Prag: „Fest der Freiheit“ erinnert an Ausreise aus der DDR 1989

30 Jahre Mauerfall : „Fest der Freiheit“ in Prag erinnert an Ausreise aus der DDR 1989

Mit Tränen in den Augen haben sich am Samstag in Prag viele ehemalige DDR-Flüchtlinge an ihre Ausreise in den Westen erinnert, die vor 30 Jahren in der Deutschen Botschaft ihren Ausgang nahm. Vorher gab es eine Trabi-Sternfahrt in die tschechische Hauptstadt.

Mit einem „Fest der Freiheit“ wurde der Jahrestag 30. September begangen. Einige Hundert der DDR-Bürger von einst waren wieder zurück im Garten der Deutschen Botschaft. „Die Erinnerungen an diese Zeit damals können wir nie ablegen“, sagte Christian Bürger, der vor 30 Jahren Sprecher der DDR-Flüchtlinge gewesen ist.

Auch der damalige Kanzleramtschef Rudolf Seiters (CDU) war mit dabei, der für die DDR-Flüchtlinge zuständig war und 1991 Bundesinnenminister wurde. In der Prager Botschaft sei der erste Stein aus der Berliner Mauer gebrochen worden, sagte der 81-Jährige in einer Ansprache. Zugleich mahnte er: „Ich wünsche mir, dass Aufbruch und Zuversicht auch heute wieder das Bild Europas kennzeichnen.“

Am Samstagmorgen war ein Sonderzug aus Dresden in Prag eingetroffen. Er fuhr in umgekehrter Richtung die Strecke, die 1989 für viele Tausend DDR-Bürger über Dresden nach Hof in Bayern geführt hatte. Am Bahnhof in Prag-Liben, wo damals die Fahrt in die Freiheit begann, wurde eine Gedenktafel eingeweiht.

Auch eine Trabi-Sternfahrt führte nach Prag. Die Teilnehmer erinnerten daran, dass zahlreiche DDR-Bürger vor 30 Jahren im Auto bis an die bundesdeutsche Botschaft fuhren, ihre Fahrzeuge dort zurückließen und über den Zaun in das Botschaftsgelände kletterten. „So groß war damals der Drang nach Freiheit“, sagte ein junger Trabi-Fahrer, der nach Prag gekommen ist, um den Gefühlen seiner Eltern-Generation nachzuspüren.

Seiters war am 30. September 1989 Mitglied der bundesdeutschen Delegation, die den DDR-Flüchtlingen in der Deutschen Botschaft in Prag ihre Ausreise zusicherte. Er überließ es Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), zu den Menschen zu sprechen. Genschers Worte vom Balkon des Palais Lobkowitz - „Liebe Landsleute, wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland möglich geworden ist.“ - gingen in Jubel unter.

Seit dem Sommer 1989 waren immer mehr DDR-Flüchtlinge in der Deutschen Botschaft in Prag zusammengekommen, die in den Westen ausreisen wollten. Bis September waren es viele Tausend, die in Stockbetten, auf Treppenstufen und in einem provisorischen Zeltlager übernachteten.

(hebu/epd)