Pakistan: Verfolgte Christin Asia Bibi hat das Land verlassen

Verfolgte Christin in Pakistan : Asia Bibi hat das Land verlassen

Das pakistanische Außenministerium bestätigte, dass Asia Bibi das Land verlassen hat. Die Christin war vor zehn Jahren wegen angeblicher Gotteslästerung zum Tode verurteilt worden. 2018 wurde sie freigesprochen. Der Fall hatte Pakistan in Unruhe versetzt.

Die zum Tode verurteilte und später freigesprochene Christin Asia Bibi hat Pakistan nach Regierungsangaben verlassen: Das pakistanische Außenministerium bestätigte am Mittwoch, dass die 50-jährige Mutter sich nicht mehr im Land befinde, wie die Tageszeitung „Dawn“ berichtete. „Asia Bibi hat das Land verlassen. Sie ist frei und reist nach ihrem eigenen Willen“, zitierte die Zeitung eine Stimme aus dem Ministerium.

Asia Bibi war wegen angeblicher Gotteslästerung verurteilt worden. Sie war fast zehn Jahre in Haft und galt auch nach ihrem Freispruch als bedroht. Ihr Fall hatte weltweit Empörung ausgelöst. Bereits kurz nach ihrem Freispruch durch das Oberste Gericht im Oktober 2018 hatte es Gerüchte gegeben, Bibi sei nach Kanada ausgeflogen worden. Die Regierungen beider Länder bestritten dies jedoch.

Die fünffache Mutter war 2009 nach einem Dorfstreit um ein Glas Wasser wegen Gotteslästerung angezeigt worden. Ein Gericht verurteilte sie 2010 zum Tode. In einem bahnbrechenden Urteil hob das Oberste Gericht Pakistans 2018 das Blasphemie-Todesurteil gegen Bibi auf und ordneten zudem ihre sofortige Freilassung an.

Doch der Freispruch führte zu tagelangen Protesten radikal-islamischer Kräfte, die das ganze Land in einen Ausnahmezustand versetzen. In vielen Städten zog eine wütende Meute durch die Straßen, randalierte, plünderte und griff unbeteiligte Leute an. Demonstranten riefen dazu auf, die verantwortlichen Richter und die Christin zu lynchen und die Regierung von Ministerpräsident Imran Khan zu stürzen.

Die Regierung sah sich gezwungen, die Lage zu beruhigen und versicherte, Bibi habe Pakistan nicht verlassen. Man warte eine Appellation vor dem Obersten Gericht ab, die gegen die Aufhebung des Todesurteils Einspruch einlegte. Die Appellation wurde später jedoch abgelehnt. Bibis Anwalt Saif-ul-Malook war umgehend nach dem Freispruch ausgereist und hatte Asyl in den Niederlanden beantragt.

Der Fall Asia Bibi hatte in den vergangenen Jahren immer wieder zu Spannungen und auch zu Gewalt geführt. Ein Jahr nach dem Todesurteil wurde der Gouverneur der Punjab-Provinz, Salman Taseer, von seinem eigenen Bodyguard umgebracht, weil er sich für die Freilassung von Bibi eingesetzt hatte. Die islamische Republik Pakistan hat drakonische Blasphemiegesetze, die die Todesstrafe vorsehen. Das Strafrecht wird international heftig kritisiert.

(lhen/epd)
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