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Ostsee: Schwedens Marine sucht nach russischem U-Boot

Suche nach möglichem russischen U-Boot : Schwedische Marine veröffentlicht Foto des mysteriösen Objekts

Wie im Kalten Krieg: In den Schären vor Stockholm suchen Hubschrauber und Marineschiffe nach einem unbekannten Unterwasserobjekt. Ein russisches U-Boot soll SOS gefunkt haben. Das Militär will das nicht bestätigen, veröffentlicht aber das Foto eines Augenzeugen. Die Suche soll angeblich drei handfeste Belege für Aktivitäten einer ausländischen Macht ergeben haben.

Die schwedischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben drei handfeste Belege für eine ausländische Unterwasser-Aktivität in der Stockholmer Schärenküste gefunden. Das teilte Konteradmiral Anders Grenstad am Sonntag als vorläufiges Ergebnis einer dreitägigen Suche mit. Vermutet wird das Eindringen eines russischen U-Boots, bestätigen wollte Grenstad das aber nicht.

Das Militär veröffentlichte ein Foto, das von einem Zivilisten am Sonntag gemacht worden war und das ein teilweise untergetauchtes Objekt in einiger Entfernung zeigt. Um was es sich genau handeln könnte, war nicht zu erkennen. Grenstadt erklärte, er werde nicht über das Foto und zwei andere Sichtungen spekulieren. Er sagte nur, die Sichtungen seien in einem Gebiet gemacht worden, "die für eine ausländische Macht von Interesse ist".

Wie das Militär am Sonntagabend mitteilte, wurden an drei verschiedenen Stellen in den Schären vor der Küste der Hauptstadt "Unterwasseroperationen" beobachtet. Spekulationen, wonach ein russisches U-Boot in Seenot geraten sei, wollte Einsatzleiter Anders Grenstad nicht bestätigen. Die Beobachtungen der letzten Tage passten aber in ein Muster, sagte er.

 Das dunkle Objekt in der weißen Welle auf dieser Amateur-Aufnahme soll ein Beweis für ein feindliches U-Boot sein.
Das dunkle Objekt in der weißen Welle auf dieser Amateur-Aufnahme soll ein Beweis für ein feindliches U-Boot sein. Foto: afp, ej

In den letzten Jahren seien regelmäßig Unterwasseraktivitäten registriert worden. Man wisse aber nicht, ob es sich um ein U-Boot, ein Mini-U-Boot oder Taucher in einem kleinen Fahrzeug handele. "Wir haben den Eindruck, dass diese Gegend für eine fremde Macht von Interesse ist", sagte Grenstad. Die umfangreiche Suchaktion mit Hubschraubern und Minensuchbooten solle fortgesetzt werden.

Die Zeitung "Svenska Dagbladet" hatte berichtet, die schwedische Funküberwachung habe schon am Donnerstag auf einer üblicherweise von Russland genutzten Frequenz einen Notruf in russischer Sprache abgefangen. Er soll an eine Station in Kaliningrad, dem früheren Königsberg, gerichtet gewesen sein. Wenig später sei in der stark befahrenen Bucht Kanholmsfjärden ein U-Boot gesichtet worden.

Einen Tag später, so berichtete die Zeitung weiter, sei ein zweiter Funkspruch abgefangen worden, diesmal verschlüsselt. Auch dieser sei von Kanholmsfjärden nach Kaliningrad gesendet worden. Außerdem wurde ein russischer Öltanker gesichtet, der tagelang in der Bucht geankert hatte.

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Nachdem Spekulationen über eine mögliche Havarie eines russischen U-Bootes publik wurden, änderte er seine Position. Experten mutmaßten, dass das U-Boot und der Öltanker in Kontakt standen.

Grenstad dementierte am Sonntag, dass das Militär einen Notruf aufgefangen habe. Nicht kommentieren wollte er allerdings, dass ein verschlüsselter Funkruf mitgehört wurde. Auch das Verteidigungsministerium in Moskau wies die Medienberichte zurück. "Es gab und gibt keinen Notfall mit einem russischen U-Boot", hieß es laut der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass aus dem Ministerium.

Die kremlkritische Zeitung "Nowaja Gaseta" berichtete unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Informanten bei der Marine, es handele sich nicht um ein russisches U-Boot. Die drei mit Diesel betriebenen U-Boote der Nordflotte befänden sich alle im Hafen, und für ein Atom-U-Boot seien die betreffenden Gewässer vor Schweden nicht tief genug.

Nach Informationen des "Svenska Dagbladet" brach am Sonntag ein russisches Forschungsschiff, das auf die Unterwassersuche spezialisiert sei, von St. Petersburg nach Schweden auf. Offiziell ist das Schiff auf dem Weg nach Las Palmas.

Sollte sich bestätigen, dass sich ein russisches U-Boot in schwedischen Gewässern aufhält, wäre das eine empfindliche Verletzung der Hoheitsgewässer. Viele Schweden fühlen sich an den Kalten Krieg erinnert, als U-Boot-Sichtungen vor der Küste immer wieder für Aufregung sorgten.

(dpa)