Sex, Lügen und E-Mails: Petraeus-Affäre erschüttert USA

Sex, Lügen und E-Mails : Petraeus-Affäre erschüttert USA

In der Sexaffäre um den zurückgetretenen CIA-Chef und Vier-Sterne-General David Petraeus kommen immer mehr Details ans Licht. Wie US-Medien berichten, soll die 37-jährige Jill Kelley die "Petraeus nahe stehende" Frau aus Florida sein, die E-Mails mit Drohungen von Petraeus' Geliebter Paula Broadwell erhalten hatte. In Washington munkelt man indes: Versuchte das Weiße Haus, den Skandal zu vertuschen.

Welche Rolle spielt Jill Kelly in der Liebesaffäre von David Petraeus und Paula Broadwell? US-Behörden arbeiten mit Nachdruck daran, das Rätsel des lange geheim gehaltenen Liebesgeflechts zwischen dem Star-General und seiner Biografin zu lösen.

Kelley, Tochter eines libanesischen Einwanderers, könnte die entscheidenden Hinweise zur Klärung liefern — oder womöglich selbst eine entscheidende Rolle spielen und tiefer verstrickt sein als bislang angenommen.

Brisante Informationen aus E-Mails

Aufgeflogen war die Affäre, als Kelley brisante Informationen an das FBI weiter geleitet hatte. Die "Washington Post" vermeldete am Montag in ihrer Online-Ausgabe, sie habe so große Angst gehabt, dass sie sich an die Bundespolizei gewandt habe.

Die 40-jährige Autorin und Eiltesoldatin Broadwell hatte offenbar belästigende E-Mails an Kelly, die Mitarbeiterin des US-Außenministeriums in Florida ist, verschickt. Behörden vermuten ein Eifersuchtsdrama. Demnach sah Broadwell in Kelley offenbar eine Rivalin im Kampf um die Gunst des ehemaligen Vier-Sterne-Generals.

Bundespolizei stößt auf E-Mails

Im Zuge der Nachforschungen sei die Bundespolizei dann auf E-Mails zwischen Broadwell und Petraeus gestoßen, die auf eine Beziehung zwischen beiden hingewiesen hätten. So soll der zurück getretene CIA-Chef Nachrichten von einem fiktiven E-Mail-Konto an seine Biografin geschickt haben, um das Verhältnis zu kaschieren.

Nach aktuellem Stand der Ermittlungen sprechen die US-Behörden von einer rein platonischen Beziehung zwischen Kelley und Petraeus. Mehr dürften sie aus Rücksicht auf die laufenden Untersuchungen nicht sagen. Die freundschaftliche Beziehungen zwischen den Familien Kelley und Petraeus bestätigte auch Judy Smith.

Über ihre Anwältin ließ die Familie Kelley folgende Erklärung verlautbaren: "Wir sind mehr als fünf Jahre mit General Petraeus und seiner Familie befreundet. Wir respektieren seine Privatsphäre und die seiner Familie und erwarten dasselbe für uns und unsere drei Kinder."

Vater spricht von schmutziger Kampagne

Broadwells Vater hingegen, der sich in den "New York Daily News" zu Wort gemeldet hat, nimmt seine Tochter in Schutz. Er spricht von einer Kampagne gegen Paula und holt zum Gegenschlag aus.

Tatsächlich gehe es, so Paul Krantz, um etwas komplett anderes, "und die Wahrheit wird ans Tageslicht kommen. Da wird noch viel mehr rauskommen." Mehr dürfe er allerdings nicht sagen. Ein Freund der Familie Kelley wird in der "New York Daily News" mit den Worten zitiert, es sei klar, dass zwischen Jill Kelley und David Petraeus nichts anderes als Freundschaft bestanden habe.

Kennengelernt beim Praktikum

Ein Foto soll die für die USA so typische, heile Familienwelt zwischen Petreaus und Kelley und ihren Ehepartnern dokumentieren. Im Jahr 2010 hatte die Familie Kelley die Familie Petraeus auf ihr Grundstück eingeladen, um die Gasparilla Parade in Tampa zu feiern. Zu der Zeit leitete er die MacDill Air Force Base in Tampa und Kelley soll dort als Freiwillige gearbeitet haben. So hätten sich beide kennen gelernt.

Mitglieder des US-Kongresses haben Aufklärung verlangt. "Wir erhielten keine Vorwarnung. Es war, als wäre der Blitz eingeschlagen", sagte die demokratische Senatorin Dianne Feinstein, die dem Geheimdienstausschuss des Senats vorsteht.

Anspielung auf Präsidentenwahl

Es sollten mehr Einzelheiten über die Ermittlungen der Bundespolizei FBI zur Verfügung gestellt werden, in deren Zuge die Affäre zwischen dem obersten Geheimdienstler und seiner Biografin Paula Broadwell aufgedeckt wurde.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Innere Sicherheit des Repräsentantenhauses, der Republikaner Peter King, sagte, die Umstände der Untersuchung röchen nach einer Vertuschungsaktion des Weißen Hauses. "Es scheint, die Untersuchung hat bereits mehrere Monate angedauert. Nun heißt es, das FBI hätte bis zum Wahltag nicht realisiert, dass Petraeus involviert war", sagte King in Anspielung auf die Präsidentschaftswahl Anfang vergangener Woche.

Seit 37 Jahren verheiratet

Der pensionierte Vier-Sterne-General Petraeus ist seit 37 Jahren verheiratet. Er hatte am vergangenen Donnerstag sein Rücktrittsgesuch im Weißen Haus eingereicht, Präsident Barack Obama akzeptierte es dann einen Tag später. In einem Abschiedsschreiben an seine Mitarbeiter beim Geheimdienst CIA räumte Petraeus die außereheliche Affäre ein, die nach Medienberichten seit einigen Monaten vorbei ist. Er sprach von einem "extrem schlechten Urteilsvermögen".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Sexaffäre um US-General Petraeus

(nbe)
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