Ostukraine: Petro Poroschenko gibt Debalzewe auf

Ukrainischer Präsident gibt Rückzugsbefehl : Petro Poroschenko gibt Debalzewe auf

Nach wochenlangen Kämpfen gibt der ukrainische Präsident den Befehl zum Rückzug. Putin hatte die Kapitulation empfohlen. Berlin wirft den Rebellen eine grobe Verletzung der Waffenruhe vor. Ob das Minsker Abkommen noch zu retten ist, scheint offen.

Prorussische Rebellen haben nach wochenlangen Kämpfen den ostukrainischen Verkehrsknotenpunkt Debalzewe erobert, der ihre Hochburgen Donezk und Lugansk verbindet. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko befahl am Mittwoch den geordneten Rückzug unter Mitnahme der Waffen. Er sprach von einer taktischen Entscheidung, "die Schande über Russland bringt, das die ukrainischen Truppen gestern aufrief, die Waffen niederzulegen, die weiße Flagge zu hissen und sich zu ergeben".

Der russische Präsident Wladimir Putin hatte am Dienstag in Budapest Kiew empfohlen, die militärische Niederlage in Debalzewe einzugestehen. Die ukrainischen Soldaten dort hätten "keine andere Wahl", als "ihre Waffen zurück zu lassen und sich zu ergeben". Die Bundesregierung verurteilte den Vormarsch der Rebellen auf Debalzewe als grobe Verletzung der seit Sonntag geltenden Waffenruhe. Auf die Frage, ob Minsk II damit bereits gescheitert sei, erwiderte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch, er könne dies heute weder mit einem klaren Ja noch Nein beantworten.

Soldat berichtet von schweren Verlusten

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in der vergangenen Woche zusammen mit dem französischen Staatschef François Hollande, Poroschenko und Putin das zweite Minsker Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt. Der französische Außenminister Laurent Fabius sagte, die vier Staats- und Regierungschefs würden noch im Laufe des Mittwochs über die Umsetzung des Abkommens sprechen. Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini forderte Russland und die Separatisten auf, die Waffenruhe sofort und vollständig einzuhalten.

Reporter beobachteten am Mittwochmorgen den Abzug Dutzender ukrainischer Soldaten aus Debalzewe. Die Männer, die den Ort Artemiwsk erreichten, wirkten erschöpft und müde. Ein Soldat berichtete von schweren Verlusten. Ein anderer sagte, er habe wegen des Beschusses durch Rebellen seit Tagen nichts mehr zu essen bekommen. "Wir sind sehr glücklich, hier zu sein", sagte der hungrige Soldat. "Wir haben die ganze Zeit gebetet und hundertmal mit unserem Leben abgeschlossen".

Poroschenko sagte, am Vormittag hätten 80 Prozent der ukrainischen Truppen Debelzewe verlassen. Zwei Kolonnen würden im Laufe des Tages noch abrücken. Er dementierte die Darstellung der Rebellen, der Bahnknoten sei eingekesselt worden und betonte, die Einheiten rückten mit ihren Waffen und ihrer Munition ab. "Unsere Truppen und Formationen sind in einer organisierten und geplanten Art und Weise abgezogen", sagte er. Er reise in den Osten, um den Soldaten die Hand zu schütteln, die in Debalzewe gekämpft hätten.

OSZE-Beobachter an Erreichen Debalzewos gehindert

Sprecher der Rebellen erklärten unterdessen, sie hätten anderswo in der Konfliktregion mit dem in Minsk vereinbarten Rückzug schwerer Waffen begonnen, wo die Waffenruhe eingehalten werde. Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) sollen die Einhaltung des Waffenstillstands überwachen. Seit Sonntag sind sie von den Rebellen daran gehindert worden, Debalzewe zu erreichen. Dies solle nun "bald" ermöglicht werden, wurde ein Rebellenführer von der Nachrichtenagentur der Separatisten zitiert.

Der Weltsicherheitsrat stellte sich am Dienstag hinter das Minsker Waffenstillstandsabkommen. Das höchste UN-Gremium verabschiedete dazu eine von Russland eingebrachte Resolution, die alle Konfliktparteien zur vollen Umsetzung der Vereinbarungen auffordert und die Unabhängigkeit der Ukraine betont.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Gefechte um Debalzewe - Ukrainer fliehen vor dem Krieg

(ap)