angriffe auf Journalisten hätten in den vergangenen Jahren zugenommen. Es sei ihm nicht bekannt, dass der Staat gegen jene vorgehe, die Journalisten bedrohten oder entführten.

Die Medienaufsichtsbehörde habe mehr als 12.000 Notizen an Medienschaffende, Zeitungen und Sender herausgegeben. Darin sei Medien gesagt worden, was berichtet werden könne und was nicht. Nachrichtensender, die den Vorgaben nicht folgten, würden abgeschaltet.

Die pakistanische Regierung erklärte hingegen, es gebe keine Einschränkungen für Journalisten. Informationsminister Fawad Chaudry sagte, die Regierung betrachte Medienfreiheit als ein „fundamentales, demokratisches und verfassungsmäßiges Recht“.

Laut der internationalen Nichtregierungsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ hat sich die Lage der Pressefreiheit seit dem Parlamentswahlkampf im Juli 2018 weiter verschlechtert. Medien würden vor allem dann ins Visier des mächtigen Militärs geraten, wenn sie ebendas oder die Regierung kritisieren. Auch Berichte über Bewegungen, die für die Rechte von Minderheiten kämpfen, sowie die Erwähnung des inhaftierten ehemaligen Premierministers Nawaz Sharif können zu Zensur oder Gewalt führen.

Auf der weltweiten Rangliste der Pressefreiheit, die die Organisation jährlich herausgibt, steht Pakistan auf Platz 145 von 180. Deutschland befindet sich auf Platz 13.

(bora/dpa)