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Anschlag in Ankara: Polizei ermittelt in Richtung PKK

Anschlag in Ankara : Polizei ermittelt in Richtung PKK

Ankara (RPO). Nach der Explosion in Ankara mit sieben Toten und hundert Verletzten ermittelt die türkische Polizei gegen die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK). Die Technik des Anschlags und der eingesetzte Plastiksprengstoff entsprächen jenen, die von der PKK wiederholt genutzt worden seien.

Das sagte der Gouverneur von Ankara, Kemal Önal, am Mittwoch vor Journalisten in der türkischen Hauptstadt. Die PKK wies die Vorwürfe zurück und stritt eine Beteiligung ab. Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), entkam dem Anschlag nach eigenen Angaben nur knapp.

Der Selbstmordattentäter, der seinen Sprengsatz am Vorabend zündete, war der Polizei bekannt und hatte zwei Jahre im Gefängnis gesessen. Die zunächst vorliegenden Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass der 28-jährige allein gehandelt habe, es werde aber weiter ermittelt, sagte Gouverneur Önal nach einer Sitzung des nationalen Anti-Terror-Rats. Die PKK erklärte in einer von der pro-kurdischen Nachrichtenagentur Firat übermittelten Mitteilung: "Wir erklären hiermit (...), dass wir keine Verbindung zu dem Angriff haben und solche Methoden nicht billigen."

Die Detonation ereignete sich während des Feierabend-Verkehrs vor einem Einkaufszentrum im belebten Stadtviertel Ulus. Von den hundert Verletzten befanden sich am Mittwoch 16 in einem kritischem Zustand. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan sprach von einem "hässlichen und brutalen Terroranschlag" und forderte verstärkte Anstrengungen im Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Er warnte vor weiteren Anschlägen in der Türkei.

Verletzt wurden laut der pakistanischen Botschaft in Ankara auch acht Pakistaner, die zu einer internationalen Waffenmesse angereist waren. Ein Abendessen für 500 Teilnehmer der Veranstaltung sollte in einem nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernten Museum stattfinden. Da dort auch der Chef der türkischen Armee, General Yasar Büyükanit, erwartet wurde, vermuteten Medien, dieser sei das Ziel des Anschlags gewesen.

Der Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Thomas Kossendey (CDU), war zum Zeitpunkt des Anschlags nur einige hunderte vom Ort des Geschehens entfernt. "Eine halbe Stunde später wären wir genau an diesem Ort gewesen. Wir haben großes Glück gehabt", sagte Kossendey der Oldenburger "Nordwest-Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Kossendey besucht derzeit dem Bericht zufolge im Auftrag des Bundesregierung die Rüstungsmesse in der türkischen Hauptstadt. Unter anderem führt er dort Gespräche über ein deutsch-türkisches Rüstungsabkommen.

Laut einem Bericht der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu verhaftete die Polizei in Adana im Süden des Landes eine mutmaßliche Selbstmordattentäterin mit 11,3 Kilogramm Plastiksprengstoff. Mehrere Zeitungen berichteten, die Ermittlungen stützten sich auf Aufnahmen von Überwachungskameras. Acht Verdächtige seien befragt worden.

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Der russische Präsident Wladimir Putin forderte, den internationalen Kampf gegen den Terrorismus zu verstärken. Der Anschlag von Ankara sei der "tragische Beweis" dafür, dass das nötig sei, hieß es in einem Telegramm Putins an Erdogan. Die deutsche EU-Präsidentschaft erklärte, die Hintermänner "dieses feigen Anschlags" müssten "ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden".

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(afp)