Polizei in Hongkong nimmt zwei junge Männer aus Deutschland fest

Demonstranten : Polizei in Hongkong nimmt zwei junge Männer aus Deutschland fest

Die beiden 22 und 23 Jahre alten Männer seien am Donnerstag aufgegriffen worden, weil sie sich an einer nicht genehmigten Versammlung beteiligt hätten, erklärte die Polizei am Freitag.

Dem 22-Jährigen werde darüber hinaus ein Verstoß gegen das Vermummungsverbot vorgeworfen. Gegen 21 Uhr hätten die Polizisten eine Gruppe von Demonstranten im Distrikt Tuen Mun auseinandergetrieben und danach die beiden Ausländer an einer Bushaltestelle gestoppt. Sie seien für die Dauer der Ermittlungen festgesetzt worden. Im Auswärtigen Amt in Berlin hieß es, die beiden würden durch das deutsche Generalkonsulat betreut, das zu Rechtsanwalt sowie den Behörden vor Ort im Kontakt stehe.

Die "Bild"-Zeitung berichtete, bei den Männer handle es sich um Austauschstudenten an der Kunst-Universität Lingnan. Die Universität, an der es zuletzt ebenfalls zu Protesten gegen die Regierung von Hongkong gekommen war, war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Die Protestbewegung in Hongkong sieht allgemeine Freiheiten in der früheren britischen Kronkolonie gefährdet und befürchtet einen wachsenden Einfluss der Pekinger Regierung.

In Hongkong hatte sich die Lage in den vergangenen Tagen zugespitzt. Demonstranten legten erneut weite Teile der Stadt lahm. Schulen blieben geschlossen, Autobahnen wurden blockiert. Nach Behördenangaben starb am Donnerstag ein 70 Jahre alter Straßenkehrer, der offenbar der erste Tote infolge von Gewalt seitens der Demonstranten ist. Auf Videos in sozialen Netzwerken war zu sehen, dass der Mann am Kopf von einem Ziegelstein getroffen wurde, der von einem maskierten Demonstranten geworfen worden war. Anfang des Monats war ein Student gestorben, nachdem er bei Protesten in einem Parkhaus von einem Stockwerk gestürzt war.

Die Kundgebungen hatten im Juni als Widerstand gegen einen inzwischen zurückgezogenen Gesetzentwurf begonnen, der Auslieferungen Beschuldigter an China ermöglichen sollte. Doch die Demonstranten sehen auch allgemeine Freiheiten gefährdet, die die ehemalige britische Kronkolonie seit der Übergabe an die Volksrepublik China 1997 genießt und setzten ihre Proteste fort.

(cka/Reuters)
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