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Präsidentschaftswahlen in Rumänien: Victor Ponta oder Klaus Iohannis?

Präsidentschaftswahlen : Rumänen entscheiden zwischen "Kampflustigem" und "Zivilisiertem"

Rumänien steht vor der Wahl: Der nächste Präsident wird entweder der amtierende Ministerpräsident Victor Ponta oder der deutschstämmige Bürgermeister der Stadt Sibiu, Klaus Iohannis.

Ponta gewann die erste Runde der Wahl des Nachfolgers von Staatsoberhaupt Traian Basescu mit einem Vorsprung von gut zehn Prozentpunkten vor Iohannis und gilt als Favorit - auch wenn derzeit unter anderem Plagiatsvorwürfe gegen ihn im Raum stehen. Ob er sich am Sonntag dennoch so locker durchsetzen kann wie Umfragen vorhersagen? Fragen und Antworten zur rumänischen Präsidentenwahl:

WER IST PONTA?

Der "Kampflustige": Victor Ponta, 42, gilt als besonders kampflustig und wurde im Mai 2012 kurz vor seinem 40. Geburtstag zum jüngsten Ministerpräsidenten innerhalb Europas gewählt. Der frühere Amateur-Rallyfahrer heiratete die Tochter eines hohen Tieres in der mächtigen Sozialdemokratischen Partei. Seitdem läuft seine Karriere zumeist unproblematisch. Dennoch gibt es Vorwürfe, bei seiner Doktorarbeit handele es sich um ein Plagiat. Eine weitere Beschuldigung lautet, er sei ein Geheimagent des scheidenden Präsidenten Basescu gewesen - all das bestreitet Ponta.

Die Menschen haben ihn unter anderem deshalb in der ersten Runde der Abstimmung gewählt, weil seine Amtszeit als Ministerpräsident für wirtschaftliches Wachstum und politische Stabilität steht. Er sagt, Rumänien werde weiterhin ein Verbündeter der USA bleiben.
Behauptungen, er wolle sich bei Russlands Präsidenten Wladimir Putin einschmeicheln, weist er zurück. Seine Kritiker sagen, als Präsident könnte Ponta eine Amnestie für politische Weggefährten durchsetzen, die wegen Korruption inhaftiert sind.

WER IST IOHANNIS?

Der "Zivilisierte": In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP sagte Klaus Iohannis voller Stolz, dass ihm Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Bief viel Erfolg für die Stichwahl gewünscht habe. Ob der Brief echt ist, konnte bislang nicht bestätigt werden.

Iohannis sagt, er ist der beste Mann, um den rumänischen Kampf gegen Korruption fortzuführen. Sein Ziel ist es zudem, die Unabhängigkeit der Justiz in dem Land zu verbessern. "Ponta ist ein Kandidat des Systems, ein Kandidat, der von lokalen (politischen) Baronen manipuliert wird", wirft der Bürgermeister der Stadt Sibiu (deutsch:
Hermannstadt) seinem Kontrahenten vor. "Die Leute wollen etwas anderes. Die Leute wollen einen Wechsel."

Der 55 Jahre alte gelernte Physiklehrer lenkt die Geschäfte von Sibiu, einer Stadt mit 155 000 Einwohnern in Siebenbürgen, seit dem Jahr 2000. In der rauen rumänischen Politik wird er als Gentleman geschätzt. Einige Unterstützer werfen ihm jedoch vor, er zögere, Pontas Schwächen skrupellos auszunutzen.

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WAS STEHT IM VORDERGRUND?

Ponta hat die nationalistische Karte gespielt, indem er sich als stolzer Rumäne und gläubiger Orthodoxer inszenierte. Die einflussreiche Kirche hat eine interne Untersuchung versprochen, nachdem einige Priester dabei gefilmt wurden, wie sie Gläubigen nahegelegt haben, für Ponta zu stimmen. Korruption wird weiterhin eines der entscheidenden Themen in dem Land sein, das zu den ärmsten innerhalb der Europäischen Union zählt. Die Beschuldigungen gegen Ponta werden viele Rumänen nicht so eng nehmen und sich stattdessen von seinem Hardliner-Stil anziehen lassen.

Das Rennen um die Präsidentschaft weist zahlreiche Beispiele für eine Schlammschlacht auf - meist vonseiten Pontas. Dessen Berater werfen Iohannis beispielsweise vor, er wollte Siebenbürgen vom Rest Rumäniens abspalten. Pontas Unterstützer bezeichneten den Rivalen als Feigling und luden Dutzende Hühner innerhalb des Hauptquartiers der Partei des Deutschstämmigen ab - einige von ihnen tot.

Welche Rollen spielen die Wähler im Ausland?

Nach Angaben von Ponta leben drei Millionen Rumänien außerhalb des Landes. Weder er selbst noch seine Mitte-links-Partei sind beliebt bei den im Ausland wohnenden Rumänen. Weniger als 200 000 von ihnen stimmten in der ersten Wahlrunde am 2. November ab. Es gab wütende Proteste in München, London, Paris und Wien, wo Tausende beklagten, sie hätten nicht abstimmen können. Eine Briefwahl oder Abstimmung im Internet ist laut rumänischem Gesetz verboten.

(ap)