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Armee-Hubschrauber feuern auf Rebellen: Operation "Erdbeben" erreicht Zentrum von Damaskus

Armee-Hubschrauber feuern auf Rebellen : Operation "Erdbeben" erreicht Zentrum von Damaskus

Der Bürgerkrieg in Syrien setzt sich in der Hauptstadt Damaskus fest. In mehreren Vierteln gibt es Gefechte. Rebellen-Videos zeigen Kampfhubschrauber am Himmel. Die Opposition hatte am Morgen eine Großoffensive ausgerufen.

Der Bürgerkrieg in Syrien setzt sich in der Hauptstadt Damaskus fest. In mehreren Vierteln gibt es Gefechte. Rebellen-Videos zeigen Kampfhubschrauber am Himmel. Die Opposition hatte am Morgen eine Großoffensive ausgerufen.

Der Bürgerkrieg in Syrien hat die syrische Hauptstadt Damaskus erreicht. Auf die Ankündigung der Rebellen, eine Großoffensive zu starten, reagierte die regierungstreue Armee mit Gegenangriffen. Die Operation der Rebellen trägt den Namen "Vulkan von Damaskus und Erdbeben von Syrien".

Nach Angaben von Aktivisten beschossen Soldaten Viertel der Hauptstadt erstmals mit Panzern. Erstmals wurden auch Kampfhubschrauber eingesetzt. Ein früherer syrischer Boschafter warnte vor dem Einsatz von Chemiewaffen durch das Militär.

Wie die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, nahm die Armee in der Nacht zum Dienstag das Viertel Kabun im Osten der Hauptstadt unter Beschuss. Gefechte gab es demnach auch in den Stadtteilen Assali, Hadschar und al-Aswad.

Schüsse vor der Zentralbank zu hören

Bei den Kämpfen habe die Armee Panzer und erstmals auch Helikopter eingesetzt. Die Aufständischen brachten nach Angaben der Beobachtungsstelle die Stadt Talbisse an der Grenze zum Libanon unter ihre Kontrolle.

Die heftigen Kämpfe in Damaskus dauern seit Sonntag an. Am Montag nahmen die Rebellen nach Angaben der Beobachtungsstelle zwei Stadtteile ein. Die Armee versucht seitdem vergeblich, das Terrain zurückzugewinnen.

Seit der Nacht zum Dienstag konzentrierten sich die Auseinandersetzungen unter anderem auf das historische Viertel Midan nahe dem Stadtzentrum. Nach Angaben von Anwohnern waren sogar im Zentrum selbst Schüsse zu hören, etwa auf dem Sabaa-Bahrat-Platz, wo die Zentralbank ihren Sitz hat.

Aufruf zu Angriffen

Am späten Montag riefen die Aufständischen ihre landesweite Offensive unter dem Namen "Vulkan von Damaskus und Erdbeben von Syrien" aus. Die Kommandozentrale der oppositionellen Freien Syrischen Armee (FSA) in Homs rief zu Angriffen auf alle Sitze der Sicherheitskräfte auf. Nach Angaben der Beobachtungsstelle wurden am Montag landesweit fast 150 Menschen getötet, darunter mehr als 80 Zivilisten.

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Die Offensive sei der "erste strategische Schritt" zum zivilen Ungehorsam in ganz Syrien, erklärte die FSA. Ein Aktivist bezeichnete die Entwicklung als "Wendepunkt" in dem seit März 2011 andauernden Aufstand gegen Assad. Auf Internetvideos war zu sehen, wie Kämpfer hinter Barrikaden Panzerabwehrraketen abfeuerten. Viele Menschen flohen aus den umkämpften Vierteln.

Warnung vor Chemiewaffen

Unterdessen warnte Syriens früherer Botschafter in Bagdad, Nawaf Fares, vor dem Einsatz chemischer Waffen durch die Regierung. Er sei überzeugt, dass Assad bereit sei, "das gesamte syrische Volk auszulöschen", um an der Macht zu bleiben, sagte Fares dem britischen Sender BBC. Sollte er weiter in die Enge gedrängt werden, könnte er auch Chemiewaffen verwenden, sagte Fares, der sich am Mittwoch von Bagdad nach Katar abgesetzt hatte.

Noch am Dienstag will der Syrien-Sonderbeauftragte Kofi Annan in Moskau mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zusammenkommen. Russland blockiert zusammen mit China bislang eine schlagkräftige Resolution des UN-Sicherheitsrats gegen Assad. Das Gremium soll am Freitag die Verlängerung einer Mission von rund 300 UN-Beobachtern in Syrien beschließen.

Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte dem Westen am Montag "Erpressung" beim Bemühen um eine Resolution des Sicherheitsrats vorgeworfen. Nach seinen Angaben steht die Drohung im Raum, eine Verlängerung des Mandats für die Beobachtermission zu verhindern, sollte Russland die Androhung von Sanktionen gegen Syrien nicht unterstützen.

Das angehängte Video stammt aus dem Youtube-Kanal "SyriaDaysOfRage". Es zeigt angeblich einen Kampfhubschrauber der syrischen Armee über Damaskus. Nach Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wird daraus mit schweren Maschinengewehren Jagd auf Rebellen gemacht.

(AFP)