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Kommunalwahl in Wien: Österreichs neuer Rechtsaußen

Kommunalwahl in Wien : Österreichs neuer Rechtsaußen

Wien (RP). Der neue Parteivorsitzende der rechtsradikalen Freiheitlichen (FPÖ) in Österreich, Heinz-Christian Strache, ist erstmals aus dem Schatten seines 2008 gestorbenen Vorgängers Jörg Haider getreten. Bei der Kommunalwahl in Wien gewann seine Partei 27 Prozent der Wählerstimmen.

"Manchmal", seufzte Wiens sozialdemokratischer Bürgermeister Michael Häupl, "sehne ich mich nach der Intellektualität Jörg Haiders zurück." Dessen Nachfolger als Bundesvorsitzender der rechtsradikalen Freiheitlichen (FPÖ), Heinz-Christian Strache, kann es bei Weitem nicht mit seinem toten Lehrmeister aufnehmen. Haider erregte mit einem verschlagenen Grinsen mehr Aufmerksamkeit als Strache mit einer stundenlangen Rede mit noch so vielen fremdenfeindlichen Ausbrüchen und Wortgranaten wie "Daham statt Islam" oder "Mehr Mut für Wiener Blut".

Bei der Wiener Kommunalwahl am Sonntag vermochte sich der 41-jährige Strache, geschieden, zwei Kinder, erstmals aus dem Schatten Haiders zu lösen: 27 Prozent der Stimmen — damit hat er den Haider-Rekord von 1996 nahezu eingestellt. Jetzt erst, nachdem er die FPÖ 2005 übernahm, ist Strache der unumstrittene Führer.

Und bleibt gleichwohl eine schlechte Haider-Kopie. Denn sein Wahltriumph beruht nur zum Bruchteil auf eigener Leistung. Die eigentliche Basis dafür legten die regierenden Sozialdemokraten (SPÖ) und Christsozialen (ÖVP), indem sie bei der Migrationspolitik völlig versagten und dieses Thema ausgerechnet der rechtsradikalen Krawallpartei FPÖ überließen. Es ist vor allem diese staatsmännische Dummheit der rot-schwarzen Koalition, die das eher mediokre Politikertalent Strache zum Volkshelden macht.

Vorerst kann Strache mit seinem Triumph wenig anfangen, weil keine Partei mit ihm koalieren will. Dass er deshalb nicht Wiener Vizebürgermeister werden kann, macht ihn aber nicht unglücklich. Denn Strache hat bereits das nächste Ziel im Visier — die Bundeswahl 2013. Mit der rot-schwarzen Koalition bleiben ihm das ideale Feindbild und die Chance erhalten, das Wiener Ergebnis noch zu übertrumpfen. Somit droht Österreich ein dreijähriger Anti-Ausländer-Wahlkampf.

Wobei Strache geschickt zwischen "guten" und "bösen" Ausländern unterscheidet. Der Grund: In Österreich sind rund eine Viertelmillion Menschen aus dem einstigen Jugoslawien eingebürgert, um deren Stimmen er buhlt. Er hat viele Fans unter jungen Serben und Kroaten, Nachkommen der dritten Gastarbeiter-Generation, die ihn für einen modernen Kreuzritter gegen den Islam halten. Besonders die Serben zählt Strache zu den "guten" Ausländern, mit seiner Ablehnung der Unabhängigkeit des Kosovo hat er sich in ihre Herzen geschmeichelt. Die "Bösen" sind muslimische Zuwanderer, die pauschal als "Islamisten" kriminalisiert werden, die nichts anderes im Sinn hätten, als sich unter Missbrauch des Asylrechts in Österreich und die EU einzuschleichen und die abendländische Kultur zu vernichten.

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Strache wurde 1969 in Wien geboren. Nach der Hauptschule und einem Jahr Handelsschule absolvierte er eine Zahntechnikerlehre. In seiner Jugend trieb er sich in der neonazistischen Szene herum. Ein Abitur hat er nicht, über eine Extraprüfung wurde ihm der Zugang zur Universität gestattet, doch das Studium der Geisteswissenschaft brach er bald wieder ab. Strache versucht, die FPÖ wieder mehr als soziale Protestpartei zu positionieren ("Ich lasse mich nicht ins rechte Eck stellen"), um sich als Staatsmann zu profilieren. Doch ob er will oder nicht: Die Anti-Ausländer-Politik diktieren ihm rechtsradikale Burschenschaften.

Auch Strache entstammt diesem Biotop: Die Kontakte zu deutsch-nationalen Studentenverbindungen aus seiner kurzen Studentenzeit nützten ihm später beim politischen Aufstieg, heute ist er ein sogenannter "Alter Herr" der Verbindung mit dem beziehungsvollen Namen "Vandalia". Weil Strache keinen Schmiss trägt, wurde er lange Zeit als nicht satisfaktionsfähig belächelt. Doch als ihn 2004 ein Mitglied beleidigte, ergriff er die Gelegenheit zur Rehabilitierung und forderte den Beleidiger zum Duell. Man einigte sich auf stumpfe Säbel, um Verletzungen zu vermeiden. So fehlt Strache der mannhafte Schnitt in der Wange jetzt immer noch.

(RP)