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Pakistanische Taliban verkünden einmonatige Waffenruhe

Taliban und Pakistan verhandeln : Pakistanische Taliban verkünden einmonatige Waffenruhe

Die pakistanischen Taliban haben eine einmonatige Waffenruhe verkündet. Diese gelte ab sofort, sagte der Sprecher der Gruppe Tehreek-e-Taliban (TTP), Shahidullah Shadid, am Samstag der Nachrichtenagentur AFP. Die Ankündigung erfolgte wenige Stunden nach einem Angriff auf Impfhelfer im Nordwesten Pakistans, bei dem zwölf Menschen getötet wurden.

Shadid begründete die Entscheidung der Taliban mit einer "positiven Antwort" der Regierung, einer Aufforderung religiöser Führer und der Sorge um eine "bessere Zukunft Pakistans". Islamabad kommentierte dies zunächst nicht. Ein Unterhändler der Regierung in den Gesprächen mit den Taliban sprach jedoch von einer "guten Nachricht". Die Regierung solle nun auch eine Waffenruhe verkünden und direkt mit den Islamisten verhandeln, sagte Rustam Shah Mohmand.

Ministerpräsident Nawaz Sharif hatte Ende Januar den Start von Gesprächen mit der TTP verkündet, die seit sieben Jahren gewaltsam für die Islamisierung des Landes kämpft. Zu ihren Forderungen gehört die Einführung des islamischen Scharia-Rechts sowie die Einstellung von US-Drohnenangriffen auf ihre Stellungen.

Die Friedensgespräche wurden vor zwei Wochen ausgesetzt, nachdem die Taliban bekannt gegeben hatten, 23 seit Juni 2010 entführte Paramilitärs ermordet zu haben. Die Armee reagierte mit Luftangriffen, bei denen mehr als 100 Rebellenkämpfer getötet wurden.

Bei dem Bombenanschlag auf Impfhelfer im Nordwesten des Landes wurden zwölf Menschen getötet. Elf pakistanische Paramilitärs, die den Konvoi begleiteten, und ein Kind wurden getötet, wie ein hochrangiger Behördenvertreter erklärte. Bei der Detonation der insgesamt drei Bomben seien auch zwei Fahrzeuge des medizinischen Teams beschädigt worden, das in der Region Impfungen gegen das Poliovirus anbieten wollte.

Der Anschlag ereignete sich etwa 30 Kilometer südwestlich von Peshawar, der Hauptstadt der unruhigen Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Sie grenzt an die halbautonomen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan, die als Hochburg des Terrornetzwerks Al-Kaida und anderer islamistischer Gruppen wie der Taliban gelten.

Zunächst bekannte sich niemand zu der Attacke. Die pakistanische Armee reagierte am Sonntag mit einem Vergeltungsangriff und tötete in Khyber fünf mutmaßliche Aufständische. Nach Angaben der Sicherheitsbehörden gehörten die Kämpfer einer kleinen islamistischen Gruppierung an, die sich in der Vergangenheit zu Angriffen auf NATO-Konvois bekannt hatte.

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Mitarbeiter von Impfkampagnen werden in Pakistan immer wieder Opfer tödlicher Angriffe. In Pakistan lehnen tausende Eltern die Impfung ihrer Kinder ab. Grund sind Vorbehalte bestimmter Geistlicher und islamistischer Aufständischer, die die Kampagnen als Deckmantel für Spionageaktivitäten betrachten.

Kinderlähmung gilt seit Mitte der 1950er Jahre als weitgehend besiegt. Vor allem in Pakistan, Afghanistan und Nigeria kommt es jedoch immer wieder zu Ausbrüchen der hoch ansteckenden Krankheit. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation wurden im vergangenen Jahr 91 Polio-Fälle in Pakistan registriert.

(AFP)