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Nach Dioxin-Vergiftung: Plagen Juschtschenko Selbstmord-Gedanken?

Nach Dioxin-Vergiftung : Plagen Juschtschenko Selbstmord-Gedanken?

Kiew (rpo). Die Dioxin-Vergiftung des ukrainischen Präsidentschaftskandidaten Viktor Juschtschenko hat vermutlich bedenkliche Folgen. Ein Münchener Toxikologe sagt, dass das Gift die Persönlichkeit verändere und bis zum Selbstmord führen könne. Derweil glaubt Juschtschenko genau zu wissen, wie das Gift in seinen Körper gelangte.

Juschtschenko macht die bisherige Regierung verantwortlich. Ein Parlamentsausschuss will das überprüfen. Nach der Bestätigung einer Dioxinvergiftung des ukrainischen Oppositionsführers Viktor Juschtschenko hat das Parlament in Kiew neue Untersuchungen eingeleitet. Auf Grund der medizinischen Ergebnisse vom Wochenende nehme die Untersuchungskommission ihre Arbeit wieder auf, sagte Ausschussvorsitzender Wolodymyr Siwkowytsch am Montag. "Wir sind aber nicht überzeugt, dass eine absichtliche Vergiftung bewiesen werden kann."

Siwkowytsch ist ein Anhänger von Ministerpräsident Viktor Janukowitsch, dem Gegner Juschtschenkos bei der neu angesetzten Präsidentschaftswahl am 26. Dezember. Bereits im Oktober hatte sich ein Ausschuss unter Leitung Siwkowytschs mit der plötzlichen Erkrankung Juschtschenkos im Wahlkampf befasst und kam zu dem Schluss, dass der Oppositionsführer unter einem viralen Infekt und mehreren anderen Krankheiten leide.

Ermittlungen in der Ukraine

Die Wiener Privatklinik Rudolfinerhaus hatte am Sonntag nach ausführlichen Untersuchungen jedoch eine Vergiftung diagnostiziert. Auch die ukrainische Staatsanwaltschaft kündigte daraufhin an, ihre im Oktober ohne Ergebnis eingestellten Ermittlungen wieder aufzunehmen.

Den Ärzten zufolge sind Juschtschenkos Organe trotz hoher Dioxinwerte im Blut bislang nicht geschädigt. Die Prognose hängt aber auch davon ab, welche Art von Dioxin der Politiker zu sich nahm. Dies sowie die Menge des Gifts sind bisher nicht bekannt.

Juschtschenko forderte am Sonntag, die Untersuchung auf die Zeit nach der Wahl am 26. Dezember zu verschieben. Er wolle nicht, dass die Wähler von den Ermittlungen beeinflusst würden, egal ob positiv oder negativ, sagte der Oppositionsführer. Die Ermittlungen des Untersuchungsausschusses bedürfen der Zustimmung des Parlaments, das den Zeitpunkt daher noch beeinflussen könnte.

Experte sieht Selbstmordgefahr

Der Münchener Toxikologe Max Daunderer äußerte in einem Interview mit dem Radiosender WDR 2 Zweifel an den Aussagen der Wiener Ärzte, wonach Juschtschenkos Gesundheitszustand insgesamt wieder befriedigend sei. "Ich nehme an, dass er sehr krank ist", sagte der Professor. Nach einer Dioxinvergiftung sei davon auszugehen, "dass jetzt alle Organe gefährdet sind".

Außerdem führe das Gift zu erheblichen Änderungen der Persönlichkeitsstruktur, Depressionen und Selbstmord-Gedanken. Dioxin sei daher typisch für Mordanschläge von Geheimdiensten: "Man geht ja davon aus, dass dann der Vergiftete, wenn die Wirkung einsetzt, nach wenigen Wochen durch einen Selbstmord stirbt", sagte Daunderer.

(afp)