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Peter Navarro - ein China-Falke in Trumps Diensten

Weißes Haus : Ein China-Falke in Trumps Diensten

Peter Navarro berät das Weiße Haus in Handelsfragen. Dem Präsidenten dient der Havard-Absolvent vor allem als akademisches Aushängeschild für seinen aggressiven Kurs gegenüber China.

Peter Navarro ist häufig zu Gast bei Fox News, dem Haussender der amerikanischen Konservativen. Donald Trump, ein Präsident, der ausgiebig fernsieht, lässt ihm viel Spielraum für seine Fernsehauftritte. Während andere seiner Berater nur hier und da variiert wiederholen dürfen, was er bereits selbst gesagt hat, genießt der ehemalige Dozent der Wirtschaftswissenschaften große Freiheiten. Navarro, im Weißen Haus für Handelsfragen zuständig, ist immer dann gefragt, wenn es gilt, eine harte Linie aufzuzeichnen. Er ist der Mann, der Tacheles redet mit Blick auf Konkurrenten, von denen sich die USA übervorteilt sehen.

Genau das hat er unlängst bei Fox News getan. Auf die Frage, wie es um die laufenden Handelsgespräche mit China stehe, antwortete er kurz und salopp: „Es ist vorbei“. Den Wendepunkt, so Navarro, habe bereits der 15. Januar markiert. An dem Tag empfing Trump eine Delegation aus Peking, um ein erstes Handelsabkommen zu unterschreiben, ein Provisorium, das vorläufige Entspannung signalisierte und dem irgendwann ein zweiter Deal folgen sollte, um alle noch offenen Streitpunkte zu regeln. Kaum sei die Maschine mit den chinesischen Gästen von der Rollbahn in Washington abgehoben, klagte Navarro, habe man zum ersten Mal von „dieser Pandemie“ gehört. „Das war zwei Monate nachdem die Chinesen wussten, dass das Virus unterwegs war.“ Führe ein Verhandlungspartner einen anderen derart hinters Licht, gab der 70-Jährige zu verstehen, könne man ihm nicht mehr trauen.

Mit seiner düsteren Prognose schickte er die Börsenkurse unvermittelt auf Talfahrt, so dass sich sein Vorgesetzter, der gesteigerten Wert auf hohe Börsenkurse legt, einschalten musste. „Der China-Handelsdeal ist vollkommen intakt“, twitterte Donald Trump, worauf sein ranghöchster Handelsberater prompt einen Rückzieher machte. Wie es in solchen Fällen nicht selten vorkommt, sprach er von Äußerungen, die aus dem Kontext gerissen wurden. Die Episode zeigt einmal mehr, welchen Zickzackkurs Washington gegenüber der Volksrepublik fährt. Mal scheinen die Kooperativeren Oberwasser zu haben, allen voran Finanzminister Steven Mnuchin. Dann wieder bauen Hardliner wie Navarro Drohkulissen auf. Trump trägt zur Verunsicherung bei, indem er mal der einen, mal der anderen Fraktion zustimmt. Folgt man dem, was sein geschasster Sicherheitsberater John Bolton in seinen Memoiren schreibt, baut er auf gesteigerte Agrarexporte nach China, um sich vor der Wahl im November Rückhalt bei den Farmern des wahlpolitisch so wichtigen Mittleren Westens zu sichern. Zugleich spricht er vom „China-Virus“, damit er dem Ursprungsland der Epidemie alle Schuld an der Krise geben kann.

Navarro, der eine Pol der Debatte, ist das, was Amerikaner einen „China-Falken“ nennen. 2006 schrieb er sein erstes Buch über den aus seiner Sicht bevorstehenden Clash mit dem Reich der Mitte. Als Trump fürs Oval Office kandidierte, war es dessen Schwiegersohn, der den Professor aus Kalifornien ins Wahlkampfteam holte. Jared Kushner hatte den Auftrag, nach Experten Ausschau zu halten, die das „America first“ des Immobilienunternehmers intellektuell unterfüttern konnten. Beim Suchen bei Amazon soll ihm einer der zahlreichen Buchtitel Navarros ins Auge gesprungen sein.

Der Ökonom war einer von wenigen Wissenschaftlern, die sich in den Dienst Trumps stellten. Bevor er ab 1989 an der University of California in Irvine lehrte, hatte er in Harvard promoviert. Ein Doktortitel der angesehensten Uni des Landes, das sollte der Mannschaft Trumps, die größtenteils aus Geschäftsleuten bestand, so etwas wie akademischen Tiefgang verleihen. Nur galt Navarro als akademischer Außenseiter, zu extrem schienen seine Ansichten zu sein. Nicht nur, dass er China Diebstahl geistigen Eigentums und rücksichtlose Subventionierung der einheimischen Industrie vorwarf. Die knallharten Praktiken Chinas, spitzte er es zu, seien das zentrale Problem der Welt.