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Ostukraine: Separatisten und Armee liefern sich wieder schwere Gefechte

Ostukraine : Separatisten und Armee liefern sich wieder schwere Gefechte

Am Mittwoch haben sich prorussische Separatisten und Regierungstruppen abermals heftige Kämpfe geliefert. Im Zentrum der Rebellenhochburg Donezk war am Morgen schwerer Beschuss zu hören.

Bewohner berichteten von unaufhörlichen Artilleriesalven in und aus dem Vorort Awdijiwka am nördlichen Rand der Stadt. Frierende Einwohner, die seit Tagen ohne Strom ausharrten, flüchteten vor den Gefechten in ein Stadion, wo sie von Hilfsorganisationen Lebensmittel erhielten und sich aufwärmen konnten.

Awdijiwka befindet sich unter Regierungskontrolle. Doch am Wochenende brachen wieder schwere Kämpfe um den Ort aus. Mindestens zehn Menschen sind seitdem getötet und Dutzende weitere verletzt worden.

Unklarheit über Grund für Eskalation

Was die erneute Eskalation ausgelöst hat, ist noch unklar. Die ukrainische Regierung, die besorgt über die russlandfreundlichere Einstellung der neuen US-Regierung ist, könnte die neu aufgeflammten Kämpfe als Beweis dafür heranziehen, dass Moskau nicht getraut werden könne.

Angesichts dieser Aussicht sagte der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow, am Mittwoch: "Kiew versucht, die Kämpfe, die es selbst provoziert hat, als Vorwand zu nutzen, um sich der Einhaltung des Minsker Abkommens zu verweigern und Russland die Schuld zu geben." Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, die Eskalation der Gewalt in der Ostukraine sei ein weiterer Grund für die schnellstmögliche Wiederaufnahme von Gesprächen und Kooperationen zwischen Russland und den USA.

Der Konflikt um die Ostukraine hat seit April 2014 mehr als 9700 Menschen das Leben gekostet. Eine im Jahr 2015 in der weißrussischen Hauptstadt Minsk vereinbarte Waffenruhe trug zwar dazu bei, dass sich die Lage etwas beruhigte, aber die Gefechte flammen immer wieder auf. Die Regierung in Kiew wirft dem Kreml vor, die prorussischen Rebellen mit Soldaten und militärischem Gerät zu unterstützen.

Am späten Vormittag klang der Artilleriebeschuss zunächst ab. Es gab unbestätigte Berichte, dass sich die Konfliktparteien auf eine Feuerpause geeinigt hätten, um die Strom- und Wasserversorgung wiederherzustellen. Der Stromausfall ist gerade deshalb dramatisch, weil in Awdijiwka Temperaturen von bis zu minus 18 Grad herrschten.

Das für den Militäreinsatz zuständige Pressebüro der ukrainischen Regierung meldete, dass bei Kämpfen am späten Dienstagabend mindestens ein Soldat getötet worden sei. Neun weitere und ein Zivilist seien verletzt worden. In Makijiwka, einem von Rebellen kontrollierten Vorort von Donezk, seien am Mittwochmorgen zwei Bergarbeiter auf dem Weg zur Arbeit durch Beschuss verletzt worden, berichtete die separatistische Donezk-Nachrichtenagentur.

Die Kontaktgruppe für die Ukraine traf sich am Mittwoch erneut in Minsk. Fortschritte wurden von dem Treffen aber zunächst nicht gemeldet.

(felt/ap)