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Syrien: Arabische Liga fordert Ende der Gewalt: Offenbar 36 Tote bei Protesten nach Freitagsgebet

Syrien: Arabische Liga fordert Ende der Gewalt : Offenbar 36 Tote bei Protesten nach Freitagsgebet

Nikosia (RPO). Bei Protesten nach dem Freitagsgebet in Syrien sind nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten mindestens 36 Menschen getötet worden. Eine Delegation der Arabischen Liga verurteilte die "anhaltende Tötung von Zivilisten".

Allein in der Protesthochburg Homs seien bei der gewaltsamen Auflösung eines Protestmarschs von rund 20.000 Menschen 20 Zivilisten erschossen worden, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Auf Syriens Straßen wird wegen des harten Vorgehens der Regierung gegen die Protestbewegung der Ruf nach einem Nato-Einsatz immer lauter. Nach den Freitagsgebeten riskierten in Hama und Homs Demonstranten erneut ihr Leben und forderten die Hilfe des Westens, dessen Luftangriffe in Libyen eine entscheidende Rolle beim Sturz von Staatschef Muammar Gaddafi gespielt hatten.

Nach Angaben der in London ansässigen Beobachtungsstelle wurden in der zentralsyrischen Stadt Hama beim Vorgehen der Sicherheitskräfte zwölf Zivilisten erschossen. Demnach gab es in der Stadt auch Gefechte mutmaßlicher Deserteure mit der Armee. Auch in Kusseir in der Region Homs und in der Region Idleb sei jeweils ein Zivilist getötet worden. Zwei weitere Opfer habe es in Tsil in der südlichen Provinz Daraa gegeben. Landesweit seien insgesamt 500 Menschen festgenommen worden, teilte die Beobachtungsstelle mit.

Arabische Liga fordert Ende der Gewalt

Ein Komitee der Arabischen Liga verurteilte am Freitag die "anhaltende Tötung von Zivilisten" und rief Präsident Baschar el Assad auf, sich für ihren Schutz einzusetzen. Das Minister-Komitee der Liga teilte am Freitag mit, es sei ein "dringendes Schreiben" an die Regierung von Präsident Baschar al-Assad gegangen. Darin sei "die Hoffnung zum Ausdruck gebracht worden, dass die syrische Regierung Maßnahmen ergreifen werde, um Zivilisten zu schützen". Es war die bislang schärfste Wortwahl der Liga. Minister der Organisation sollen sich am Sonntag mit syrischen Regierungsvertretern in Doha treffen.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, die jüngste Gewalt in Syrien sei "bestürzend" und "konterkariere" die Bemühung der Arabischen Liga. "Der internationale politische Druck muss noch einmal signifikant erhöht werden, damit das syrische Regime endlich einlenkt", erklärte der Sprecher.

Gegner der syrischen Regierung hatten auf ihrer Facebook-Seite für Freitag dazu aufgerufen, für die Einrichtung einer Flugverbotszone nach dem Vorbild von Libyen auf die Straße zu gehen. Das von der internationalen Gemeinschaft durchzusetzende Flugverbot solle der "Freien Armee Syriens" erlauben, gegen die Sicherheitskräfte von Präsident Baschar el Assad vorzugehen, hieß es. Die sogenannte Freie Armee Syriens ist eine bewaffnete Oppositionsgruppe, deren Bildung im Juli von desertierten Soldaten bekannt gegeben wurde.

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Nach Angaben der oppositionellen Lokalen Koordinierungskomitees, die eine wichtige Rolle bei der Organisation der Proteste spielen, riegelten die Sicherheitskräfte mehrere Moscheen im Zentrum der Hauptstadt Damaskus ab, um dort Proteste nach dem Freitagsgebet zu verhindern. Damaskus war bisher von den Protesten kaum betroffen. Nach UN-Angaben wurden seit Beginn der Proteste Mitte März rund 3000 Menschen getötet, in ihrer großen Mehrheit Zivilisten.

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(AFP/RTR)