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Prügel und Tränengas in Kairo: Polizei bereitet Räumung der Islamisten-Lager vor

Prügel und Tränengas in Kairo : Polizei bereitet Räumung der Islamisten-Lager vor

Die Polizei bereitet in Kairo weiter die Räumung der Islamisten-Protestlager vor. Bewohner der Häuser rund um das größte Lager erhielten von den Sicherheitskräften Anweisungen für die "Stunde Null".

Indessen ändern die Islamisten ihre Strategie und protestieren jetzt auch vor öffentlichen Gebäuden. Das passt vielen Anwohnern nicht. Vor dem Ministerium für religiöse Stiftungen wurden die Islamisten am Dienstag von Ladeninhabern und Passanten verprügelt. Die Polizei setzte Tränengas ein, um die Kontrahenten zu trennen.

Die ägyptische Tageszeitung "Al-Watan" berichtete unter Berufung auf einen Anwohner im Stadtteil Nasr-City, die Bewohner des Viertels seien angewiesen worden, alle Eingänge zu verschließen, sobald die Polizei mit der Räumung des Lagers vor der Rabea-al-Adawija-Moschee beginne. Zudem dürfe niemand Zutritt zu den Dächern der umliegenden Mietshäuser erhalten.

Die vom Militär eingesetzte Übergangsregierung hat die Sicherheitskräfte angewiesen, das Protestlager zu räumen. Tausende Islamisten harren dort seit Wochen aus und fordern die Wiedereinsetzung des entmachteten Präsidenten Mohammed Mursi. Das Militär hatte den Muslimbruder Mursi am 3. Juli nach Massenprotesten abgesetzt.

Hunderte Islamisten zogen am Dienstag auch vor die Ministerien für Landwirtschaft, Justiz, Elektrizität und Hochschulbildung. Die Muslimbrüder behaupten, an ihren Kundgebungen beteiligten sich mindestens so viele Menschen wie an den Protesten der Mursi-Gegner Ende Juni. Um den Beweis anzutreten, filmten die Islamisten ihre Proteste in den vergangenen Tagen mit Spielzeug-Drohnen aus der Luft. Diese mit Kameras aufgerüsteten Quadrocopter hatten zuletzt auch Anhänger der Gezipark-Protestbewegung in Istanbul eingesetzt.

Unterstützer von Präsident Mursi berichteten, sie hätten bei einer Demonstration gegen den "Militärputsch" am Montagabend in der südlichen Provinzhauptstadt Assiut israelische Fahnen verbrannt. Damit wollten sie ihren Protest gegen einen israelischen Angriff auf der Sinai-Halbinsel ausdrücken. Bei dem Angriff, zum dem sich Israel nicht offiziell bekannt hat, sollen vier militante Islamisten getötet worden sein, die gerade einen Raketenangriff auf Israel vorbereiteten. Die israelische Armee wehrte in der Nacht zum Dienstag einen Raketenangriff der Sinai-Terrorristen auf die Eilat ab.

Vor Übergangspräsident Adli Mansur legten am Dienstag 20 Gouverneure ihren Amtseid ab. Die von Mursi ernannten Gouverneure wurden bis auf vier alle abgesetzt. Einige ägyptische Blogger beklagten, unter den neuen Gouverneuren seien zu viele Ex-Militärs und Persönlichkeiten, die unter dem Regime des 2011 entmachteten Präsidenten Husni Mubarak Karriere gemacht hatten.

(dpa)