Rund 19,8 Millionen Wahlberechtigte: Parlamentswahl soll den Irak endlich einen

Rund 19,8 Millionen Wahlberechtigte: Parlamentswahl soll den Irak endlich einen

Bagdad (RPO). Zum zweiten Mal seit dem Sturz von Saddam Hussein im Frühjahr 2003 sind die Iraker am Sonntag zur Wahl ihres Parlamentes aufgerufen. Das Votum gilt als Test für die noch jungen demokratischen Strukturen des Landes, das zum Teil erheblich unter Korruption und Misswirtschaft leidet.

Der Erfolg der Abstimmung wird nicht zuletzt davon abhängen, ob es gelingt, alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen an die Urnen zu locken. Vor allem die Beteiligung der größten Minderheit der Sunniten an der Wahl gilt als entscheidend für die Suche nach einem gesellschaftlichen Konsens.

Rund 19,8 Millionen der knapp 30 Millionen Iraker sind aufgerufen, aus 6218 Kandidaten die 325 Abgeordneten auszuwählen. Auf den Wahllisten bewerben sich 1801 Frauen, für die 82 Sitze im Parlament vorbehalten sind. Rund 200.000 Sicherheitskräfte sollen den Urnengang schützen. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist mit der Bekanntgabe eines vorläufigen Wahlergebnisses am 18. März zu rechnen. Das offizielle Ergebnis dürfte Ende des Monats verkündet werden.

Anschlag in Nadschaf

Angesichts der massiven Gewaltdrohungen des Terrornetzwerks Al Qaida verlief der Mitte Februar eröffnete Wahlkampf verhältnismäßig ruhig. Zwar gab es wiederholt blutige Anschläge, wie zuletzt am Tag vor der Wahl. Bei einem Autobombenanschlag in der Stadt Nadschaf wurden am Samstag mindestens drei Menschen getötet und über 50 verletzt. Die tödlichen Schüsse auf eine Bewerberin um ein Abgeordnetenmandat am 7. Februar in der nordirakischen Stadt Mossul aber blieben bislang eine Ausnahme. Vier Jahre zuvor hatten die Parteien nicht einmal gewagt, die Namen ihrer Kandidaten zu veröffentlichen.

Den Rückgang der Gewalt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen schreibt Ministerpräsident Nuri el Maliki sich gern selbst als Erfolg auf die Fahnen. Und tatsächlich ist es dem seit Mai 2006 regierenden Maliki gelungen, die Autorität des Staates wieder herzustellen. Jeder Anschlag aber schmälert Malikis Erfolgschancen.

  • Fotos : Dezember 2009: Autobomben explodieren in Bagdad

Der 60-jährige Ministerpräsident, der der Bevölkerungsmehrheit der Schiiten angehört, hat sich von der schiitischen Allianz distanziert und führt die neu gegründete Liste der Allianz der Rechstaatlichkeit an. Diese will er zur stärksten Kraft im Parlament machen, mit weitem Vorsprung vor den anderen, wie er am Mittwoch verkündete.

Als wichtige Herausforderer von Malikis Wahlbündnis gelten dessen ehemalige Mitstreiter im Schiiten-Bündnis, die sich zumeist in der Irakisch-Nationalen Allianz zusammengefunden haben. Daneben rechnet sich der laizistische Irakische Block unter Führung des früheren Ministerpräsidenten Ijad Allawi gute Chancen aus. Aller Voraussicht nach wird keine der Listen die absolute Mehrheit der Sitze erreichen und also auf Bündnisse angewiesen sein.

Verbesserung des Alltags erhofft

Der Urnengang gilt als richtungweisend für die Zukunft des Irak. "2005 war eine Wahl der Identitäten, dieses Jahr wird es eine Wahl der Interessen", analysiert Wissenschaftsminister Raid Fahmi. Die Menschen würden bei jener Partei ihr Kreuz machen, von der sie sich am ehesten eine Verbesserung ihres Alltags versprechen. Die Iraker sind die Gewalt leid und haben kein Verständnis mehr für die Auseinandersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen. Beobachter rechnen den sunnitischen Bewerbern, die knapp 25 Prozent der Bevölkerung repräsentieren, gute Chancen aus. Die mit 14,5 Prozent in der Bevölkerung vertretenen Kurden indes könnten ihre bisherige Rolle als "Königsmacher" verlieren, sagt der irakische Anthropologe Hosham Dawood.

Zu den größten Herausforderungen der künftigen Mandatsträger zählt, die irakische Wirtschaft in Gang zu bringen. Und es gilt immer noch, ganz grundlegende öffentliche Dienstleistungen wie die Versorgung mit Strom und Trinkwasser zu verbessern, wie der Politologe Hamed Fadil erläutert. Eine Stabilisierung des Landes ist auch deshalb wichtig, weil am 31. August der US-Kampfeinsatz im Irak beendet und bis Ende 2011 alle US-Soldaten abgezogen werden sollen.

(AFP/das)