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Präsidentschaftswahl in Frankreich: Macron in erster Wahlrunde vor Le Pen

Präsidentschaftswahl in Frankreich : Macron in der ersten Wahlrunde vor Le Pen

Präsident Emmanuel Macron geht gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen in die Stichwahl am 24. April. Konservative und Sozialisten erleiden eine Blamage.

Bei den Präsidentschaftswahlen in Frankreich kommt es zu einer Neuauflage des Duells zwischen Amtsinhaber Emmanuel Macron und der Rechtspopulistin Marine Le Pen. Laut ersten Zahlen des Meinungsforschungsinstituts Ipsos gewann der Staatschef mit 28,0 Prozent die erste Wahlrunde am Sonntag vor der Rechtspopulistin Marine Le Pen mit 23,2 Prozent. Den dritten Platz belegte der Linksaußen Jean-Luc Mélenchon mit beachtlichen 21,7 Prozent, gefolgt vom Rechtsextremisten Éric Zemmour mit 7,0 Prozent. Der wegen Volksverhetzung verurteilte Fernsehkommentator kündigte an, in der Stichwahl Le Pen zu unterstützen. Umfragen sagen für den 24. April ein knappes Ergebnis voraus.

Macron, dem mehrere unterlegene Kandidaten ihre Unterstützung aussprachen, muss nun für einen Wahlsieg kämpfen. „Nichts ist entschieden“, sagte der 44-Jährige vor seinen Anhängerinnen und Anhängern. „Die Debatte, die nun folgt, ist entscheidend für Europa“. Der Staatschef schlug vor, jenseits aller Differenzen eine „große politische Bewegung der Einheit“ zu bilden. „Das einzige Projekt für die Kaufkraft ist unseres“, sagte der Präsident an die Adresse Le Pens, die mit einer Stärkung der Kaufkraft Wahlkampf gemacht hatte.

Die Rechtspopulistin versuchte gleich am Wahlabend, eine Front gegen den Amtsinhaber zu schmieden. Sie appellierte an alle, die nicht für den Präsidenten votierten, sich ihr anzuschließen. Le Pen hatte bereits im Vorfeld angekündigt, die Stichwahl zu einem Anti-Macron-Referendum zu machen. „Wir werden diesen großen Machtwechsel umsetzen“, sagte die 53-Jährige. Sie hatte auf den letzten Metern des Wahlkampfes deutlich zugelegt. Nachdem sie Anfang März noch zehn Prozentpunkte von Macron getrennt hatten, verringerte sie den Abstand zuletzt kontinuierlich. Vor fünf Jahren hatte Macron mit 66 Prozent noch deutlich gegen Le Pen gewonnen.

Die Anwältin hatte sich in den vergangenen Monaten ein gemäßigteres Image gegeben und ihrem Rivalen Zemmour die Hetze gegen Einwanderer überlassen. Durch einen Zusammenschluss mit dem 63-Jährigen rückt sie allerdings auch in den Köpfen ihrer Landsleute wieder weiter nach rechts. Zemmour kündigte an, dass er weiter in der Politik bleiben werde. Mit Le Pen habe er zwar Meinungsverschiedenheiten, doch er unterstütze sie, weil es um eine größere Sache gehe „und das ist Frankreich“.

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Praktisch von der Bildfläche verschwunden sind mit der Wahl die einstigen französischen Traditionsparteien, die Konservativen und die Sozialisten. Die konservative Kandidatin Valérie Pécresse kam nur auf 4,8 Prozent, die Sozialistin Anne Hidalgo auf 1,7 Prozent. Pécresse und Hidalgo sprachen sich für Macron in der zweiten Runde aus. Mélenchon empfahl das Votum für den Staatschef nicht, wiederholte vor seinen Anhängerinnen und Anhängern aber mehrmals deutlich: „Ihr dürft eure Stimme nicht Frau Le Pen geben.“ Seine Aussage könnte allerdings auch als Aufforderung zur Wahlenthaltung interpretiert werden. In den kommenden zwei Wochen dürften vor allem Le Pens Leute versuchen, Mélenchons Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Ein Fünftel von ihnen wollen in der Stichwahl für die Rechtspopulistin stimmen.

Schwierigkeiten dürfte Le Pen allerdings durch ihre Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin bekommen. Ihrer traditionellen Wählerschaft, die meist der unteren Mittelschicht angehört, ist die pro-russische Haltung der Kandidatin relativ egal. Schwieriger wird es aber, damit konservative Wählerinnen und Wähler zu überzeugen. Wie schon 2017 dürften sich die konservativen Républicains vor der Stichwahl in zwei Lager spalten: diejenigen, die Macron unterstützen und diejenigen, die sich nicht festlegen und damit die Tür zu einem Votum für Le Pen öffnen. Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, der sich bisher nicht zu den Wahlen äußerte, könnte eine Empfehlung für Macron abgeben. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 74 Prozent und damit niedriger als vor fünf Jahren. Sie war allerdings nicht so schwach wie 2002, als überraschend Le Pens Vater Jean-Marie gegen den Konservativen Jacques Chirac in die Stichwahl gekommen war.